Die erste Krisenwelle scheint bewältigt, Entwarnung gibt Landrat Michael Makiolla trotzdem nicht. Er hat wenig Hoffnung, dass sich das Thema Coronavirus über kurz oder lang erledigen wird.

Kreis Unna

, 08.04.2020, 12:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Insgesamt 406 positive Tests auf das Coronavirus seit Anfang März, abzüglich der inzwischen Genesenen aktuell 250 Infizierte – und bedauerlicherweise zehn an oder mit der Lungenkrankheit Covid-19 verstorbene Patienten (den zehnten Fall gab der Kreis Unna kurz nach der Pressekonferenz bekannt). Dazu über 2000 Personen, die unter Quarantäne stehen.

Alles Momentaufnahmen, wie Landrat Michael Makiolla am Mittwoch in einer Pressekonferenz zur Corona-Lage im Kreis Unna betonte. Momentaufnahmen, die nichts über die Belastungen aussagen, die mit der Corona-Pandemie einhergehen.

2500 Tests und 44.500 Anrufe: Kreis an der Belastungsgrenze

2500 Tests etwa hat allein der Kreis Unna bis Ende vergangener Woche in seinen provisorischen Teststellen in Unna und Lünen durchgeführt – übrigens auch mit jeweils rund 90 Euro und damit insgesamt knapp 225.000 Euro bezahlt. Auch bemerkenswert: Über die Hotlines der Kreisverwaltung wurden binnen drei Wochen 44.500 Anrufe registriert – in der Spitze waren es 11.600 Anrufe an nur einem Tag.

Eine enorme Belastung für den Apparat Kreis Unna, der in den vergangenen Wochen mitunter an seine personellen Grenzen geraten ist. Die sieben Gesundheitsaufseher etwa seien zeitweise „völlig überfordert“ gewesen, so Makiolla. Es wurden Personalressourcen umgeschichtet, um insbesondere den Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz zu stärken. Über 120 Mitarbeiter des Kreises Unna seien mit der Bekämpfung der Corona-Krise befasst. „Teilweise sieben Tage die Woche.“

Landrat Michael Makiolla (rechts) und Gesundheitsdezernent Uwe Hasche informierten am Mittag in einer Pressekonferenz zur Lage im Kreis Unna.

Landrat Michael Makiolla (rechts) und Gesundheitsdezernent Uwe Hasche (hier auf einem Archivbild von Anfang März zu sehen) informierten am Mittag in einer Pressekonferenz zur Lage im Kreis Unna. © Alexander Heine / Archiv

Diese Zahlen machen schon deutlicher, dass der Kreis Unna sich genau wie die ganze Welt im Ausnahmezustand befindet.

Neue Teststellen: KVWL übernimmt Coronatests

Allmählich aber scheinen Behörden wie Bürger vom Krisenmodus in eine Art – wenn man in Corona-Zeiten überhaupt davon sprechen kann – Bewältigungszustand überzugehen. Dass im Schnitt aktuell „nur“ noch 90 Anrufe pro Tag mit Fragen zum Coronavirus beim Kreis Unna eingehen, spricht jedenfalls dafür, dass die Unsicherheit der Menschen sich wieder ein wenig gelegt hat; auch wenn die leeren Regale in den Supermärkten eine andere Sprache sprechen. Auch die Kassenärztliche Vereinigung hat es inzwischen geschafft, sich zu organisieren – endlich, muss man sagen. Ab dieser Woche übernehmen die Kassenärzte Coronatests wieder selbst.

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Das Bekanntwerden der ersten bestätigten Infektion mit dem Coronavirus hatte im Kreis Unna Anfang März eine große Hysterie ausgelöst. Diese Hysterie auf der einen und die Sorgen und Nöte der Hausärzte auf der anderen Seite hatte der Kreis Unna dann zum Anlass genommen, selbst zentrale Stellen für den Test auf das Coronavirus einzurichten – gedacht für den Übergang, bis die Kassenärztliche Vereinigung als eigentlich zuständige Körperschaft eine eigene Lösung findet. Fast exakt fünf Wochen hat das gedauert, mit dieser Woche sollen die Teststellen des Kreises im Gesundheitshaus Unna beziehungsweise im Kreishaus Lünen auslaufen.

Teststellen an Krankenhäusern in Unna, Lünen und Schwerte

Der Weg für Patienten ist deshalb ab sofort wieder der übliche. Wer sich krank fühlt, meldet sich bei seinem Hausarzt – und der verweist im Zweifel an die zentralen Teststellen der KVWL. Seit zweieinhalb Wochen gibt es eine am Marienkrankenhaus in Schwerte, seit dieser Woche weitere am Klinikum Lünen sowie am Katharinen-Hospital in Unna.

Der Kreis Unna wird vereinbarte Testtermine noch einhalten, aber keine neuen mehr vereinbaren. Und die frei werdenden Kapazitäten stattdessen dafür nutzen, mobile Testteams zu schaffen. Für den Fall, dass noch einmal Massentests wie etwa in den Senioreneinrichtungen in Fröndenberg erforderlich sind.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass wir bis weit in den Sommer hinein mit Corona zu tun haben.“
Landrat Michael Makiolla

Die Lage bleibt ernst, auch wenn Landrat Michael Makiolla den Kreis Unna gemessen an anderen Regionen im Land für „eher durchschnittlich betroffen“ hält. Das kann vor dem Hintergrund der vermutlich hohen Dunkelziffer an Infizierten und das insgesamt hohe Ansteckungsrisiko freilich jederzeit umschlagen.

Makiolla: Entscheidende Phase rund um Ostern

Makiolla hält die Zeit rund um die Osterfeiertage deshalb für eine „ganz entscheidende Zeit“ mit Blick auf die Frage, wie sich die Pandemie im Kreis Unna weiter entwickeln wird. Er appelliert deshalb einmal mehr: „Bleiben Sie Zuhause und halten Sie sich an die Kontaktbeschränkungen – das ist die beste und letztlich auch einzige Chance, uns vor der weiteren Ausbreitung des Virus zu schützen.“

Er geht davon aus, dass die Pandemie „noch lange nicht überstanden“ ist. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir bis weit in den Sommer hinein mit Corona zu tun haben. Das Virus ist hat nicht einfach weg, es wird weiter unter uns sein und wer werden uns im Laufe des Jahres immer wieder darauf einstellen müssen.“

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