Der schwierige Weg Unnas zu einladenden Stadttoren

dzHässliche Provisorien

Eine anziehende Innenstadt braucht auch einladende Tore. Im Prinzip hat Unna das verstanden. Die Umsetzung aber lässt auf sich warten – und zum Teil wird die Lage dabei noch schlimmer.

Unna

, 10.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Morgentor steht beispielhaft für die vertrackte Lage. Wer über die Morgenstraße nach Unna fährt, lässt Wagen oder Fahrrad in entspannter Fahrt über eine lange, baumumstandene Gerade rollen. Schließlich fällt sein Blick auf Fachwerkhäuser und Altstadtpflaster. Vom Berg herab grüßt die Stadtkirche. Sieben Gastronomiebetriebe laden zur Einkehr ein. Es könnte so schön sein – wäre da nicht dieser Käfig.

Ein System aus Bauzäunen verschließt einen Bereich, in dem die Stadtwerke in einer Hauruck-Aktion eine Stromstation versetzen mussten. Wirksam sind die Absperrungen nicht. Passanten, die auf dem Gehweg am Ostring in eine Sackgasse geraten würden, haben zum wiederholten Male einen Ein- und einen Ausgang in den Käfig und damit einen Durchgang geschaffen. Im Endeffekt ist der Käfig so nutzlos wie hässlich.

Es ist nicht das einzige Problem, das von der Baustelle des Kortelbachkanals geblieben ist. Paradox ist, dass das Morgentor bereits um einiges schöner sein könnte, wenn es die Stadt nicht noch schöner machen wollte. Nach der Schachtbaustelle für den Kortelbach hätte die beauftragte Firma den Bereich auch in den vorherigen Zustand zurückversetzen können. Aber weil Unna die Gelegenheit nutzen will, um den Bereich mit einem „Shared Space“-Konzept zu beleben, wäre dies Ressourcenverschwendung. So wurde das Morgentor zunächst einmal provisorisch wiederhergestellt. Problem ist, dass dieses Provisorium nun eine Weile Bestand haben wird. Das geschotterte Plateau am Güldenen Trog – eigentlich als Fläche für die Außengastronomie gedacht, derzeit oft missbraucht als Parkplatz – könnte 2019 ein neues Gesicht bekommen. Die große Lösung kommt frühestens im Folgejahr.

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Es ist nicht das einzige Beispiel dafür, dass Unna durchaus ein Bewusstsein für die Torfunktion der Innenstadtzugänge hat, aber trotzdem Probleme hat, Besucher ansprechend zu begrüßen. Interessant macht sich dies am Rathaus bemerkbar: Pläne für den Neubau der Freitreppe dort sind erst einmal in einer Schublade der Stadtverwaltung verschwunden. Dennoch wirkt der Aufgang zurzeit weniger unsympathisch als zu anderen Zeiten. Allein, dass die Stadt etwas mehr Geld für die Grünpflege in die Hand nimmt, scheint sich bemerkbar zu machen: Das Unkraut ist aus den Beeten verschwunden. Wo es für die große Lösung nicht langt, können offenbar auch kleine Maßnahmen riesige Fortschritte bringen.

Der Schotterkäfig am Morgentor

Die Gastronomie am Morgentor lebt wieder auf und die Stadt erkennt die ungenutzten Potenziale der Fläche. Ein „Shared Space“-Konzept soll aus ihr einen Platz zum Verweilen machen. Nach der Schachtbaustelle für den neuen Kortelbachlauf ist sie daher erst einmal nur provisorisch wieder hergerichtet worden. Schön ist dieses Ergebnis nicht: Eine als Parkplatz missbrauchte Schotterfläche für Gastronomen und ein Käfig aus Bauzäunen wirken eher abschreckend. Ob der Umbau kommt, hängt zudem auch von Fördermitteln ab. Vor 2020 ist er nicht zu erwarten.

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Kein Parkplatz, sondern eine Gastronomiefläche – aber das weiß halt nicht jeder Gast des Morgentores. © UDO HENNES

Das Flickwerk in der Fußgängerzone

Massener Straße und Hertingerstraße sollen den Neubau der Unnaer Fußgängerzone eröffnen – wenn er denn finanzierbar ist. Das derbe und insbesondere an der Massener Straße oft wackelige Pflaster ist zunächst ein Sicherheitsproblem. Aber wer beim Gehen vor seine Füße schaut, der erkennt auch, wie hässlich das vielfach mit Kaltasphalt geflickte Natursteinpflaster inzwischen ist.

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Gefährlich und hässlich zugleich: Der Zugang zur Innenstadt an der Massener Straße. © Udo Hennes

Die unfinanzierbare Freitreppe

Als gelungene Gestaltung wird die Freitreppe am Rathaus eher selten bezeichnet. Weil sie für alle, die Unna mit der Bahn besuchen, Visitenkarte und Zugang zur Innenstadt ist, diskutiert Unna seit Jahren über Pläne für einen Neubau. Zurzeit liegen diese Pläne allerdings auf Eis, weil sie sich in Zeiten guter Baukonjunktur nur mit unerwartet viel Geld umsetzen ließen. Die FDP schlägt nun vor, die Treppe wenigstens einer Grundreinigung zu unterziehen und in den Beeten Bodendecker anzupflanzen. Immerhin: Das Unkraut ist derzeit erfreulich rar in der Grünanlage.

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Einmal die Beete zu pflegen, hat den Gesamteindruck an der Rathaustreppe überraschend stark aufgewertet. © UDO HENNES

Das Tor zur Trinkerszene

Mit dem Königsborner Tor ist Unna regelrecht ins Gerede gekommen. Eine Trinkerszene hat den Kiosk an der Bahnunterführung als Versorgungsstützpunkt ausgemacht. Ortsvorsteherin Ingrid Kroll spricht von einem Angstraum, ein Anwalt der Hauseigentümergemeinschaft weist auf etliche Rechtsverstöße hin. Stadt und Polizei wollen die Situation jetzt im Rahmen ihrer Ordnungspartnerschaft besprechen.

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An der Unterführung des Königsborner Tores wird in letzter Zeit viel Alkohol getrunken – mit den entsprechenden Begleiterscheinungen. © Udo Hennes

Die provisorische Stadtbegrünung

Kein echtes Drama, aber ein Symbol dafür, wie schwer sich Unna manchmal auch mit kleineren Dingen tut: Nachdem Sturmtief Friederike im Januar an der Wasserstraße einen Baum ausgerissen hatte, standen an der Baumscheibe über Monate hinweg nur Sperrbaken zur Absicherung. Unnas Grüne ersetzten sie mittels „Guerilla Gardening“. Der offizielle Baum der Stadt lässt derweil noch immer auf sich warten.

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Hier stand einmal ein Baum. Die Stadt ersetzte ihn rot-weiß, die Grünen schufen zumindest vorläufig etwas Grün.

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