Für Kinder im Bildungs- und Teilhabepaket gibt es statt dem Mittagessen in der OGS während des Lockdowns nun Lunchtüten. © picture-alliance/ dpa (symbolbild)
Coronavirus

Der Lockdown lässt viele Kinder in Unna an Hunger leiden

Der Lockdown trifft alle, doch besonders hilflos sind dabei Kinder. Ihnen fehlen sogar grundlegende Dinge wie eine ausreichende Ernährung, schlägt die „Aktion für Kinder in Unna“ jetzt Alarm.

Dass Grundschüler in der Ganztagsbetreuung ein Mittagessen bekommen, zählt zu den zentralen Zielen der „Aktion für Kinder in Unna“. Dafür und inzwischen auch für Angebote in Kindergärten, Jugendtreffpunkten und höheren Schulen bringt der Verein Jahr für Jahr enorme Spendenbeträge auf. Wer nun meint, dass sich die Helfer in Zeiten von pandemiebedingten Schließungen zurücklehnen könnten, irrt.

Denn es sei nicht zwangsläufig so, dass die Kinder ihr Mittagessen nun einfach zu Hause einnehmen. Maria Walter als Vorsitzende der Aktion für Kinder schlägt Alarm. Dass Ernährungsproblem habe sich durch die Schulschließung keinesfalls erledigt, sondern verlagert – und zwar in einen Bereich, in dem die Kinder bei weitem nicht so leicht zu erreichen sind.

Im „Home Schooling“ sind die Kinder kaum zu erreichen

Ist die Kooperation mit den Schulen sonst ein gangbarer Weg, Kindern einmal am Tag eine gute Mahlzeit zu servieren, so tun sich nun gleich mehrere Probleme auf: Wenn die Kinder nicht mehr zentral an den Mittagstisch in der Schule kommen können, müssen die Nahrungsmittel dezentral die Kinder erreichen. Dabei weiß der Verein aus Datenschutzgründen nicht einmal, wohin solche Lieferungen gehen müssten.

Es ist nicht das erste Mal, dass dieses Problem auftritt. Schon im Frühlingslockdown 2020 hatte der Verein drauf hingewiesen – und Lösungen angemahnt für den Fall, dass es zu einer zweiten Schulschließung komme. Nun ist der zweite Lockdown da, und er zieht sich deutlich länger hin. In den Familien häufen sich derweil die Probleme, wie Maria Walter aus Zuschriften von Betroffenen weiß.

Einsamkeit, Enge, Bewegungsmangel und Hunger

Kinder leiden demnach unter Isolation, oft aber auch unter Bewegungsmangel, zu viel Zeit vor TV-, Computer- oder Smartphonebildschirm. Bei Kindern, die in Armut leben, kämen noch beengte räumliche Verhältnisse, eine oft nur eingeschränkt funktionierende Teilnahme am Onlineunterricht und eben Ernährungsprobleme hinzu.

„Arm“ nach der offiziellen Definition übrigens seien in Unna bereits 18,6 Prozent der Kinder. Besonders oft betroffen seien Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Zuwanderer.

Oft fehlt es den Familien einfach an Geld

Dass Kinder zu Hause keinen Ersatz für das entfallende Mittagessen aus der Ganztagsbetreuung finden, mag unterschiedliche Gründe haben. Einer davon ist schlichtweg auch der Mangel an Geld: Familien, die von Sozialleistungen leben, müssten nun für Mahlzeiten einkaufen, die ansonsten in der Schule sichergestellt waren.

Eine Mutter, die sich nun mit einer offenen Schilderung ihrer Zustände an die Aktion für Kinder in Unna gewandt hat, gewährt Einblick in die Lebenswirklichkeit von Betroffenen. Gerade jetzt zum Jahreswechsel seien einige zusätzliche Rechnungen aufgelaufen, etwa für Versicherungen. Da sei das Geld einfach sehr knapp. Selbst der Gang zur Unnaer Tafel habe ihr Versorgungsproblem nicht gelöst: Dort herrsche gerade ein Stopp der Neukundenannahme.

Die Aktion für Kinder in Unna möchte helfen, ist aber darauf angewiesen, dass Einrichtungen, mit denen sie auch sonst zusammenarbeitet, neue Lösungen finden, um die Kinder zu erreichen. Immerhin: Die Stadt und die Träger der Ganztagsgruppen scheinen nach Maria Walters Einschätzung schon an einer solchen Lösung zu arbeiten. „Wie auch immer sie aussieht: Wir müssen die Kinder erreichen.“

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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