Das Thema Tibbe löst in Unnas Politik verbale Ausschreitungen aus

dzFDP schlägt zurück

Rund ums „Thema Tibbe“ entwickelt sich in der Politik in Unna ein unübersichtlicher Schlagabtausch. Auch die FDP greift jetzt ein – nachdem sie zuvor einen fiesen Seitenhieb einstecken musste.

Unna

, 18.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ist ein neuer Job bei den Stadtwerken mit einem Sitz im Stadtrat zu vereinbaren? Diese Frage stellt sich in Unna derzeit am Beispiel des SPD-Mannes Klaus Tibbe, der ab Januar sein Geld beim Kommunalversorger verdient. Dass dies nun auch die zuvor zurückhaltende FDP beschäftigt, sagt etwas aus über die Debattenkultur in Unnas Politik.

Über einen Seitenhieb des in die Kritik geratenen Tibbe sind die Liberalen im Stadtrat äußerst verstimmt. Dazu kam es in dieser Vorgeschichte: Eigentlich war es zunächst die Freie Liste (FLU), deren Fraktionschef Klaus Göldner dem SPD-Mann Tibbe nahegelegt hat, mit dem beruflichen Wechsel zu den Stadtwerken sein Ratsmandat niederzulegen.

FDP: Äußerungen über Martin Bick stehen Klaus Tibbe nicht zu

Göldner verwies dabei auch auf das für ihn vorbildliche Beispiel des früheren FDP-Fraktionsvorsitzenden Martin Bick, der nach seiner Bestellung als Wirtschaftsförderer des Rathauses sein Ratsmandat und seine Parteiämter niedergelegt hat. Tibbe aber wies Göldners Position zurück – was nicht ohne Schaden bei der FDP blieb. Denn der SPD-Mann äußerte Überlegungen, dass Bick vielleicht froh drum gewesen sei, das politische Wirken für die Liberalen einzustellen.

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„Wir sind doch sehr enttäuscht über das, was Herr Tibbe geäußert hat“, erklärte nun Bicks Nachfolger in der FDP-Fraktion, Günter Schmidt. „Herrn Tibbe stehen die Äußerungen zu Martin Bick und der FDP in keiner Form zu. Wir verwehren uns gegen die Wortwahl, dass Herr Bick froh sei, nicht mehr in dieser FDP zu sein und können nur jedem empfehlen, hier insbesondere der SPD, erst einmal vor der eigenen Tür zu kehren“, so Schmidt weiter.

Konter: SPD kämpft gegen ein Nachrücken Margarethe Strathoffs

Der FDP-Ratsherr dreht den Spieß um und unternimmt seinerseits einen Deutungsversuch: „Wir sehen in Tibbes Verhalten vielmehr den verzweifelten Versuch, das Nachrücken von Magarete Strathoff, die der Reserveliste nach wohl für Tibbe in den Rat einziehen würde, zu verhindern. Denn was das für die SPD bedeuten würde, ist jedem aufmerksamen Beobachter der Szene wohl klar: Die SPD verlöre ein weiteres Fraktionsmitglied und hätte dann nur noch 16 Ratsmitglieder in ihren Reihen, denn Frau Strathoff hat sich bekanntermaßen schon länger von der SPD gelöst.“

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„Schändlicher“ Klaus Göldner erntet Vorwurf der „Profilneurose“

Markige Worte prägten die Diskussion über Tibbes Wechsel zu den Stadtwerken schon in der vergangenen Woche im Haupt- und Finanzausschuss. Sie richteten sich gegen FLU-Mann Klaus Göldner, der dafür in die Kritik geriet, die nicht-öffentliche Mitteilung des Bürgermeisters über Tibbes Wechsel öffentlich gemacht zu haben.

Der bündnisgrüne Ratsherr Karl Dittrich zog dieses Thema seinerseits in die Öffentlichkeit, indem er in der Sitzung die Anfrage stellte, „was man da machen kann“. Bürgermeister Werner Kolter nannte Göldners Enthüllung einen „Vertrauensbruch“, der Massener SPD-Ratsherr Michael Tietze sprach Göldner „schändliches“ Verhalten und eine „Profilneurose“ zu.

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