Coronavirus: Krankenhäuser raten von Besuchen ab und bitten um Geduld

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Infektionskette, Laborergebnisse: Tag 2 nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falls im Kreis Unna ist von vielen organisatorischen Fragen geprägt. Die Krankenhäuser spüren den Druck besonders.

Kreis Unna

, 03.03.2020, 18:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer im Krankenhaus liegt, freut sich für gewöhnlich über Besuch. Doch in Zeiten von Corona gilt potenziell jeder Besucher von außen erstmal als Risiko, könnte er schließlich das Virus unwissentlich „einschleppen“. Um dieses Risiko zu minimieren, hat sich der Kreis Unna am Dienstag einem Appell des Klinikums Dortmund angeschlossen, Besuche in Krankenhäusern auf das Nötigste zu beschränken. Dahinter steckt auch ein rein logistisches Problem.

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„Die Krankenhäuser stehen in der Winterzeit ohnehin besonders unter Druck, weil sich viele Grippe-Erkrankte melden.“
Birgit Kalle, Pressesprecherin Kreis Unna

Schutzkleidung wie Mund-Nasen-Masken und Desinfektionsmittel sind zur Zeit knapp, überall gibt es Lieferengpässe. „Um Mitarbeiter, Patienten und Besucher dauerhaft wirksam schützen zu können, müssen diese Materialien daher vernünftig und effizient eingesetzt werden. Ein erkrankter Mitarbeiter kann keine Patienten versorgen“, diese Worte des Klinikums Dortmund hat die Kreisverwaltung am Dienstag als Update zur aktuellen Lage aufgegriffen.

„Die Krankenhäuser stehen in der Winterzeit ohnehin besonders unter Druck, weil sich viele Grippe-Erkrankte melden“, sagt Kreissprecherin Birgit Kalle unserer Redaktion. Vor diesem Hintergrund habe man diese Information weitergegeben und hoffe auf das Verständnis der Besucher.

Mit Hinweisschildern weist das Katharinenhospital Unna Patienten mit grippeähnlichen Symptomen seit Dienstag darauf hin, sich nach Möglichkeit nicht an der zentralen Anmeldung zu melden, sondern ein separates Gebäude aufzusuchen.

Mit Hinweisschildern weist das Katharinenhospital Unna Patienten mit grippeähnlichen Symptomen seit Dienstag darauf hin, sich nach Möglichkeit nicht an der zentralen Anmeldung zu melden, sondern ein separates Gebäude aufzusuchen. © Anna Gemünd

Über den Standort möglicher zentraler Probeentnahmestellen werde die Kreisverwaltung in Absprache mit den Krankenhäusern am Mittwoch entscheiden, sagte Kalle am Dienstagabend unserer Redaktion.

Testergebnisse der vier Verdachtsfälle werden Mittwoch erwartet

Aktuell sind deutschlandweit 172 bestätigte Corona-Fälle bekannt. Im Kreis Unna gibt es weiterhin nur den einen bestätigten Fall einer 61-jährigen Frau aus Massen. Sie steht ebenso unter häuslicher Quarantäne wie vier Verdachtspersonen: Ihr Ehemann, ihre Schwiegermutter sowie der Hausarzt der Erkrankten und die Ärztin, die sie im Katharinen-Hospital versorgte. Sie alle wurden auf Corona getestet; mit den Ergebnissen rechnet die Kreisverwaltung Unna am Mittwoch.

Ein großes Problem für die Kreisverwaltung stellen seit dem Bekanntwerden des Corona-Falls in Unna die Gerüchte und Behauptungen dar, die in den Sozialen Medien kursieren. Landrat Michael Makiolla appellierte am Dienstag an die Bevölkerung, sich aus seriösen Quellen zu informieren.

„Informieren Sie sich aus seriösen Quellen.“
Landrat Michael Makiolla angesichts einer Vielzahl von Gerüchten in Sozialen Medien

Die für Freitag, 6. März, geplante Kinderuni in Fröndenberg wurde unterdessen abgesagt, allerdings nicht durch die Kreisverwaltung, sondern durch den Referenten. Prof. Dr. Mark Schülke arbeitet an der Fachhochschule Südwestfalen und diese hat ihren Mitarbeitern empfohlen, Dienstreisen auf das „zwingend notwendige Maß“ zu beschränken und größere Menschenansammlungen zu meiden.

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Auch das Evangelische Krankenhaus Unna sagte eine für Donnerstag, 5. März, geplante Veranstaltung ab: „Aus Gründen der Vorsicht möchten wir unnötigen Personenverkehr vermeiden und werden die Abendvisite mit Dr. Golo Brodik und Dr. Rainer Kunterding zum Thema Gallensteine zu einem späteren Zeitpunkt nachholen“, teilte das EK am Dienstagnachmittag mit.

Corona in Relation: Zahl der Grippe-Erkrankten deutlich höher

Beim Kreis müssen übrigens nicht nur die Corona-Erkrankungen gemeldet werden, auch die „normale“ Grippe zählt zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Der Blick auf die Zahlen, die die Kreisverwaltung Unna auf Anfrage nennt, zeigt das Verhältnis zu dem einen bestätigten Corona-Fall, den es aktuell im Kreis Unna gibt: Bis Mitte Februar 2020 wurden im Kreis Unna 79 Fälle von Grippe gemeldet. In der als besonders schwer geltenden Grippe-Saison 2017/18 gab es im Kreis Unna 1024 gemeldete Grippefälle, im vergangenen Jahr 2018/19 206 gemeldete Grippefälle.

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