Corona-Ärger vor dem Laden: Kunde (65) darf ohne Einkaufswagen nicht hinein

dzHandel

Auch bei Kleinigkeiten ist ein Einkaufswagen Pflicht: Diese Corona-Regelung mancher Märkte ist für den einen egal, für den anderen Stress. Ein abgewiesener Unnaer spricht von Diskriminierung.

Unna

, 24.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An viele Dinge im Corona-Alltag hat man sich inzwischen gewöhnt. Die Gesichtsmasken beim Einkaufen gehören dazu, die Pflicht zur Benutzung von Einkaufswagen in vielen Märkten auch. An diese Wagenpflicht will und kann sich Klaus Westermann (65) aus Unna aber nicht gewöhnen. Ein Vorfall vor einem Geschäft in Unna zeugt für ihn von Behindertendiskriminierung.

Kunde auf Stock angewiesen

Westermann wollte in der Tedox-Filiale in Unna einkaufen. Was er brauchte, hätte nicht nach einem Einkaufswagen verlangt. Der Mitarbeiter am Eingang aber tat es. Nur mit Wagen dürfen Kunden ins Geschäft, darauf wurde Westermann hingewiesen. Aufgrund seiner Gehbehinderung aber könne er den Wagen nicht sicher schieben, erklärte er dem Mitarbeiter und später unserer Redaktion. „Ich bin auf meinen Stock angewiesen.“ Doch man ließ ihn ohne Wagen nicht hinein, und er musste wieder nach Hause fahren - ohne Einkauf und verärgert. „Das ist Behindertendiskriminierung“, sagt der Unnaer.

Angst vor Ansteckung am Griff

Ein Wagen sei für ihn nicht nur hinderlich, sagt Westermann. Er wisse auch nie, wie gut die Griffe desinfiziert würden. Deswegen habe er auch Sorge, sich anzustecken. In anderen Märkten in Unna könne er problemlos auch ohne Wagen einkaufen, wenn er auf seine Behinderung hinweise. „Dass ich Abstand zu anderen halten soll, weiß ich doch selbst.“

Läden müssen Kundenzahl einschränken

Es gibt kein Gesetz und keine Verordnung, die aufgrund von Corona-Beschränkungen die Benutzung eines Einkaufswagens vorschreibt, das bestätigt die Stadt Unna als Ordnungsbehörde. „Aber die Geschäfte sind gehalten, die Kundenzahl einzuschränken“, sagt Stadtsprecher Oliver Böer. „Wie sie das überwachen, ist deren Sache.“ Denkbar seien Zählungen, mancher Händler nutze eben abgezählte Einkaufswagen. