Sie büffelt, ohne zu wissen, ob die Abiprüfungen stattfinden: Wie Leonie Linden (18) aus Unna geht es im Lichte des Coronavirus vielen Schülern in NRW. Warum sie ein Durchschnittsabitur für alternativlos hält.

Unna

, 06.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Normalerweise hätte Leonie Linden wie alle anderen Abiturienten im Land am Freitag ihren letzten Schultag gehabt. Die 18-Jährige aus Unna-Hemmerde ist stellvertretende Schülersprecherin am Unnaer Pestalozzi-Gymnasium (PGU). Dort sind die letzten Tage vor den Osterferien traditionell die Mottowoche: Noch einmal ausgelassen feiern, sich noch einmal so richtig hängen lassen, bevor der Prüfungsstress beginnt.

Abitur: Zeitplan hängt an Schulöffnungen nach den Osterferien

Seit alle Schulen und Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen zur Verlangsamung der Pandemie geschlossen sind, gilt nur ein Motto: Coronavirus – und die Abiturienten hängen seitdem buchstäblich in den Seilen. Die Termine für die Abiturprüfungen sind zwar um drei Wochen verschoben, sollen am 12. Mai beginnen. Ob sie aber wirklich stattfinden, weiß nicht mal NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zu prognostizieren. Am Wochenende knüpfte sie den Zeitplan für das Abitur 2020 an die Frage, ob die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen können.

„Dass die Schulen wieder öffnen, wenn bis kurz vorher noch ein umfassendes Kontaktverbot herrscht, kann ich mir nur schwer vorstellen“, sagt Leonie Linden und hegt damit genau dieselben Zweifel wie etwa die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Maike Finnern. „Und es ist auch in Ordnung, wenn die Schulen geschlossen bleiben. Nur sollte bis dahin Klarheit herrschen, ob und wie es mit den Abiturprüfungen weitergeht.“

Durchschnittsabitur: Absage der Prüfungen denkbar

Politisch werden derzeit verschiedene Optionen diskutiert. Das NRW-Schulministerium setzt noch darauf, dass drei Wochen Verzug ausreichen, um in Gymnasien und Gesamtschulen die Abiturprüfungen abzunehmen. In einigen Bundesländern wird sogar eine Verschiebung auf den Herbst diskutiert, während NRW-Schulministerin Gebauer es durchaus für denkbar hält, die Abiturprüfungen gänzlich ausfallen zu lassen. Nämlich, wenn die Schulen nach den Osterferien nicht wieder öffnen können. Denkbar sei, aus den bereits vorhandenen Noten eine Abiturnote zu ermitteln. „Die Abiturienten haben ja zwei Drittel der Leistung bereits erbracht“, sagte sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vom Montag.

„Wir haben in den vergangenen Jahren regelmäßig Leistungsstände abgegeben - da wäre ein Abitur ohne Prüfungen doch kein Geschenk.“
Leonie Linden (18), stellvertretende Schülersprecherin am PGU

Eine Lösung, die auch Vize-Schülersprecherin Leonie Linden favorisiert – und sich gegen die Behauptung wehrt, ohne Prüfungen würde Abiturienten ihr Abschluss quasi geschenkt. „Das stimmt absolut nicht, wir haben in den vergangenen Jahren regelmäßig Leistungsstände abgegeben – da wäre ein Abitur ohne Prüfungen doch kein Geschenk.“ Im Zweifel hält sie auch eine Hausarbeit in den drei schriftlichen Prüfungsfächern für denkbar. Die Prüfungen auf den Herbst zu verlegen, sei keine Alternative. „Die Schüler haben doch Pläne, wollen studieren oder eine Ausbildung beginnen.“

Petition: Hamburger Schüler sammeln bundesweit Unterschriften

Was auch immer am Ende für eine Regelung getroffen werde, „sie müsste natürlich bundesweit gelten“. Denn sonst, findet Leonie Linden, gäbe es keine einheitlichen Abiturbedingungen in Deutschland. Und das wäre in hohem Maße unfair, meint sie. Schüler aus Hamburg haben schon eine Petition gestartet, um die Kulturminister bundesweit von einem Durchschnittsabitur zu überzeugen. Fast 140.000 Unterschriften zählt die Petition schon – eine davon ist von Leonie Linden.

Ungleiche Bedingungen: Manche können nicht mal etwas drucken

Sie büffelt nun schon seit Wochen fürs Abitur. Jeden Tag vier Stunden, sagt sie. Die Lerntristesse findet allenfalls räumlich Abwechslung zwischen Schreibtisch und Balkon. Sie hat Glück, sagt sie, könne gut selbst strukturiert lernen, habe die erforderliche Technik und müsse zuhause nicht auf kleinere Geschwister aufpassen. Andere hätten es da deutlich schwerer, könnten nicht mal Arbeitsblätter ausdrucken. Auch wenn Lehrer und Schulleitung sich „wirklich allergrößte Mühe“ gäben, die Schüler mit Stoff zu versorgen und auf dem Laufenden zu halten. „Wir lernen nicht unter denselben Bedingungen – und das ist unfair.“ Aus Sicht der jungen Abiturientin ein weiteres Argument dafür, die Abiturprüfungen 2020 ausfallen zu lassen.

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