Das ist der neue Bürgermeister von Unna: Dirk Wigant im Porträt

dzBürgermeisterwahl 2020

Nach 16 Jahren stellt nun die CDU wieder den Bürgermeister in Unna. Mit Dirk Wigant steht künftig ein Mann an Unnas Spitze, der die Stadtverwaltung bestens kennt – und vieles verändern will.

Unna

, 28.09.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei Dirk Wigant weiß man, woran man ist. Sein Profil ist klar, er ist Verwaltungsmann mit Erfahrung, Unnaer Jung‘ mit tiefer Verwurzelung. Aber auch Dirk Wigant weiß gerne, woran er ist. Wer mit ihm spricht, merkt sofort: Dirk Wigant möchte wissen, auf wen er da trifft, was sein Gegenüber von ihm will. Was die Unnaer von ihm wollen, ist jetzt klar: Sehen, ob er den viel zitierten Wandel bringt, mit dem er im Wahlkampf geworben hat.

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Wenn Wandel Veränderung bedeutet, dann mag man beim Blick auf Dirk Wigants Lebenslauf schon zuerst etwas irritiert sein, dass gerade dieser Mann für Veränderung stehen will: Stringenter geht ein Lebenslauf wohl kaum: Diplom-Verwaltungswirt, Betriebswirt, Diplom-Volkswirt mit dem Schwerpunkt öffentliche Betriebe und Verwaltungen – allein die Studienabschlüsse Dirk Wigants weisen in eine eindeutige Richtung. Eine Ausbildung im gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst, im Rahmen derer er vom Steuer- über das Schulverwaltungs- und Bürgeramt bis zum Sozialamt alle Abteilungen einer Stadtverwaltung durchläuft, festigt den Eindruck: Hier wusste jemand früh und sehr genau, was er wollte.

Sein Einzug in die Stichwahl stand lange nicht fest: Erst gegen 22 Uhr war am Abend des 13. September klar, dass Dirk Wigant in der Stichwahl gegen Katja Schuon antreten würde. 105 Stimmen betrug sein Vorsprung vor der Grünen-Kandidatin Claudia Keuchel.

Sein Einzug in die Stichwahl stand lange nicht fest: Erst gegen 22 Uhr war am Abend des 13. September klar, dass Dirk Wigant in der Stichwahl gegen Katja Schuon antreten würde. 105 Stimmen betrug sein Vorsprung vor der Grünen-Kandidatin Claudia Keuchel. © Udo Hennes

Ausbildung und erste Führungserfahrung in seiner Heimatstadt Unna

Fortbildungen im Bereich Personalmanagement und die Rolle als Ausbildungsleiter zeigen: Auch die Führungsrolle hat Dirk Wigant früh gesucht. Und all das passiert in den 1990er-Jahren hier, in Unna. Ausbildung, erste Arbeitserfahrung, erste Führungsrolle als Leiter der städtischen Kulturbetriebe: All diese Schritte geht Dirk Wigant in seiner Heimatstadt.

Die verlässt er im August 2008 für höhere Ziele: Als Erster Beigeordneter ist er sechs Jahre lang Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters der Kreisstadt Steinfurt und damit verantwortlich für 300 Mitarbeiter. Zu seinem Aufgabenbereich zählen neben der Wirtschaftsförderung auch die Bereiche Sicherheit und Ordnung.

Öffentliche Sicherheit gehört stets zu seinen Kernaufgaben

Dies wird quasi zu einem Roten Faden seiner weiteren Karriere, denn als er 2014 in seine Heimatstadt zurückkehrt, ist er als Leiter des Dezernats 4 der Kreisverwaltung zuständig für: Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Die Erstaufnahmeeinrichtung in Unna-Massen fällt in seinen Zuständigkeitsbereich; insgesamt trägt er in dieser Funktion Verantwortung für rund 400 Mitarbeiter.

Im März 2019 wird Dirk Wigant (links) zum Beigeordneten in Unna gewählt, zeitgleich wird Jens Toschläger Technischer Beigeordneter (rechts). Wohnen, Soziales und Senioren, zentrale Vergabestelle, Datenschutz, Umwelt, Bürgerservice und Wahlen, Öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie Feuerschutz und Rettungswesen fallen in sein Aufgabengebiet.

