Coronavirus wird zur Herausforderung für die Erstaufnahmeeinrichtung in Massen

dzFlüchtlinge

Über 400 Menschen an einem Ort, eine zentrale Essensausgabe: Das klingt in Zeiten von Corona nicht gerade gut. Die Erstaufnahmeeinrichtung in Massen hat ihren Betrieb daher komplett umgestellt.

Massen

, 25.03.2020, 16:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

423 Menschen sind aktuell in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in Massen untergebracht. Dazu kommen rund 150 Menschen, die beim Sicherheitsdienst, den Betreuungsdiensten, für das BAMF, den Kreis Unna, die AWO und die Diakonie in der EAE tätig sind. Wie verhindert man da eine Ansteckung mit dem Coronavirus?

Nach Hinweisen, die unsere Redaktion aus der EAE erreichen, seien die dort getroffenen Maßnahmen „keineswegs ausreichend, um eine Eindämmung des Virus zu gewährleisten“ und die hygienischen Voraussetzungen in der Einrichtung nicht geeignet, die Bewohner und Mitarbeiter effektiv zu schützen. Unsere Redaktion hat die Bezirksregierung Arnsberg gefragt, wie sich die Situation in der EAE darstellt und wie Mitarbeiter und Bewohner geschützt werden.

Fakt ist: Für die EAE in Massen gilt bereits seit einer Woche ein Aufnahmestopp. Das heißt: Nach Massen kommen zur Zeit keine neuen Flüchtlinge und es werden auch keine Flüchtlinge aus Massen woanders hingebracht. Ebenfalls Fakt: Bisher gibt es keinen bestätigten Coronavirus-Fall in der EAE Massen.

Seife reicht, Schutzmaterial ist aber nur „begrenzt“ vorhanden

Auf unsere Anfrage, inwieweit die Versorgung der EAE Massen mit Seife, Desinfektionsmitteln und Schutzmasken sichergestellt sei, teilt uns die Bezirksregierung Arnsberg mit: „Die Hygienemaßnahmen in den Einrichtungen wurden intensiviert, unter anderem wurden Desinfektionsspender an neuralgischen Plätzen in den Einrichtungen aufgestellt. Schutzmaterial steht in begrenztem Umfang in der Sanitätsstation zur Verfügung. Die Versorgung mit Seife ist ausreichend; die Bestände an Desinfektionsmitteln werden überprüft.“

Zusätzliche Desinfektionsmittel-Spender für die Hände wurden auch in der EAE Massen aufgestellt.

Zusätzliche Desinfektionsmittel-Spender für die Hände wurden auch in der EAE Massen aufgestellt. © Peter Bandermann

„Normaler“ Kantinenbetrieb eingestellt

Die Kantine als Ort einer täglichen größeren Menschenansammlung, wenn die Bewohner zur Essensausgabe anstehen, hat ihren Betrieb komplett umgestellt. „Das einzeln abgepackte und versiegelte Essen wird den Bewohnern aktuell auf die Zimmer gebracht“, sagt die Bezirksregierung auf unsere Nachfrage.

Spuckschutzwände und Handschuhe für die Mitarbeiter

Um die Menschen, die in der EAE arbeiten, vor einer möglichen Ansteckung zu schützen, hat die Bezirksregierung Arnsberg all diejenigen, die zu den Risikogruppen zählen, in Heimarbeit geschickt; die restlichen Mitarbeiter arbeiten in Einzelbüros. „Es finden keine Besprechungen mit mehreren Beteiligten statt und Kontakte werden weitestgehend vermieden“, sagt Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung.

Solche Spuckschutzwände wie hier in einem Supermarkt gibt es jetzt auch in der EAE Massen bei der Taschengeldausgabe.

Solche Spuckschutzwände wie hier in einem Supermarkt gibt es jetzt auch in der EAE Massen bei der Taschengeldausgabe. © dpa

Bei der Taschengeldausgabe würden die Mitarbeiter durch Spuckschutzwände geschützt und trügen Handschuhe. Zudem arbeite man in Schichtteams, die sich nicht begegnen, um immer ein „Ersatzteam“ zu haben. Das gilt auch für die Mitarbeiter der Betreuungsdienste und des Sicherheitsdienstes.

Infoveranstaltungen für Flüchtlinge

Um die Bewohner der EAE über das Coronavirus und die richtigen Hygienemaßnahmen zu informieren, finden in der EAE Informationsveranstaltungen statt. „Die Flüchtlinge werden dort und über Plakate in verschiedenen Sprachen informiert, dass sie bei Auftreten von Symptomen sofort die Sanitätsstation aufsuchen müssen“, sagt Söbbeler. Alle ankommenden Flüchtlinge wurden zudem direkt nach ihrer Ankunft in Massen untersucht, bevor sie ihre Zimmer beziehen dürfen; falls ein unklarer Gesundheitszustand besteht, kommen sie in Quarantäne, bis ihr Gesundheitszustand geklärt ist.

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