Das Aluwerk kehrt zurück in die Gewinnzone

dzProduktion zieht an

Im Aluwerk Unna steigt die Betriebstemperatur. Das Unternehmen hat gut zu tun und arbeitet zunehmend effektiver. 2019 sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.

Unna

, 04.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Volker Findeisen macht manches anders als sein Vorgänger Thomas Wiese. Und offenbar macht er es richtig: Nach einem Jahr mit Lieferengpässen und einem Defizit von 1,15 Millionen Euro macht das Aluminiumwerk seine Kunden und Eigentümer wieder zufrieden. Das Erfolgsgeheimnis des Managers scheint simpel: Er kümmert sich ums Alltagsgeschäft des Werkes und nebenbei auch um nötige Investitionen. Zuvor soll es andersrum gewesen sein.

So jedenfalls erklärt Findeisen die schwierige Situation des Vorjahres, die neben dem Verdacht von Unregelmäßigkeiten zur Abberufung Thomas Wieses als Vorstand geführt haben. Im Werk habe man sich sehr damit beschäftigt, ein auf 190 Millionen Euro veranschlagtes Investitionsprogramm umzusetzen. Darunter litt die Produktion. Kunden mussten mit langen Lieferzeiten leben.

Das Aluwerk kehrt zurück in die Gewinnzone

Volker Findeisen geht die Investitionen ins Werk deutlich bedachter an, um das Augenmerk stärker auf das Alltagsgeschäft zu lenken. Die Zahlen sprechen für diese Strategie. © Marcel Drawe

Inzwischen sei dies behoben, sagt Findeisen. Nach 10.300 Tonnen im Vorjahr dürfte das Werk in diesem etwa 12.500 Tonnen produzieren. Im ersten Halbjahr 2019 habe die Wertschöpfung um 27 Prozent über dem Vorjahreszeitraum gelegen. Die Motivation der 377 Mitarbeiter sei hoch, und das Vertrauen der Abnehmer kehre zurück. „Es gab eine ganze Menge von Kunden, die nicht happy waren, weil wir ihnen auf Fragen zu den Lieferzeiten nicht die richtigen Antworten gegeben haben“, blickt Findeisen zurück. Inzwischen gebe das Werk eine Antwort, die überzeugt: Schnelle Lieferungen.

Das Aluwerk kehrt zurück in die Gewinnzone

Chaojie Feng überwacht die Produktion einer Presse. Das Aluwerk arbeitet gleichartige Aufträge stärker gebündelt ab, um Zeiten für die Umrüstung der Anlagen zu verringern. © Marcel Drawe

Findeisen hat dafür einen Schlüssel verwendet, der auf den ersten Blick unpassend erscheinen mag: Bislang produzierte das Aluwerk mit Orientierung gerade auf die Liefertermine. Gefertigt wurde – vereinfacht beschrieben – in der Reihenfolge der Bestellungen, um diese passend bedienen zu können. Allerdings erforderte dies auch häufiges Umrüsten der Anlagen. Nun läuft die Produktion stärker kostenorientiert. Vergleichbare Aufträge werden gebündelt. Für Kunden, die regelmäßig die gleiche Ware bestellen, produziert das Werk auch schon einmal über längere Zeiträume im Voraus. Theoretisch bedeutet das, dass sich manch ein Abnehmer weiter hinten in der Schlange anstellen und andere vorlassen muss. Tatsächlich merkt er nichts davon, weil das Tempo im Werk zugenommen hat. „Die Produktivität ist deutlich gestiegen“, sagt Findeisen – „ohne Investitionen“.

Das Aluwerk kehrt zurück in die Gewinnzone

Eine der Baustellen, die Thomas Wiese hinterlassen hat: Nach dem Abriss einer 6000 Quadratmeter großen Halle muss das Unternehmen übergangsweise ein Lager in der Nähe des Dortmunder Flughafens anmieten. © Marcel Drawe

Wieses Investitionsprogramm hatte Findeisen bei seiner Rückkehr ins Werk Ende 2018 auf Eis gelegt. Gänzlich verwerfen kann er es nicht, denn es ist schon eine 6.000 Quadratmeter große Halle abgerissen worden. Das Unternehmen nutzt derzeit ein gemietetes Lager in der Nähe des Flughafens, das Kosten und Fahrten verursacht. Findeisen will aber nur 20 statt 190 Millionen Euro ausgeben. Angedacht ist ein Zeitraum bis 2025.

Die neue Versandhalle mit 3000 Quadratmetern soll bis Ende 2020 fertig sein und die Aufgabe der Außenstelle in Dortmund ermöglichen. Aber auch neue Anlagen sollen aufgebaut werden: Ein neues Zieh- und Presswerk soll die derzeit älteste Anlage aus dem Jahr 1955 ersetzen, ein zweiter Turmofen die Liefertreue für Kunden in der Luftfahrt sichern. Gerade dort sind hochfeste Materialien gefragt, deren Güte durch einen schnellen Temperaturwechsel hergestellt wird. „Mit einem zweiten Ofen ist sichergestellt, dass wir selbst bei einem Ausfall von einem noch weiterproduzieren können. Das schafft Vertrauen“, so Findeisen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Jugendfeuerwehr Unna

Der neue Imagefilm der Jugendfeuerwehr Unna: Ehrenamt ist auch etwas für junge Menschen

Hellweger Anzeiger Evangelische Stadtkirche

Schutz vor dem Wasser: Der gemauerte Turm der Stadtkirche ist künftig 35 Zentimeter höher

Hellweger Anzeiger Wegen Drogen vor Gericht

14 Cannabispflanzen unterm Bett im Kinderzimmer - „zu wissenschaftlichen Zwecken“

Meistgelesen