Kontaktverbot wegen Corona: Hospizdienst in Sorge um schwer kranke Kinder und Familien

dzKinder- und Jugendhospizdienst

Die Corona-Einschränkungen treffen den Kinderhospizdienst hart. Die Mitarbeiter müssen improvisieren und hoffen auf einen schnellen Ausgang der Krise. Schwerst kranke Kinder können nicht warten.

Kreis Unna

, 05.04.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Kreis Unna hat einen Ableger gebildet, einen zweiten Unnaer Standort, von dem aus mehr junge Menschen mit lebensverkürzenden Erkrankungen betreut werden können. Der Bedarf wächst immer weiter. Und ausgerechnet jetzt macht die Corona-Krise an vielen Stellen die Arbeit unmöglich.

Neuer Standort in Unna im Aufbau

„Es ist alles ausgehebelt gerade“, sagt Ariane Rauscher, eine der Koordinatorinnen des Kinderhospizdienstes. Gemeinsam mit Andrea Welsch baut sie derzeit den zweiten Standort des Dienstes auf. Hintergrund: Der Deutsche Kinderhospizverein gibt eine Richtgröße vor, an der sich die einzelnen Dienste möglichst orientieren sollen. Ein Dienst soll maximal 30 Familien betreuen und maximal 70 Ehrenamtliche umfassen. Die Arbeit soll in einem möglichst familiären Rahmen bleiben, die Betreuung persönlich und nah an den Menschen sein.

Koordinatorin Ariane Rauscher hält im neuen Büro an der Friedrich-Ebert-Straße Kontakt zu Kollegen und Ehrenamtlichen.

Koordinatorin Ariane Rauscher hält im neuen Büro an der Friedrich-Ebert-Straße Kontakt zu Kollegen und Ehrenamtlichen. © Raulf

Der Hospizdienst für den Kreis Unna versorgt derzeit schon 35 Familien mit Kindern oder Jugendlichen, die lebensverkürzend erkrankt sind. 56 Ehrenamtliche kümmern sich um sie. Es war also dringend Zeit geworden, einen zweiten Dienst in Unna ins Leben zu rufen. Und das ist auch geschehen. Seit dem 1. Januar dieses Jahres gibt es den zweiten Standort. Ihm sind elf ehrenamtliche Begleiter zugeordnet, die sich aktuell um zehn Familien kümmern.

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Die Gruppe hat ihre zentralen Räumlichkeiten mit Büro-, Schulungs- und Besprechungsräumen an der Friedrich-Ebert-Straße 111, direkt neben dem bekannten Standort Gabelsbergerstraße. Die Eröffnungsfeier in den neuen Räumlichkeiten wäre am 16. Mai gewesen und ist abgesagt. Andere Auswirkungen der Corona-Krise aber wiegen weit schwerer.

Ende Februar hatte ein neuer Kurs begonnen, in dem acht weitere Freiwillige auf das anspruchsvolle Ehrenamt vorbereitet werden sollten. Der Kurs musste abgebrochen werden. „Sieben Familien stehen schon auf der Warteliste“, sagt Andrea Welsch. Der Begriff „Warteliste“ ist für die betroffenen Kinder und Jugendlichen besonders bitter. Der Hospizdienst versuche gerade, dieses Ausbildungsproblem zu lösen, damit die Familien nicht noch länger warten müssen.

Wertvolle Entlastung für Familien

Menschen, die im Hospizdienst tätig sind, helfen auf unterschiedliche Arten, je nach Bedarf. Sie gehen beispielsweise mit einem kranken Kind im Rollstuhl spazieren. Dazu holen sie ihre Klienten zu Hause ab oder in einer Einrichtung wie der Lebensarche, wo auch Kinder durch den Dienst betreut werden. Die Ehrenamtlichen lesen vor, singen oder spielen. Sie verbringen auch mal Freizeit mit einem Geschwisterkind. Oder sie kümmern sich darum, die Eltern zwischendurch zu entlasten.

Ariane Rauscher und Andrea Welsch vor dem neuen Standort des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Kreis Unna. Die Eröffnung im Mai ist abgesagt.

