Corona und Kultur: Charme einer Prüfung bei „Mord am Hellweg“

dz„Mord am Hellweg“

Es war ein Kraftakt, der die Durchführung dieser einen Veranstaltung von „Mord am Hellweg“ überhaupt erst möglich machte. Die Stadthalle erinnerte bei „Mord trifft Cello“ allerdings an einen Prüfungssaal.

Unna

, 23.10.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stühle jeweils mehr als zwei Meter vom nächsten entfernt, abschreiben damit unmöglich – an eine solche Prüfungssituation mögen sich viele der Gäste erinnert gefühlt haben, als sie am Donnerstagabend an der einzigen „Mord am Hellweg“-Veranstaltung im Kalenderjahr 2020 dabei waren.

Europas größtes Krimifestival war durch die Organisatoren frühzeitig um 364 Tage verschoben worden. „Ich bin erstaunt, wie gut das auch mit den ganz großen europäischen Autoren klappt“, berichtete Sigrun Krauß, Leiterin des Kulturbereiches der Stadt Unna auch Mitglied der Festivalleitung am Rande.

„Mord am Hellweg“ erst wieder im Herbst 2021

Vom 18. September bis zum 13. November 2021 soll „Mord am Hellweg“ nun stattfinden. Was für das Jahr 2020 blieb, war eine einzige Veranstaltung – die aber setzte ein literarisches und zugleich musikalisches Glanzlicht. Bei „Mord trifft Cello“ kooperiert „Mord am Hellweg“ nämlich mit dem „Celloherbst am Hellweg“. Und so erlebten die Besucher nicht nur den sprachgewandten Peter Godazgar, sondern auch das Berliner Cello-Duo „Deep Strings“.

Veranstaltung gleich mehrfach verlegt

Es war ein Kraftakt, der nötig war, um die Veranstaltung überhaupt zu stemmen. Eigentlich sollte die Lesung mit Musik in der Gelsenwasser-Zentrale an der Viktoriastraße stattfinden. Daran war angesichts der Corona-Pandemie nicht zu denken – die Veranstaltung wurde ins Kühlschiff der Lindenbrauerei verlegt. Inzwischen aber ist Unna Corona-Risikogebiet – „Mord trifft Cello“ wäre damit auch im Kühlschiff nicht durchführbar gewesen. Umso mehr freuten sich Sigrun Krauß und Björn Wölfel, Leiter der Gelsenwasser-Betriebsdirektion Unna, dass das Team der Stadthalle Unna einsprang.

„Ich sehe, Sie sitzen alle First Class, mit optimaler Beinfreiheit.“
Cellistin und Sängerin Anne-Christin Schwarz

Dass die Corona-Krise die Kultur besonders hart trifft, ist bekannt. Und so waren Autor Peter Godazgar sowie die Musiker Anne-Christin Schwarz und Stephan Braun über die Auftrittsmöglichkeit dankbar. Die ungewöhnlichen Rahmenbedingungen nahmen alle mit Humor. „Ich sehe, Sie sitzen alle First Class, mit optimaler Beinfreiheit“, fand Anne-Christin Schwarz aufmunternde Worte. Und Peter Godazgar erklärte stolz: „Ich kann nun endlich behaupten, ganze Stadthallen füllen zu können.“ Das dokumentierte er übrigens auch mit einem Handyfoto von der Bühne herab.

Anne-Christin Schwarz und Stephan Braun dokumentierten eindrucksvoll, warum sie als Cello-Duo „Deep Strings“ so gefragt sind.

Anne-Christin Schwarz und Stephan Braun dokumentierten eindrucksvoll, warum sie als Cello-Duo „Deep Strings“ so gefragt sind. © Marcel Drawe

Godazgar und „Deep Strings“ erwiesen sich als eine perfekte Kombination. Das Cello-Duo bewies eindrucksvoll, wie vielseitig das Instrument einsetzbar ist. Ob als Streich-, Zupf- oder gar als Percussion-Instrument: Anne-Christin Schwarz und Stephan Braun glänzten auch mit musikalischer Vielfalt. Vom Tango bis zum Rap war alles geboten. Dabei glänzte Schwarz auch als gefühlvolle Sängerin.

Seitenhieb in Richtung Buchautoren

Peter Godazgar bot ihnen insbesondere in seiner extra für diesen Abend geschriebenen Kurzgeschichte „Das kleine französische Auftragskillerbüro am Ende der leicht sandigen Straße zum Strandcafé“ eine Bühne, Kostproben zu liefern. Mit dem Titel seiner Geschichte nimmt Godazgar die Autorenbranche selbst aufs Korn. In immer mehr Buchtiteln gibt es Verniedlichungen und lyrische Ausschweifungen, zudem werden sie immer länger.

Peter Godazgar hatte eigens für den Abend in Unna eine Kurzgeschichte geschrieben.

Peter Godazgar hatte eigens für den Abend in Unna eine Kurzgeschichte geschrieben. © Marcel Drawe

Die Geschichte ist genau das, was man von Godazgar erwarten kann. Wortgewandt und lustig nimmt er seine Zuhörer mit auf eine turbulente Reise. Zuvor hatte er schon über den Udo-Fan Manni berichtet, der in Lindenbergs Geburtsstadt Gronau einen turbulenten Tag erlebt. „Manni fährt zum Horizont“ ist in Godazgars Geschichtensammlung „Der tut nichts, der will nur morden!“ erschienen. Wann immer Manni zu Wort kommt, imitiert Godazgar seinen Helden mit Lindenbergs Stimme – ein wahnsinnig unterhaltsames Erlebnis.

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