Bei Routinetests und Testungen wegen Symptomen wurde in mehreren Fällen in Unna eine Corona-Infektion nachgewiesen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Pandemie

Corona-Fälle in städtischen Unterkünften früh erkannt

Die Corona-Pandemie ist auch an den Unterkünften der Stadt Unna nicht spurlos vorübergegangen. Allerdings gab es nur relativ wenige Infektionen – und Notfallpläne, die funktionierten.

In den städtischen Unterkünften in Unna leben vor allem Asylsuchende. Viele verstehen und sprechen die deutsche Sprache kaum oder gar nicht. Die Sorge war groß, dass Informationen zum Coronavirus und vor allem zu Schutzmaßnahmen sie nicht erreichen könnten und Massenausbrüche möglich seien.

Jetzt, in Zeiten kreisweit sinkender Infektionszahlen, lohnt ein Blick zurück. Und der zeigt vor allem eines: Zu Massenausbrüchen in städtischen Unterkünften ist es nicht gekommen – vor allem, weil die Notfallpläne funktioniert haben.

Zahlen

Bewohner in städt. Unterkünften

  • In Unna leben derzeit 94 Asylbewerberleistungsempfänger. Davon sind 67 Geduldete und 27 Personen noch im Asylverfahren. Davon leben aktuell etwa 25 Personen in den städtischen Unterkünften.
  • Die Personen im Asylbewerberleistungsbezug machen aktuell nur einen Teil der Personen in den Unterkünften aus. Viele Flüchtlinge haben bereits eine Aufenthaltserlaubnis (und gehen einer Erwerbstätigkeit nach und/oder erhalten (aufstockend) SGB II Leistungen des Jobcenters), konnten aber bisher keinen geeigneten Wohnraum finden.
  • Auch viele Geduldete verfügen über eine Arbeitserlaubnis und sind dadurch ganz oder teilweise nicht mehr auf Leistungen angewiesen, bewohnen selbst angemieteten Wohnraum.
  • Ehemalige jugendliche Flüchtlinge aus der Jugendhilfe werden weiterhin unabhängig von den Quoten aufgenommen, da sie per Erlass in jedem Fall (außer das jeweils zuständige Jugendamt empfiehlt etwas anderes) der Stadt Unna zugwiesen werden müssen.
  • In den städtischen Unterkünften sind weitere Personengruppen untergebracht (Wohnungsnotfälle Familien, Obdachlose Männer und Frauen).

Till Knoche, Bereichsleiter Wohnen, Soziales und Senioren im Unnaer Rathaus, berichtete jetzt der Politik. „Es gab nur sehr wenige Corona-Fälle in den Unterkünften. Größere Ausbreitungen konnten verhindert werden, weil rechtzeitig Quarantänemaßnahmen umgesetzt werden konnten“, so Knoche.

Acht Corona-Fälle nachgewiesen

Stadtsprecher Christoph Ueberfeld kann genaue Zahlen nennen. Demnach gab es insgesamt acht Corona-Fälle, fünf im Februar und drei im April. Die Ansteckungen seien zum Teil auf der Arbeitsstelle erfolgt. Andere Infektionen seien durch regelmäßige Testungen und anlassbezogene Testungen bei Symptomen erkannt worden. Betroffene wurden frühzeitig isoliert. Laut Knoche half, dass die Aufnahmekapazitäten in der Corona-Krise nicht komplett ausgeschöpft wurden.

Proteste wie in der EAE Massen verhindert

Entscheidend sei gewesen, die Kommunikation mit den Menschen in den Unterkünften aufrechtzuerhalten. „Das war ganz wichtig. Wir wissen ja was in der Erstaufnahmeeinrichtung los war“, erinnerte Knoche an Proteste in Unna-Massen. In der Flüchtlingsunterkunft EAE, für die die Stadt Unna nicht zuständig ist, hatte es im Oktober 2020 Massenproteste gegen Quarantänemaßnahmen gegeben. Bewohner hatten versucht, das Gelände verbotenerweise zu verlassen. Die Polizei musste mit zahlreichen Kräften ausrücken, um die Situation zu beruhigen.

„Wie in anderen Teilen der Gesellschaft auch gibt es auch bei den Menschen in städtischen Unterkünften unterschiedliche Ansichten in Sachen Corona“, erklärte Knoche. Es sei aber in allen Fällen gelungen, die Betroffenen von der Notwendigkeit der Maßnahmen zu überzeugen.

Das gelang dann offenbar auch in Sachen Vorsorge. „Eine erfolgreich durchgeführte Impfaktion Mitte Mai hat weiteren Schutz gebracht“, berichtet Ueberfeld. Die Geimpften erhielten mit Johnson & Johnson das Vakzin, bei dem keine Folgeimpfung erforderlich ist.

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Redaktion Unna

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