Gottesdienst ohne Pfarrer gab es auch schon

dzJonahaus

Kein Pfarrer und kaum eine Gemeinde: Trotzdem können Menschen in Extremsituationen Gottesdienst feiern, wie diese Episode aus Unna zeigt.

Unna

, 20.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Ein Beispiel aus Unna zeigt: In diesen besonderen Zeiten sind Menschen durchaus auch in der Lage zu improvisieren, wenn in der Kirche „die Kirche“ gar nicht da ist.

Ein Sonntag, an dem noch andere Regeln galten

Die Geschichte, die unsere Redaktion erreicht hat, hat sich vor einigen Tagen abgespielt, als die Corona-Lage noch eine etwas andere war. Dass auch Gottesdienste komplett eingestellt werden, sollte erst noch offiziell bekannt gemacht werden, als sich eine sehr kleine Gemeinde sonntagmorgens im Jona-Haus in der Gartenvorstadt traf.

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Es waren sieben Personen inklusive der Küsterin und des Organisten Gerd von der Heyde. Mindestens 1,50 Meter Abstand zueinander einzuhalten, fiel bei der geringen Personenzahl leicht.

Musik und eine Laien-Predigt

Ein Pfarrer war erst gar nicht gekommen: Rüdiger Pagenstecher hatte entschieden, an diesem Tag zwei Taufen durchzuführen, und zwar im Awo-Heim an der Vinckestraße. „Diese Entscheidung fand die offenkundige Zustimmung der erschienenen Besucher“, berichtet Ulrich Knies, einer der Besucher im Jonahaus. Der Organist Gerd von der Heyde ergriff die Initiative, erläuterte die Lage und habe dann „mit Hingabe“, so Knies, einen gottesdienstlichen Ablauf hinbekommen. Ein anderer Besucher verlas das Evangelium und trug eigene Gedanken dazu vor, die in die Nähe einer Predigt kamen.

Singen tut gut in der Not

Die kleine „Gemeinde“ sang 20 Liedstrophen mit Inbrunst. „Ein Besucher erklärte dazu, dass er eine Analyse in einer Zeitung gelesen habe, wonach das Singen in solchen Notlagen besonders gut tue“, sagte Knies. Das Glaubensbekenntnis, Unser Vater und das wechselseitige Verlesen eines Psalms gehörten zu den weiteren Bestandteilen dieses „Gottesdienstes ohne Pfarrer“, der rund eine Stunde dauerte.

„Priestertum aller Gläubigen“: Dieses Konzept ermögliche es Protestanten, in dieser Form Gottesdienst zu halten, so habe es eine Besucherin beim Verlassen des Jonahauses angesprochen.

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