Ariane Rauscher (l.) und Andrea Welsch vor dem neuen Standort des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Kreis Unna. Die Eröffnung im Mai ist abgesagt. © Raulf

Es geht nicht um pflegerische Arbeiten, aber bei den meisten dieser Tätigkeiten sind die Ehrenamtlichen und ihre Klienten sich sehr nah. Und das ist alles derzeit nicht möglich. „Der Deutsche Kinderhospizverein hat alle persönlichen Kontakte bis 30. April untersagt“, sagt Ariane Rauscher.

Finanzierung

Darum braucht dieses Ehrenamt Spenden

  • Die Menschen, die sich im Auftrag des Hospizdienstes um schwerkranke Kinder und deren Familien kümmern, leisten ihre Arbeit ehrenamtlich, also ohne Entgelt.
  • Der Hospizdienst benötigt trotzdem Geld. In der Verwaltung fallen Personalkosten an, Räume müssen gemietet werden. Die Ehrenamtlichen bekommen Fahrtkosten erstattet, ihre Ausbildung muss auch finanziert werden.
  • Die Finanzierung erfolgt nur zu 25 Prozent über die Krankenkasse, der Großteil der Finanzmittel muss also aus Spenden kommen.

Alle Kontakte untersagt

Das sei nachvollziehbar, denn der Schutz vor einer Corona-Ansteckung sei hier für alle Beteiligten besonders wichtig. „Unsere Kinder und Jugendlichen gehören natürlich alle zur Risikogruppe“, sagt Andrea Welsch. Und für die meisten Ehrenamtlichen gelte das gleiche. Der überwiegende Teil der Aktiven sei im Vorruhestands- oder Rentenalter.

Verbindung über Telefon und Internet

So gut es geht, versucht man nun zu improvisieren. „Wir versuchen, den Kontakt zu den Familien zu halten“, erklärt Welsch. Telefon, E-Mail oder soziale Medien müssen das persönliche Gespräch ersetzen. So halten die Koordinatorinnen auch den Kontakt zu den Ehrenamtlichen, die immer beraten und betreut werden. Die Ehrenamtlichen wiederum können die Familien auch anderweitig entlasten, indem sie für sie Einkäufe erledigen oder Rezepte vom Arzt abholen.

Trotzdem ist die Sorge groß. „Unsere Ehrenamtlichen haben Angst um die Kinder und ihre Familien. Sie wissen nicht, wie sie diese Zeit überstehen“, sagt Ariane Rauscher. Die Betreuer wissen, wie sensibel die betroffenen Familien ohnehin sind: Wie groß muss beispielsweise bei einem arbeitenden Elternteil die Angst sein, sich im Dienst das Virus einzufangen, wenn zu Hause ein schwer krankes Kind ist?

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Kontakt

So können Sie dem Kinderhospizdienst helfen

  • Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst ist immer auf der Suche nach Ehrenamtlichen. Sie können direkt lebensverkürzend erkrankte Kinder oder Jugendliche sowie deren Familien betreuen. Es gibt aber auch wichtige Aufgaben in der Büro- und Öffentlichkeitsarbeit.
  • So ist der neue Standort des Hospizdienstes für den Kreis Unna erreichbar: Friedrich-Ebert-Straße 111, 59425 Unna, Tel. (0 23 03) 9 62 74 62; unna@deutscher-kinderhospizverein.de
  • Weitere Informationen gibt es im Internet auf der Seite www.akhd-unna.de
Spendenkonten:
  • IBAN DE43 4436 1342 0060 6088 00 (Volksbank Kamen-Werne)
  • IBAN DE35 4435 0060 0000 1150 06 (Sparkasse Unna-Kamen)

Wer helfen möchte, kann spenden

Die beiden Koordinatorinnen des Kinderhospizdienstes hoffen wie die anderen Verantwortlichen auf einen schnellen Ausgang der Corona-Krise. Und sie hoffen, dass Solidarität den Hospizdienst weiterhin begleitet. So hätten die neuen Ehrenamtlichen, deren Ausbildung gerade ruhen muss, signalisiert, sie wollten auf jeden Fall bei der Stange bleiben.

Und in der Vergangenheit haben immer wieder Firmen und Privatleute dem Hospizdienst Geld gespendet, was für die Arbeit dringend nötig ist. Wie Spender, die bisher verlässliche Partner waren, die Krise überstehen, weiß niemand. Daher appellieren Andrea Welsch und Ariane Rauscher: „Wer uns jetzt helfen möchte, der kann spenden.“

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