Dirk Wigant hat auch Telefon- und E-Mail-Anschluss. Mit dem Mängelmelder soll seine Stadtverwaltung besser erreichbar sein. Vor allem aber lässt sie sich etwas offener auf die Finger sehen. © Stadt Unna
Meinung

Der Mängelmelder ist mutig, aber eben auch nicht mehr

Hinweise auf Mängel im Stadtgebiet nimmt Unna jetzt per Smartphone-App an. Technologisch entwickelt sich das Rathaus also. Aber die eigentlichen Probleme sieht unserer Autor an anderer Stelle.

Apps, über die man der Stadtverwaltung Hinweise auf wilde Müllkippen, verdrehte Verkehrsschilder oder Schlaglöcher geben kann, befanden sich auf meinem Handy schon vor der Einführung des Mängelmelders.

Da war zum Beispiel die Telefon-App, über die man die Nummer (02303) 103-0 wählen konnte, um mit etwas Geduld und einen Umweg über die Vermittlungsstelle in Dortmund (!) einen menschlichen Ansprechpartner zu finden. Die App „Mail“ erlaubte sogar eine Übermittlung von Fotos an die Adresse [email protected]

So gesehen leistet die neue Meldeplattform vor allem zwei Dinge: Sie entbindet mein Gehirn von der Aufgabe, mir entsprechende Nummern und Adressen zu merken oder sie herauszusuchen. Und: Sie schafft mehr Transparenz.

Letzteres ist das eigentlich Spannende an der neuen Technik: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus vollziehen zumindest einen Teil ihrer Arbeit künftig so öffentlich, wie es sonst nur Rockstars, Profifußballer und Zeitungsleute tun. Der Bearbeitungsstand jeden Mangels wird vermerkt, und wenn der digitale Stadtplan irgendwann voller Fähnchen mit dem Status „in Bearbeitung“ ist, dann wird es ähnlich peinlich wie ein falscher Ton, ein Fehlpass oder ein fetter Rechtschreibfehler in der Überschrift. In dieser Hinsicht ist Unna zumindest mutig. Sehr mutig sogar.

Bekannte Probleme sind noch keine gelösten Probleme

Denn das Problem bei der Abarbeitung von Hinweisen der Bürger lagt zuletzt weniger bei einem unnötig komplizierten Meldeweg. Es lag eher daran, dass vieles liegen geblieben ist. Wer zum Beispiel durch Wohnortwechsel schon mit unterschiedlichen Stadtverwaltungen in der Region zu tun hatte, sieht Unna nicht unbedingt an der Spitze, was schnelles und unbürokratisches Handeln angeht.

Natürlich gibt es bei näherem Hinsehen Unterschiede je nach Anliegen und Abteilung. Die Stadtbetriebe zum Beispiel liefern oft gute Beispiele für schnelles Eingreifen, bedanken sich überdies, wenn der Bürger ihnen sein Auge leiht und Hinweise gibt. Doch andere Abteilungen rangieren eher im Mittelfeld. Dies überrascht nicht einmal, kommen doch aus dem Rathaus selbst immer wieder Überlastungsmeldungen und Forderungen nach zusätzlichen Personalstellen. Und für die Behebung von Straßenschäden fehlt oftmals einfach Geld.

Vielleicht werden es irgendwann nicht die Bürger der Stadt sein, die den Mängelmelder nutzen, sondern Beamte der Stadtverwaltung. Dann prangt auf der Stadtkarte ein Fähnchen an der Stelle des Rathauses: Hier fehlen Kollegen, hier fehlt Geld. Status: in Bearbeitung.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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