Das Klärwerk im Kleinformat

dzAbwasser

Die Abwasserbeseitigung über Kanäle und Kläranlagen zählt zu den Errungenschaften der Zivilisation. Die „Grube“ am Haus bleibt dennoch unverzichtbar. 238 solcher Anlagen gibt es in Unna.

Unna

, 05.11.2018, 13:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Welche Zustände selbst in Unnas Innenstadt einmal geherrscht haben, mag sich der Besucher der Fußgängerzone nicht ausmalen. Doch der kundige Blick auf die Gebäudestruktur zeigt auch heute noch hier und dort „Kotgassen“, deren Bezeichnung nicht von ungefähr kommt. Fäkalien in unterirdischen Leitungen abzuleiten und in großen Anlagen aufzubereiten, galt einmal als wesentlicher Fortschritt in Sachen Seuchenschutz und Umwelt. Aber längst nicht jeder Unnaer „hängt“ mit seinem Haus am Kanalnetz.

Abwasserentsorgung ist Pflichtaufgabe der Stadt

Die Stadtbetriebe, in Unna zuständig für die gesetzlich geregelte Abwasserbeseitigung, suchen derzeit einen neuen Partner für die Entleerung von Kleinkläranlagen. 238 solcher Anlagen soll es in Unna noch geben. Und deren Zahl dürfte sich nicht wesentlich verändern: Wo heute noch kein Kanalrohr liegt, wird so bald auch keines hingelegt.

Vor allem für abgelegene Siedlungen oder Einzelgehöfte im ländlichen Raum wäre es einfach unwirtschaftlich, einen Graben auszuheben, um dort ein Kanalrohr zu verlegen. In solchen Wohnlagen setzt Unna weiterhin auf die „Grundstücksentwässerungsanlage“. Die Leute lassen ihr Abwasser in eine Grube laufen. Mit altertümlichen Sammelbecken haben diese Anlagen aber nur noch wenig zu tun. „Die meisten Anlagen in Unna sind sehr modern“, erklärt Maria Willige-Schleep von den Stadtbetrieben.

Kleinkläranlagen sind in Unna meist modern

Zwischen dem, was die Nutzer in die Behälter einfüllen, und dem, was eine Fachfirma in vorgegebenen Intervallen herausholt, besteht durchaus ein Unterschied. Denn die Gruben funktionieren tatsächlich wie Kläranlagen im Kleinformat. In einem System aus zwei oder drei Kammern trennen sich vom Wasser Fette, Fäkalien und andere Abfallstoffe. Bakterienkulturen zerlegen die Masse und lassen am Ende Wasser austreten, das sauber genug ist, um in Gräben oder Bäche laufen zu können oder ins Grundwasser zu versickern. Voraussetzung dafür ist, dass auch das Ergebnis der Reinigung regelmäßig beprobt und analysiert wird.

Leerungsintervalle sehr unterschiedlich

Die Reinigungsleistung bestimmt neben der Größe der Anlage und der Zahl der Nutzer auch, wie oft der Inhalt abgeholt werden muss. Zeitgemäße Kleinkläranlagen mit entsprechender Wasserausleitung brauchen länger, um voll zu werden. Zu früh dürfe eine moderne Anlage gar icht entleert werden, erklärt Maria Willige-Schleep: Der Klärschlamm müsse eine gewisse „Dicke“ erreicht haben, damit die Mikrobiologie auch nach der Leerung weiterhin intakt ist. Die gängigsten Anlagentypen fassen vier bis sechs Kubikmeter und machen drei Viertel aller Apparate aus. Die größeren Anlagen sind in der Regel auch unter zehn Kubikmeter groß. Einige Anlagen werden mehrmals im Jahr entleert, andere nur alle zwei oder drei Jahre. Die Eigentümer der Grundstücke wissen dies, und an dem Prinzip wird sich auch bei einer Neuvergabe des Auftrages durch die Stadtbetriebe nichts ändern. Möglicherweise aber kommt ab kommendem Jahr ein Fahrzeug mit dem Aufdruck einer anderen Firma.

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