Corona-Pause endet mit Live-Konzert zum Weltklimatag

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In der Corona-Krise haben viele Menschen schätzen gelernt, was Künstler mit ihren Live-Darbietungen leisten. In der Martinkirche gab es jetzt ein Konzert mit dem Nanyrianan-Celloquartett.

von Rainer Ehmanns

Unna

, 07.06.2020, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein willkommener Anlass, ein hungriges Publikum, ein junges Cello-Quartett und mutige Organisatoren – mehr braucht es nicht, um trotz Corona das musikalische Leben wieder mit ersten Schritten in Gang zu bringen!

Zum Weltklimatag lädt der Kulturkreis der Unnaer Wirtschaft das 2017 gegründete Nanyrianan-Celloquartett, vier südamerikanische Studentinnen und Studenten der Universität Münster, ein, sich als Präludium zum diesjährigen Celloherbst am „Beethoven Pastoral Project“ der UN gegen Umweltzerstörung zu beteiligen. Auch wenn nur 70 Personen die Kirche St. Martin füllen: Augenzwinkernd bedankt sich Uli Bär für das ausverkaufte Konzert beim Publikum, das sich sichtlich darauf freut, nach längerer Zeit der Abstinenz mal wieder ein Konzert „live“ zu hören.

Viele freie Plätze unddennoch ausverkauft: Wegen der Corona-Schutzbestimmungen durften nur 70 Personen in die Kirche – und die mussten Abstand zueinander halten.

Viele freie Plätze unddennoch ausverkauft: Wegen der Corona-Schutzbestimmungen durften nur 70 Personen in die Kirche – und die mussten Abstand zueinander halten. © Marcel Drawe

Beethovens sechste Sinfonie, die „Pastorale“, ist Ausdruck seiner großen Liebe zur Natur, sie spiegelt seine Gelöstheit und den inneren Frieden wider, den er in ihr empfindet, und wohl trefflich geeignet, aus ihrem musikalischen Schatz Anregungen zu bieten, und sei es die, die Stimmen einer ganzen Sinfonie auf vier gleiche Instrumente zu reduzieren. Renan Moreira, Mitglied des Quartetts, arrangiert dies und präsentiert schon mit den ersten Tönen Vielfalt, Virtuosität und Klangreichtum dieses Instruments, das bis in die höchsten Lagen tonliche Intensität, fragile Zartheit und strömenden Schmelz zu einem effektvollen Klangkomplex vereinen kann.

Letzte Tonsauberkeit fehlt hier und da

Dynamische Effekte nach den ersten warmen Harmonien und das lebhafte Spiel lassen zwar hin und wieder letzte Tonsauberkeit vermissen, das mindert aber nicht die Intensität etwa des Menuetts aus Beethovens Klaviersonate op. 22, schon gar nicht die harmonische Schönheit des „Feierlichen Stücks“ aus Wagners „Tristan und Isolde“, das das Quartett mit wohltuender Schlichtheit präsentiert. Mozarts „Presto“ aus seiner Haffner-Sinfonie explodiert danach in übersprudelnder Geschwindigkeit.

Und Haydns Streichquartette bieten neben aller Lieblichkeit der Themen, etwa des „Adagio Cantabile“ und einem verschmitzten Zwinkern des „Menuettos“ aus Hob III 60 Nr.1 auch ein quirlig-brillantes „Allegro con brio“ aus Hob III 74 Nr.3, das mit seiner Virtuosität bis in die höchsten Cello-Lagen einfach nur gute Laune verbreitet.

Nächstes Konzert in der Martinkirche am 5. Juli

Dankbarer langer Applaus für diesen ermutigenden und hoffnungsfrohen Wiederbeginn des örtlichen Musiklebens, der am 5. Juli an gleicher Stelle mit dem Duo Giussani fortgesetzt wird.

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