Das Publikum ist bei der Hexenjagd im Narrenschiff mitten im Geschehen

dzTheaterstück feiert Premiere

Äußerst intensiv war das Erlebnis, dass das Theater Narrenschiff bei der Prämiere von „Hexenjagd“ am Samstag erzeugte. Mit der Inszenierung ist dem Ensemble ein Geniestreich gelungen.

von Sebastian Pähler

Unna

, 10.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn das Theater Narrenschiff über die Jahre eines bewiesen hat, dann dass es sich immer wieder und wieder neu erfinden kann. Mit „Hexenjagd“ präsentierte das Ensemble ein starkes Stück in einer noch stärkeren Inszenierung.

Das Stück

Hexen gehen um in der kleinen amerikanischen Stadt Salem Massachusetts im Frühjahr des Jahres 1629. Schließlich müssen Krankheiten, Fehlgeburten und Zwietracht zwischen den Bürgern ja irgendwo herkommen. Als Betty (Sarah Hannuschka), die Tochter des Pfarrers Parris (Nils Jacobi), und ihre Freundin Ann (Jane Csepi) von mysteriösen Symptomen geplagt werden, heißt es schnell, der Teufel habe seine Hand im Spiel. Dann wird auch noch Abigail (Kathrin Bolle), die Nichte des Pfarrers, beschuldigt, mit den beiden zusammen dunkle Mächte beschworen zu haben.

Die drei gestehen, doch nicht sie selbst seien Hexen, sondern andere. Sie nennen Namen. Jedem Beschuldigten droht der Strick, es sei denn er gesteht und hilft dabei, weitere Hexen zu identifizieren.

Das viele Anklagen den Anklägern dabei all zu gut zu Pass kommen und viele weltliche Konflikte über die Hexenprozesse ausgetragen werden, fällt dabei nur dem Bauern John Proctor (Marco Janiel) auf, der damit selbst verdächtig wird.

In Hexenjagd verarbeitete Autor Arthur Miller die Jagd nach Kommunisten während der McCarthy-Ära, die ihn selbst ins Gefängnis brachte, weil er sich weigerte gegen andere auszusagen.

Das Publikum ist bei der Hexenjagd im Narrenschiff mitten im Geschehen

Hexenjagd von Arthur Miller darf auch als Parabel gelten für die Verfolgung von Kommunisten in den USA zu Beginn des Kalten Krieges. © André Decker


Die Inszenierung

Ein ungewohntes Bild erwartet die Zuschauer bei diesem Stück im Narrenschiff. Denn Bühne und Zuschauerraum stehen sich nicht wie sonst gegenüber. Das ganze Geschehen passiert in der Mitte des Theaters, während das Publikum von drei Seiten vollen Einblick hat. Alle sind unter Beobachtung, nicht nur die Schauspieler, sondern auch das Publikum selbst. Genau so überträgt sich das beklemmende Gefühl der realen, wie metaphorischen Hexenjagd auch auf die Besucher.

Hexenjagd im Narrenschiff

Weitere Termine und Karten

Nach der Premiere bieten sich acht weitere Termine an, um bei der Hexenjagd im Theater Narrenschiff dabei zu sein:
  • Samstag, 15. Juni, 19.30 Uhr
  • Sonntag, 16. Juni, 19 Uhr
  • Mittwoch, 19. Juni, 19.30 Uhr
  • Samstag, 22. Juni, 19.30 Uhr
  • Sonntag, 23. Juni, 19 Uhr
  • Freitag, 28. Juni, 19.30 Uhr
  • Sonntag 30. Juni, 19 Uhr
  • Sonntag 7. Juli, 19 Uhr
Karten gibt es im Vorverkauf für 10 Euro (ermäßigt 8 Euro) im I-Punkt im zib, Lindenplatz 1, in Unna. An der Abendkasse kosten Karten 13 Euro (9 Euro).

Zudem wirken dadurch die Bewegungen auf der Bühne äußerst authentisch und lebensnah, da das Ensemble ohnehin in alle Richtungen spielen muss und nicht nur zum Publikumsraum hin orientiert ist. Einige Zuschauerinnen und Zuschauer kamen außerdem in den Genuss, einen Platz unmittelbar am Bühnenrand oder auf der Oberbühne zu ergattern und so quasi direkt im Stück zu sitzen.

Das alles, ein exzellent aufeinander eingespieltes Ensemble, mitreißende schauspielerische Leistungen und eine beklemmende wie anregende Atmosphäre machen Hexenjagd zu einer der intensivsten Erfahrungen, die es je im Theater Narrenschiff gab.

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