Apotheke stellt Desinfektionsmittel selbst her dank Spende einer Schnapsbrennerei

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Desinfektionsmittel in der Apotheke kaufen - das ist seit Wochen nahezu unmöglich. In Dr. Coens Ring-Apotheke in Unna wird das begehrte Gut jetzt selbst produziert - dank einer Schnapsbrennerei.

Unna

, 04.04.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das, was dieser Tage in seiner Apotheke passiert, ist auch für Dr. Matthias Coen Neuland: Seine Mitarbeiter stellen seit einigen Tagen Desinfektionsmittel selbst her. „Das ist das erste Mal, dass wir das machen“, sagt der Apotheker. Der Bedarf dafür ist riesig: „Jeden Tag rufen Arztpraxen und Pflegedienste bei uns an, weil sie das dringend benötigen.“

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Doch Coen geht es wie allen anderen Apotheken auch: Desinfektionsmittel ist knapp, wird teilweise gar nicht mehr geliefert. Da kam der überraschende Anruf aus Werne gerade recht: „Das war eine Schnapsbrennerei, die uns 100 Liter 96-prozentigen Alkohol anbot, um daraus Desinfektionsmittel herzustellen.“ Eine Ausnahmeregelung erlaubt dies derzeit - damit Fachkräfte wie beispielsweise die Pharmazeutisch-technischen Assistenten in Apotheken daraus das dringend benötigte Desinfektionsmittel herstellen können.

„Die Arztpraxen und Pflegedienste brauchen das jetzt dringend, für die produzieren wir.“
Dr. Matthias Coen, Apotheker

Matthias Coen sagte sofort zu. „Ich gehe davon aus, dass die Brennerei mehrere Apotheken angerufen und das angeboten hat. Sie haben uns die 100 Liter auch direkt angeliefert.“ Dann hieß es erstmal: Einlesen, welche Vorgaben die Bundesstelle für Chemikalien in ihrer „Allgemeinverfügung für Ausnahmezulassungen für Hände­desinfektionsmittel“ vom 20. März macht.

Denn erst dieses Regelwerk erlaubt es den Apotheken, das Desinfektionsmittel selbst herzustellen. „Unsere Apothekerkammer hat uns dazu auch Vorschriften geliefert, wie wir die Mittel richtig herstellen“, erklärt Dr. Coen. Der 96-prozentige Alkohol aus Werne wird dabei auf 70 Prozent verdünnt und mit Wasser, Glycerol und Wasserstoffperoxid in bestimmten Anteilen gemischt.

Das von den Pharmazeutisch-technischen Assistenten hergestellte Desinfektionsmittel geht an Arztpraxen und Pflegedienste.

Das von den Pharmazeutisch-technischen Assistenten hergestellte Desinfektionsmittel geht an Arztpraxen und Pflegedienste. © privat

50 Liter Desinfektionsmittel haben die Mitarbeiter der Ring-Apotheke auf diese Weise schon hergestellt - in großen Liter-Gefäßen. Denn zur Abgabe an Privatpersonen ist das Mittel nicht gedacht. „Die Arztpraxen und Pflegedienste brauchen das jetzt dringend, für die produzieren wir“, sagt Dr. Coen.

Die Herstellung des Desinfektionsmittel kostet natürlich Zeit - doch die sei jetzt tatsächlich wieder da, wie der Apotheker berichtet. „Vor ungefähr drei Wochen gab es einen regelrechten Ansturm auf die Apotheken; da mussten wir aufpassen, dass nicht zu viele Kunden reinkamen. Bei uns stand die Schlange bis zur Bäckerei gegenüber“, sagt er, „aber jetzt ist es merklich ruhiger geworden.“ Und so bleibt Zeit für die Herstellung des Desinfektionsmittels - sehr zur Freude der Arztpraxen und Pflegedienste.

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