Im März 2019 wird Dirk Wigant (links) zum Beigeordneten in Unna gewählt, zeitgleich wird Jens Toschläger Technischer Beigeordneter (rechts). Wohnen, Soziales und Senioren, zentrale Vergabestelle, Datenschutz, Umwelt, Bürgerservice und Wahlen, Öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie Feuerschutz und Rettungswesen fallen in sein Aufgabengebiet. © Stadt Unna

Der Wechsel auf die Beigeordnetenstelle der Stadt Unna wirkt da im März 2019 fast wie ein Rückschritt: Es ist nicht die Erste Beigeordnetenstelle, die Dirk Wigant bekommt und er leitet auch nicht die Dezernate mit dem meisten Gestaltungsspielraum. Wohnen, Soziales und Senioren, zentrale Vergabestelle, Datenschutz, Umwelt, Bürgerservice und Wahlen sowie Feuerschutz und Rettungswesen fallen in seinen Bereich. Gestaltet wird im Baubereich, in der Stadtplanung – doch dieses Dezernat wird nahezu zeitgleich mit Wigants Amtsantritt neu besetzt.

Aufgeheizten Debatten begegnet Wigant stets ruhig und unaufgeregt

Wieder ist es auch der Bereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung, der in Dirk Wigants Aufgabengebiet fällt – und das erweist sich im Wahlkampf als großes Thema: Trinkende und pöbelnde Menschen vor dem Rathaus stören Bürger und Geschäftsleute, der Ruf nach Maßnahmen durch die Stadt wird in den Wochen vor der Wahl immer lauter. Und hier punktet Wigant: Ruhig, unaufgeregt, sachlich erklärt er wieder und wieder, was geht – und was nicht. Aufgeheizten Debatten und markanten Forderungen nach mehr Machtdemonstration durch die Stadt setzt er die sachlich-nüchternen Erklärungen eines Verwaltungsmannes mit jahrelanger Erfahrung in genau diesem Bereich entgegen: Ein unbefristetes Alkoholverbot geht nicht, weil es nicht mit dem Grundgesetz vereinbar wäre. Aufsuchende Sozialarbeit sei viel wichtiger, die Stelle dafür werde neu gerade neu ausgeschrieben.

Unaufgeregt und sachlich die Dinge erklären: Das liegt Dirk Wigant. Als im ersten Live-Talk des Hellweger Anzeigers alle acht Bürgermeisterkandidaten hitzig über die Trinkerszene auf dem Rathausplatz diskutierten, blieb Wigant ruhig und erklärte Schritt für Schritt, welche rechtlichen Möglichkeiten eine Stadtverwaltung in so einem Fall hat.

Unaufgeregt und sachlich die Dinge erklären: Das liegt Dirk Wigant. Als im ersten Live-Talk des Hellweger Anzeigers alle acht Bürgermeisterkandidaten hitzig über die Trinkerszene auf dem Rathausplatz diskutierten, blieb Wigant ruhig und erklärte Schritt für Schritt, welche rechtlichen Möglichkeiten eine Stadtverwaltung in so einem Fall hat. © Udo Hennes

Sein großes Thema im Wahlkampf: Bürgerbeteiligung

So etwas sagt Wigant – und es geht fast unter in dem Getöse derjenigen, die laut und schnell Veränderungen fördern. Das laute Verkaufen seiner eigenen Ideen liegt Dirk Wigant nicht. Er schätzt die ruhige, sachliche Diskussion. Da, wo sie nicht möglich ist, weil Emotionen hochkochen, wirkt Wigant oft irritiert.

Sein großes Thema im Wahlkampf war die Bürgerbeteiligung: Ob digital oder persönlich: Wigant versprach, die Bürger an allen großen Entscheidungsprozessen zu beteiligen, einen Bürgerhaushalt einzurichten und einen Neubürgerempfang zu organisieren – schließlich will Dirk Wigant gerne wissen, woran er bei den Unnaer Bürgern ist. Es sind große Versprechen, an denen er sich in den nächsten fünf Jahren wird messen lassen müssen.

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