Darum halten hunderte Bauern den Verkehr auf: „Es geht um unsere Existenz“

dzProtest mit Traktoren

Mancher Autofahrer muss zähneknirschend auf der B1 stehen bleiben, wenn der Traktorenkonvoi in Bewegung ist. Die Landwirte erklären, warum sie protestieren. Es ist eine Mischung aus Zorn und Angst.

Unna

, 25.11.2019, 13:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wieder einmal sorgen Proteste von Landwirten mit zahlreichen Traktoren auch im Raum Unna für Aufsehen - und für Verkehrsstörungen. Wenn hunderte Schlepper in einer langen Reihe auf der B1 fahren, geht für einige Zeit nichts mehr auf der Bundesstraße. Funktioniert so Werbung für Verständnis? Oder stoßen die Bauern nicht vielmehr andere vor den Kopf? „Wir müssen Präsenz zeigen“, sagt Friedrich Hiddemann, einer der vielen teilnehmenden Landwirte. Der Bauer aus Kamen-Methler machte am Rande der Protestfahrten im Gespräch mit unserem Reporter deutlich: „Es geht um unsere Existenz. Das muss allen bewusst werden.“

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Auflagen „ohne Gegenleistung“

Hiddemanns konventioneller Betrieb mit 40 Milchkühen werde wie die seiner Berufskollegen mit zahlreichen Auflagen konfrontiert, „ohne Gegenleistung“, wie der Landwirt kritisiert. Mit Blick auf die derzeit alles beherrschende Diskussion um den Klimawandel mahnt er: „Es kann nicht angehen, dass die Politik mit der Brechstange versucht, die Welt zu retten, und das auf unsere Kosten.“

Sorge um Existenz und Zukunft

Viele Landwirte sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Sie sind sicher, dass noch strengere Auflagen für Umweltschutz oder „Tierwohl“ ihnen wirtschaftliches Arbeiten erschweren. Besonders der Berufsnachwuchs blickt mit Sorge in die Zukunft. Ein Landwirtschafts-Azubi von einem Betrieb in Welver machte während der Traktoren-Demo kein Geheimnis daraus. Er sei unsicher, ob er bis zur Rente in der Landwirtschaft werde arbeiten können, sagte der 16-Jährige. „Dabei macht mir das eigentlich sehr viel Spaß.“

Darum halten hunderte Bauern den Verkehr auf: „Es geht um unsere Existenz“

Auch mit Slogans auf ihrer Kleidung machen die Landwirte auf ihre Anliegen aufmerksam. Dieser heißt sinngemäß übersetzt: „Keine Bauern, kein Essen, keine Zukunft“. © Thomas Raulf

Kritik an Berichterstattung in Medien

Seinem erfahrenen Kollegen Hiddemann vergeht mitunter der Spaß, wenn er Zeitung liest oder Fernsehberichte schaut. Er ärgere sich über Beiträge zur Landwirtschaft, die „nicht den Tatsachen entsprechen“. Hiddemann fordert unter anderem, dass Medien sorgsamer umgehen mit Begriffen, zum Beispiel mit der viel diskutierten und kritisierten „Massentierhaltung“. „Was ist das überhaupt? Wenn ich 40 Kühe halte, ist das Massentierhaltung. Wenn ein Biobauer 1000 Hühner hält, ist das dann keine?“ Werden zwei Hunde in einer kleinen Wohnung gehalten, dann sei das auch sicher keine artgerechte Tierhaltung, meint Hiddemann.

„Wenn Tiere Leistung bringen, fühlen sie sich wohl“

„Tierwohl“ ist offenbar auch ein Begriff, der sehr unterschiedlich interpretiert wird. Hiddemann weigert sich, dass ihm der Handel vorschreibt, was Tierwohl sei. Wenn seine Nutztiere die gewünschte Leistung bringen, dann sei das der Beweis, dass sie sich wohlfühlen. „Wir sehen unsere Tiere täglich“, sagt Hiddemann. Auf das Tierwohl Acht zu geben, liege im Intereresse der Landwirte selbst.

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