Der Weg zum elektronischen Lebensretter wird immer kürzer

Defibrillatoren in Unna

Die Abdeckung mit Defibrillatoren in Unna wird immer besser. Weiße Flecken gibt es noch im ländlichen Raum. Doch ein Modell aus Kessebüren zeigt auch dafür eine Lösung auf.

Unna

, 15.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Der Weg zum elektronischen Lebensretter wird immer kürzer

Rettungsassistent Sebastian Otte (l.) und Notfallsanitäter Michael Wortmann unterwiesen in Kessebüren zwei Dutzend Freiwillige im Einsatz des Defibrillators und dafür auch in Ablauf und Technik der Herz-Lungen-Wiederbelebung. © Udo Hennes

Der Elektroschock aus einem tragbaren Defibrillator mag ein drastisches Mittel sein. Doch er kann Leben retten. Und dank einer Technik, die sich narrensicher von selbst erklärt, kann die flächendeckende Verbreitung der „automatisierten externen Defibrillatoren“ (AED) die entscheidenden Sekunden an Zeitgewinn bringen, wenn es auf jede Sekunde ankommt.

Unna hat in dieser Hinsicht gute Fortschritte gemacht. Stadtweit listet ein Verzeichnis des Vereins „Definetz“ bereits 44 Geräte auf. Offiziell registriert werden müssen Defibrillatoren nicht. Die in Hamm ansässige Initiative sammelt jedoch Informationen, die von den Eigentümern der Geräte oder durch öffentliche Quellen verfügbar gemacht gemacht werden.

Die größte Defi-Dichte gibt es in der Innenstadt

Wer die Standorte der Defibrillatoren auf eine Karte überträgt, stellt in Unna aber auch Ballungsgebiete fest: Viele Defis finden sich dort, wo viele Menschen unterwegs sind. Sehr dicht ist die Abdeckung etwa in der Innenstadt. Aber auch Industriegebiete sind gut versorgt, weil immer mehr Arbeitgeber einen Apparat für den Hausgebrauch anschaffen. Die Stationierung der Apparate nah an den Menschen hat durchaus Sinn, weil einfach die Wahrscheinlichkeit eines Notfalls mit der Zahl möglicher Patienten im Umfeld ansteigt. Derjenige, den die Herzrhythmusstörung ausgerechnet in Kessebüren befällt, braucht die Hilfe aber genauso dringend.

Kessebüren liefert ein Modell für Defis auf dem Dorfe

Heimatverein und Feuerwehr haben dort nun eine Lösung gefunden, wie auch in einem ruhigen Wohnort ohne öffentliche Einrichtungen ein AED verfügbar gemacht werden kann. Der Apparat ist gewissermaßen Unnas erster Defi auf dem Dorfe. Untergebracht ist er im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr. Geht bei der Rettungsleitstelle über die Rufnummer 112 ein Notruf aus Kessebüren ein, der den Einsatz eines Defibrillators nötig erscheinen lässt, wird per Fernentriegelung die Tür des Gebäues geöffnet. Helfer können den Apparat dann selbstständig holen. Zugleich gibt es aber auch eine Alarmierung für die Freiwillige Feuerwehr vor Ort.

Mobile Defis kommen mit dem Rettungsdienst

Hilflos waren die Menschen aus Kessebüren auch bisher nicht. Denn ein Defibrillator gehört inzwischen zur Standardausstattung aller Rettungsdienstfahrzeuge in Unna. Aber ein Apparat vor Ort kann unter Umständen etwas schneller zum Einsatz kommen. Und das mag entscheiden.

Ebenso wichtig ist allerdings auch, dass es Menschen im Ort gibt, die im Ernstfall helfen wollen und auch wissen, was zu tun ist. In Kursen für zwei Gruppen schulten Rettungskräfte der Hauptamtlichen Feuerwehr nun insgesamt zwei Dutzend Freiwillige aus dem Dorf. Ein AED erklärt sich tatsächlich selbst, indem er den Nutzern per Sprachausgabe sagt, was sie zu tun haben. Doch ohne Grundkenntnisse in Erster Hilfe geht es auch mit den Apparaten nicht.

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Bezahlt wurde der Apparat in Kessebüren vom Heimatverein. Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens hatte sich der Verein im vergangenen Jahr Gedanken darüber gemacht, wie er über die Pflege von Brauchtum und Geschichte des Ortes hinaus auch die Gegenwart Kessebürens verbessern kann. Zu den Ergebnissen dieser Initiative zählte kürzlich auch die Eröffnung eines Boule-Platzes. Das Defi-Projekt ist natürlich ein wesentlich ernsteres, verfolgt aber in einem Punkt doch dieselbe Grundidee. Auf dem Dorfe zu leben bedeute nicht zwingend, von aller Welt abgeschnitten zu sein. Und wenn das Engagement der Menschen gefragt ist, dann sei es auch enorm, wie der Vorsitzende Jürgen Wolff betont.

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