Darum spielt das Theater Narrenschiff so gerne Werke von Shakespeare

dzKultur

Über 1200 Besucher können nicht irren: „Wie es euch gefällt“ begeisterte in diesem Sommer das Publikum in Unna. Werke von William Shakespeare aufzuführen, das hat beim Theater Narrenschiff fast schon Tradition - aus gutem Grund.

von Charlotte Groß-Hohnacker

Unna

, 02.09.2019, 11:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Shakespeare – für die meisten Schüler und Schülerinnen verbunden mit alter, unverständlicher Sprache und einem überholten Weltbild. Das Ende von Romeo und Julia kennt ja sowieso jeder. Doch dank der aktuellen Abiturvorgaben kommen sie um den Barden nicht herum. Aber freiwillig in der Freizeit mit ihm beschäftigen und gar noch seine Stücke anschauen, kommt für die meisten nicht in Frage. Oder etwa doch?

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Shakespeare wieder in der neuen Spielzeit mit dabei

Das Theater Narrenschiff in Unna hat im August seinen neuen Spielplan für die Spielzeit 2019/2020 veröffentlicht. Und auch wieder ist ein Stück von Shakespeare dabei: „Wie es Euch gefällt“. Bereits Ende Juli waren alle vier Vorstellungen des Stückes auf dem Unnaer Westfriedhof ausverkauft. 1200 Leute hatten sich auch dieses Jahr das Stück bei „Theater im Park“ angeschaut.

Nun wird es im September noch drei Mal drinnen im Theater aufgeführt. In den letzten 16 Jahren war immer mindestens ein Stück des Dichters dabei, manchmal auch mehr. Und immer waren die Vorstellungen ausverkauft.

André Decker, Schauspieler und künstlerischer Leiter des Theater Narrenschiff seit 2004, scherzt: „Es scheint eine Verbundenheit mit unserem Theater, dem Unnaer Publikum und dem Barden zu geben.“ Er selbst sieht den Briten als den wichtigsten und Vater aller Bühnenautoren.

Britische Tradition in Unna

Darum spielt das Theater Narrenschiff so gerne Werke von Shakespeare

Premiere 2014: Das Foto zeigt eine Szene der ersten „Shakespeare im Park“-Veranstaltung. Gespielt wurde „Wie es euch gefällt“ - das Stücke wurde auch 2019 aufgeführt. © Privat

Tradition wollte er mit Shakespeare im Park nach Unna holen. Der Wunsch, seine Stücke unter freiem Himmel zu zeigen, war schon lange da. 2014 war es dann endlich so weit. Shakespeare im Park fand das erste Mal auf dem Westfriedhof statt. Das Publikum nahm das Format begeistert an. Drei Jahre hintereinander wurde von da an Shakespeare auf dem Westfriedhof gespielt. Zwar waren die darauf folgenden zwei Jahre „Shakespeare-freie“ Zeit, doch den Briten blieb das Theater treu. Oscar Wilde und Jane Austen sprangen für Shakespeare ein. 2019 kommt nun wieder der Barde in Unna zu Wort.

Themen von vor 400 Jahren immer noch aktuell

Altbacken oder überholt findet André Decker Shakespeare ganz und gar nicht. Im Gegenteil, die inhaltlichen Aspekte seien zeitlos und sprechen auch heute noch ein Publikum an. Er schreibe schließlich über Themen, die auch heute noch aktuell seien - wie etwa: Politik, Arbeit, Geld, Krieg, Liebe, Familie und Tod. Auch die menschlichen Gefühle, die bei Shakespeare eine wichtige Rolle spielen, sind die gleichen wie vor 400 Jahre: Liebe, Hass, Eifersucht, Neid, Freude oder etwa Angst.

Darum spielt das Theater Narrenschiff so gerne Werke von Shakespeare

William Shakespeare lebte Ende des 16. Jahrhunderts in Großbritannien. Sein Werk ist bis heute Schulstoff in vielen Ländern. © picture alliance / dpa

Laut Decker können sich die Zuschauer so in den Stücken selbst wiederfinden. In den vergangenen 400 Jahren sind immer neue Bearbeitungen, Ansätze und Interpretationen der Stücke hinzugekommen. „Das lässt die Werke aus völlig verschiedenen Blickwinkeln betrachten“, erklärt Decker.

Auch die Hauptrolle in dem aktuellen Stück, Rosalinde, ist alles andere als rückständig. Als Shakespeares Heldin mit den meisten Sätzen wird sie als emanzipierte junge Frau dargestellt. Ziemlich fortschrittlich für die damalige Zeit.

Shakespeare auch etwas für junge Menschen

Warum auch Shakespeare gerade etwas für junge Leute ist, dafür hat der Schauspieler Julius d’Silva eine Erklärung parat. Als Schauspieler in Shakespeare’s „Globe Theatre“ kann man in durchaus als Shakespeare Experten bezeichnen. Darüber hinaus bietet er auch eine Vielzahl von Workshops an, um den Dramatiker besser kennen zu lernen und zu verstehen.

Darum spielt das Theater Narrenschiff so gerne Werke von Shakespeare

Szenenfoto aus „Was ihr wollt“ von 2016: Marco Janiel, Judith Binias, Christian Michalak und Tanja Brügger (von links). © Privat

Shakespeare erzählt über Beziehungen zwischen Kindern und ihren Eltern, sowie Julia und ihrem Vater oder Hamlet und seinen Eltern. „Du denkst deine Familie sei komisch? Na dann schau dir mal diese Leute an!“, so der Schauspieler im Gespräch mit unserer Redaktion. Es geht auch um Themen, die gerade junge Leute beim Erwachsenwerden beschäftigen, wie Unabhängigkeit und Freiheit.

Laut d‘Silva lässt Shakespeare seine Leser und Zuschauer beide Seiten eines Streites sehen und hält ihnen manchmal auch ein Spiegelbild ihrer selbst vor. „Außerdem sind Hexen, Königinnen, Könige und Zauberer einfach cool“, sagt er lachend.

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