Coronavirus: „Pandemie nicht vorbei“ – Landrat richtet Appell an Bürger im Kreis Unna

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Der Kreis Unna sei bislang „vergleichsweise gut durch die Krise gekommen“, sagt Landrat Michael Makiolla. Trotzdem richtet er eine dringende Warnung an die Bürger.

Kreis Unna

, 23.06.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Landrat Michael Makiolla warnte am Dienstag im Kreistag vor Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Coronavirus: „Das Virus ist da und bedroht nach wie vor die Gesundheit und das Leben der Menschen im Kreis Unna“, verwies er auf zuletzt wieder steigende Fallzahlen im Kreis Unna.

Dass der Kreis bisher „vergleichsweise gut durch die Krise gekommen“ sei, sei dem insgesamt sehr disziplinierten Verhalten der Menschen zu verdanken. „Hätten sich die Menschen in den vergangenen Wochen nicht so diszipliniert an die vorgeschriebenen Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln gehalten, dann läge die Anzahl der schwer Erkrankten und Todesfälle mit Sicherheit deutlich höher“, sagte Makiolla.

Der Kreistag tagte am Dienstag unter besonderen Bedingungen, um die Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können: Die Fraktionen einigten sich auf eine kleinere Besetzung – und für Besucher erfolgte der Einlass nur gegen Vorlage des Personalausweises.

Der Kreistag tagte am Dienstag unter besonderen Bedingungen, um die Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können: Die Fraktionen einigten sich auf eine kleinere Besetzung – und für Besucher erfolgte der Einlass nur gegen Vorlage des Personalausweises. © Alexander Heine

Coronavirus: Im Kreis Unna aktuell 60 Infizierte

Seinen Angaben zufolge sind im Kreis Unna aktuell 60 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, seit dem ersten Fall Anfang März waren es insgesamt 737; 38 von ihnen starben im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19.

„Wir müssen alle aufmerksam und sorgsam bleiben.“
Landrat Michael Makiolla (SPD)

„Wir müssen alle aufmerksam und sorgsam bleiben“, appellierte Makiolla. „Mit weiteren Lockerungen der Kontaktbeschränkungen werden die Menschen auch in unserer Region deutlich mehr persönliche Kontakte haben als in der Zeit des Lockdowns.“ Er geht davon aus, dass die Kreisverwaltung „sich auch in den kommenden Monaten schwerpunktmäßig mit dem Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus befassen“ muss.

Makiolla erneuert Kritik an der KVWL

Makiolla nutzte seinen Bericht auch für neuerliche Kritik an der Kassenärztlichen Vereinigung. Deren Aufgabe wäre es eigentlich von Anfang an gewesen, die Corona-Tests durchzuführen. Das erste Abstrichzentrum unter der Regie der KVWL öffnete allerdings erst am 23. März in Schwerte, weitere am 7. beziehungsweise 8. April in Lünen und Unna. Bis dahin hatte der Kreis schon 1850 Corona-Tests durchgeführt.

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Dass die KVWL ihre Testzentren unlängst wieder geschlossen hat, hält Makiolla für einen Fehler. Er habe aufgrund „der Erfahrungen in der Frühphase der Pandemie große Zweifel daran, ob die KVWL im Falle einer zweiten Corona-Welle überhaupt in der Lage ist, ihre Testkapazitäten kurzfristig wieder hoch zu fahren“.

Corona-Krise: „Bürokratischer Aufwand enorm“

Derweil wird die Kreisverwaltung vorerst im Krisenmodus bleiben: Die Bekämpfung der Pandemie hat oberste Priorität – andere Aufgaben werden dem weiter untergeordnet. Das müssen sie auch. „Der bürokratische Aufwand ist nach wie vor enorm“, verwies Makiolla auf insgesamt 14 Corona-Schutzverordnungen, neun Corona-Betreuungsverordnungen und sechs Corona-Einreiseverordnungen aus der Feder der Landesregierung, zusätzlich 84 Erlasse aus Ministerien unterschiedlicher Ressorts und 87 Verfügungen nachgeordneter Behörden. Makiolla: „Alle Regelungen und Vorgaben mussten beachtet werden, was nicht immer ganz einfach gewesen ist.“

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„Die Corona-Pandemie ist weder in Deutschland noch bei uns im Kreis Unna vorbei“, warnte Makiolla. Er appellierte an alle, sich auch weiterhin an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten, große Menschenansammlungen zu meiden und Masken zu tragen. Und: „Nutzen Sie die Corona-Warn-App, wenn Ihnen das möglich ist.“

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Lockdown: Millionen an Bußgeldern ausgeblieben

Derweil hat Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke im Kreistag eine erste Rechnung zu den finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise im Kreis Unna aufgemacht. Demnach wirkten sich insbesondere die Folgen des Lockdowns wesentlich aus: Die VKU verzeichnete über Wochen Einnahmeausfälle, Janke sprach von knapp einer Million Euro – infolge des zeitweise fast brach liegenden Verkehrs und des geschlossenen Kreishauses liegen auch die Einnahmen im Bereich Straßenverkehr rund 4,1 Millionen Euro unter Plan; 3,1 Millionen Euro davon allein infolge rückläufiger Bußgeldverfahren. Dem gegenüber stehen aber auch Verbesserungen etwa in Folge von Bundes- und Landesunterstützung.

Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke zog in der Kreistagssitzung am Dienstag eine erste Bilanz zu den finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise.

Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke zog in der Kreistagssitzung am Dienstag eine erste Bilanz zu den finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise. © Alexander Heine

Nur: „Corona-bedingte Schäden isoliert dazustellen und zu bilanzieren, um sie die nächsten 50 Jahre kreditfinanziert abzuzahlen ist eine buchhalterische Lösung und hat nichts mit echtem Geld und einer echten Gegenfinanzierung zu tun“, kritisierte Mike-Sebastian Janke. „So wird das Problem über 50 Jahre auf die nachfolgenden Generationen verschoben.“

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