Der Turm der Stadtkirche ist technisch noch zu retten

Spendenaufruf

Für den Turm der Stadtkirche haben die Unnaer schon fleißig gespendet. Doch angesichts der Millionenkosten rufen Kirchenkreis und Gemeinde zu weiterem Engagement auf. Es fehlt eine Million Euro.

Unna

, 02.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Der Turm der Stadtkirche ist technisch noch zu retten

Architekt und Steinmetz Eberhard Tiemann war einer der Referenten bei der Gemeindeversammlung in der Stadtkirche. Zusammen mit Kollegen und Vertretern der Kirche beschrieb er ein Schadensbild, das zwar zu beheben ist, aber in jedem Fall schlimm. © Udo Hennes

Was am Anfang „nur“ wie ein Sturmschaden aussah, für den die Versicherung schon einspringen werde, hat sich für die Evangelische Stadtkirche schnell zu einem Millionenprojekt entwickelt. Fünf Millionen Euro würde es nach derzeitiger Schätzung kosten, alle Gebäudeschäden zu beseitigen, die bei der Inspektion nach dem Absturz einer Turmspitze Anfang 2018 entdeckt wurden. Im ersten Schritt soll mit 3,5 Millionen Euro das Wichtigste gemacht werden: Die Galerie mit Fialen und Wasserspeiern, die Turmhaube, die Schäden an der Außenmauer und auch die filigranen Maßwerke an den Fenstern könnten dafür saniert werden. Allerdings steht die Kirche vor einem Dilemma.

Baupreise steigen derzeit rasant

Weil die Preise der Baufirmen zurzeit um zehn bis 15 Prozent jährlich steigen, sollten die Arbeiten alsbald in Auftrag gegeben werden. Aber auch die 3,5 Millionen Euro sind noch nicht beisammen, wie Kirchenkreis und Gemeinde nun bei einer Gemeindeversammlung in der Kirche erklärten. Gut eine Million hat der Kirchenkreis zugesagt, zudem gibt es 900.000 Euro an öffentlichen Förderzusagen, 350.000 Euro an Spenden und 190.000 Euro von der Versicherung. Unterm Strich ist noch eine Million Euro offen, für die die Gemeinde einzustehen hätte. „Das würde die Gemeinde aber deutlich überfordern“, stellte Christoph Schulte, der Bauabteilungsleiter beim Kirchenkreis Unna, klar.

Der Turm der Stadtkirche ist technisch noch zu retten

Rund 70 Gäste kamen zur Gemeindeversammlung in der Stadtkirche. Hier ist es Architekt Markus Sandner, der ihnen den Sachstand erläutert. © Udo Hennes

Spendenbereitschaft ist schon außerordentlich

Der Gemeinde zu helfen, diesen Betrag zu senken, bleibe ein Ziel. Hilfe versprechen sich die Verantwortlichen aus der Bevölkerung. „Was bislang von den Spendern geleistet wurde, ist schon außerordentlich“, betonte Schulte vor rund 70 Gästen der Versammlung. Dennoch brauche die Stadtkirche Hilfe – „von allen, die sich der Stadtkirche verbunden fühlen.“

Schäden sind bedrohlich

Die Gemeindeversammlung bot allen Interessierten Gelegenheit, sich einmal von den Architekten selbst bis ins Detail über die Schäden an der Kirche informieren zu lassen. Die gute Nachricht ist, dass sich technisch gesehen alles beheben ließe. Die schlechte Nachricht ist das Ausmaß dessen, was zu beheben ist.

Die Idee, dass Wasser vom Turmhelm einmal über die Galerie ablaufen und von den Wasserspeiern auf den Kirchplatz geleitet werden könnte, hat offenbar gar nicht funktioniert. Denn in den Öffnungen der „Höllenhunde“ nisten gut vor der Witterung geschützt die Tauben der Stadt. Der Regen ist offenbar in die Zwischenräume zwischen innerer und äußerer Mauer gelaufen, die ansonsten nur mit Schutt ausgefüllt sind. In diesen Hohlräumen kann das Wasser lange stehen. Und im Winter drückt der Frost. An der südwestlichen Ecke sind auf einer Höhe von rund zehn Metern die Steine gerissen.

Baufachleute haben Fehler gemacht

Baumeister und Handwerker haben in der Vergangenheit Methoden angewandt, die heute als überholt oder gar schädlich gelten. Die Kupferplatten, mit denen in den 1950er-Jahren der Turmhelm eingekleidet wurde, sind viel zu dünn und zu schlecht befestigt. Windverwirbelungen üben einen enormen Sog aus und ziehen an den Ecken der Bleche. Hier und dort sind sie verbeult, teilweise ist das Dach dadurch undicht geworden.

Eine schädliche Art der Abdichtung ist am Stein erfolgt, aus dem Wasserspeier, Fialen und Ballustradenteile gefertigt wurden. Irgendwann haben sie einen wasserabweisenden Anstrich bekommen. „Aber wo kein Wasser reinkommen soll, kommt auch kein Wasser raus. Das erklärt die zahlreichen Risse im Material“, so der Architekt und Steinmetz Eberhard Tiemann.

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