Der Biergarten mit fröhlicher Selbstbedienung rettet die Saison bei Bauer Brune

dzGastronomie und Corona

Gaststätten dürfen wieder öffnen, aber ohne den großen Biergarten wäre bei Bauer Brune wenig los. Die Wirtin geht pragmatisch mit der Krise um - und es funktioniert gut.

Massen

, 23.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine kurze Speisekarte, die Corona-Regeln und den Zettel für die Personalien gibt Annette Brune jedem Gast an die Hand. Besucher ihrer Gaststätte können sich damit dann in den Biergarten setzen. Wer etwas essen oder trinken möchte, muss es sich selbst am Tresen abholen. So funktioniert Bauer Brune in Corona-Zeiten. Und es funktioniert gut.

Nur Biergarten und nur Selbstbedienung

Seit dem Samstag Mitte Mai hat Annette Brune ihre Familien-Gaststätte am Reckerdingsweg in Massen wieder geöffnet. Aber bisher findet alles draußen statt. Der Biergarten ist zum Glück geräumig. Rund 120 Gäste finden an den Tischen bequem Platz. Wenn sie wegen der Corona-Regeln Abstand zueinander halten müssen, sind es ein paar weniger.

„Ihr wisst Bescheid.“ Speisekarte, Corona-Regeln und den vom Amt vorgeschriebenen Zettel zur Angabe der Personalien drückt Annette Brune jedem Gast in die Hand.

„Ihr wisst Bescheid.“ Speisekarte, Corona-Regeln und den vom Amt vorgeschriebenen Zettel zur Angabe der Personalien drückt Annette Brune jedem Gast in die Hand. © Raulf

Betrieb im Schankraum soll es zunächst nicht geben, erklärt Brune, nur den Biergarten mit Selbstbedienung. Sie wolle es ihren Kellnerinnen nicht zumuten, den ganzen Tag mit Maske herumzulaufen, zumal es ja nun auch wieder an einigen Tagen warm war. Außerdem will die Wirtin ihre Mutter schützen. Hildegard Brune gehört mit Mitte 80 definitiv zur Corona-Risikogruppe. Allerdings ist sie vor allen Dingen fit und rüstig. Jeden Tag helfe die Mutter mit wie eh und je, sagt die Tochter (59) nicht ohne Stolz.

Bauer Brune

Sechs Tage geöffnet

Die Gaststätte Bauer Brune am Reckerdingsweg ist täglich ab 17 Uhr geöffnet, sonn- und feiertags ab 11 Uhr. Mittwoch ist Ruhetag. Aktuell steht Gästen nur der Biergarten zur Verfügung, es gilt Selbstbedienung.

Und so reichte mitunter auch die Alt-Wirtin den zahlreichen Gästen Getränke durch die Klappe am Wintergarten, die am „Vatertag“ den Biergarten bevölkerten.

Dass auf den nagelneuen Tischen keine Decken liegen, damit sie coronabedingt leicht desinfiziert werden können, ist Mutter wie Tochter schon ein Dorn im Auge.

Fast 86, dabei fit und jeden Tag im Betrieb mit von der Partie: Hildegard Brune reicht ein frisches Bier durch die Klappe am Wintergarten.

Fast 86, dabei fit und jeden Tag im Betrieb mit von der Partie: Hildegard Brune reicht ein frisches Bier durch die Klappe am Wintergarten. © Raulf

Denn eigentlich legen sie Wert darauf, es ihren Gästen nett zu machen. Eine gutbürgerliche Gaststätte sei Bauer Brune, „und das soll auch so bleiben“, betont Annette Brune. Dazu gehörten gutes Essen zu vernünftigen Preisen und eigentlich auch stilvolle Dekoration. Aber Decken müssten nach jedem Gast in die Wäsche, also bleiben die Tische nackt.

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Corona erlaubt nur wenig Service

Dass sie ihre Gäste nicht wie sonst bedienen sondern sie selbst laufen lassen, das ist auch gewöhnungsbedürftig für die beiden Traditionswirtinnen. „Aber die Leute nehmen das so gut an und sind so nett“, schwärmt Hildegard Brune über den gefundenen Kompromiss.

Guter Draht zur Stammkundschaft

So hätten Gäste und Wirte Christi Himmelfahrt gut bewältigt. „Mit Humor und Holprigkeit ging es“, sagte Annette Brune. „Vatertag“ mit vielen Ausflüglern war ein guter Tag für die Gaststätte, die auch von der Lage an einer beliebten Fahrradroute profitiert. Viele hätten sich gefreut, endlich mal wieder draußen zu sitzen unter den Bäumen, berichtet die Wirtin.

Bei Bauer Brune herrscht Selbstbedienung im Biergarten.

Bei Bauer Brune herrscht Selbstbedienung im Biergarten. © Raulf

Hin und wieder habe sie Gäste auf die Abstandsregeln hinweisen müssen. Vermutlich half besonders der liebevoll-kernige Ton, der in der Kneipe herrscht, dass die Gäste das dann auch verstanden haben. Die meisten sind ohnehin Stammkunden. Man kennt sich. „Wir hatten bisher überhaupt keine Schwierigkeiten“, sagt Annette Brune.

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Corona macht das 55. Jahr zu einem schwierigen

Eigentlich hätte schon der „Tanz in den Mai“ besonders toll werden sollen dieses Jahr: Die Gaststätte, die Annette Brunes Eltern gebaut haben, hätte an diesem Tag ihren 55. Geburtstag gefeiert. „Der ist uns ja nun durch die Lappen gegangen.“ Bei allem pragmatischen Optimismus weiß Annette Brune, was Corona für ihre Branche bedeutet. Die Außengastronomie läuft, aber sie läuft relativ spät an und eingeschränkt. Und noch schlimmer: Wie in anderen Gaststätten sind bei Bauer Brune keine Familienfeiern möglich bisher, keine Vereinstreffen, kein Kegeln. Wie das Jahr weiterläuft, weiß niemand. „Es ist ein Einbruch“, sagt die Wirtin deutlich.

Restaurants, Kneipen, Cafés und Eisdielen dürfen wieder öffnen – aber unter strengen Auflagen. Wir nehmen das zum Anlass, uns vor Ort in Unna ein Bild zu machen, wie der Betrieb in Corona-Zeiten läuft. In loser Folge stellen wir heimischen Lokale vor.
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