Modekette Sinn meldet Insolvenz an – und kritisiert „Willkür“ bei Ladenöffnungen

dzEinkaufen in Unna

Die Modekette Sinn hat Insolvenz angemeldet. Sie kritisiert die Landesregierung wegen „willkürlicher“ Regelungen bei Ladenöffnungen in der Corona-Krise. Die Filiale in Unna soll trotzdem eröffnen.

Unna

, 28.04.2020, 11:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 19. März sollte das neue Modehaus der Textilkette Sinn in Unna eigentlich eröffnen – doch jetzt hat das Traditionsunternehmen aus Hagen die Insolvenz in Eigenregie angemeldet.

Der Grund: die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen. Durch sie sei ein Fortführen des regulären Geschäftsbetriebes nicht mehr möglich, so das Unternehmen.

Private Banken wollten offenbar nicht in Kreditsicherung einsteigen

Private Banken wollten offenbar nicht in die Sicherung eines Teils der angestrebten staatlichen KfW-Kredite einsteigen. Das Sonderprogramm war eigens für von der Corona-Krise betroffene Unternehmen aufgelegt worden; sieht aber eine Mithaftung der beteiligten Banken in Höhe von 20 Prozent der beantragten Kreditsumme vor.

Der Generalbevollmächtigte der Sinn Gruppe, Friedrich-Wilhelm Göbel, hatte bereits bei der Absage der Neueröffnung des Modehauses in Unna Mitte März gesagt, dass die Corona-bedingte Schließung den Handel hart treffe: 30 Prozent des Frühjahrsumsatzes würde Sinn bei einer Schließung bis Mitte April verlieren, sagte er damals.

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In einem offenen Brief wendet sich die Sinn GmbH nun an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und kritisiert darin, dass die durch die Kredite angebotenen Hilfen für Unternehmen nicht hilfreich seien. Göbel spricht von einer „differenzierten Kritik“, die die Lage vieler Händler und Bürger darstelle, deren Arbeitsplätze im Handel bedroht sind.

Sinn besitzt gute Chancen auf Sanierung

Die Insolvenz in Eigenregie bedeutet freilich, dass die Sinn GmbH gute Chancen auf eine Sanierung hat und nicht zahlungsunfähig ist. Drei Monate hat das Unternehmen jetzt Zeit, um Lösungen zu finden, die den Abbau von Arbeitsplätzen und die Aufgabe von Modehäusern verhindern.

Das Verfahren, das die Sinn GmbH am Montag beim Amtsgericht Hagen beantragt hat, sei genehmigt, sagte Göbel unserer Redaktion: „Wir haben einen Plan und ziehen das durch.“

„Wir werden das Modehaus in Unna am Mittwoch auf 800 Quadratmetern öffnen - in aller Stille, das wird keine Eröffnungsparty.“
Friedrich-Wilhelm Göbel, Generalbevollmächtigter der Sinn GmbH

Für das Modehaus in Unna habe das Verfahren keine Auswirkungen, sagte Göbel weiter. „Wir werden das Modehaus in Unna am Mittwoch auf 800 Quadratmetern öffnen“, kündigte der Generalbevollmächtigte an. Ende 2019 hatte Sinn die Räumlichkeiten von Peek und Cloppenburg am Rathausplatz in Unna übernommen. Mit 3000 Quadratmetern sollte dort am 19. März das neue Sinn-Modehaus Unna eröffnen. Doch bereits die Eröffnungsparty musste wegen der Corona-Krise ausfallen.

Sinn bezeichnet Schadensersatzforderungen als „denkbar“

Die Öffnung am Mittwoch auf der derzeit erlaubten reduzierten Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern werde „in aller Stille“ erfolgen und keinesfalls eine Eröffnungsparty sein, betonte Göbel. „Wir hoffen darauf, dass die Politik am Donnerstag eine allgemeine Öffnung von Einzelhändlern und Gastronomiebetrieben ab dem 4. Mai beschließt.“

Genau darum bittet die Sinn GmbH auch Armin Laschet in dem offenen Brief. Der Unmut über die Öffnungs- und Schließungsregeln ist Friedrich-Wilhelm Göbel deutlich anzumerken. Unabhängig von dem nun laufenden Schutzschirmverfahren für die Sinn GmbH behalte man sich vor, Schadensersatzforderungen wegen der „willkürlichen“ Regelungen zu Ladenöffnungen zu prüfen, kündigte Göbel unserer Redaktion gegenüber an. „Das ist aber ein zweiter Schritt, momentan steht unser Verfahren im Vordergrund.“

Zehn bis zwölf Mitarbeiter bei der Eröffnung am Mittwoch

Die Mitarbeiter am Standort Unna befinden sich derzeit noch in Kurzarbeit, werden aber ab dem 2. Mai durch das nun laufende Verfahren Insolvenzausfallgeld erhalten. Zur Öffnung des Modehauses am Mittwoch werden vermutlich zehn bis zwölf Mitarbeiter vor Ort in Unna sein, so Göbel.

Für die Sinn GmbH ist es bereits die zweite Unternehmensinsolvenz im sogenannten „Schutzschirmverfahren“ seit 2016. Das Unternehmen beschäftigt 1400 Mitarbeiter an 22 Standorten.

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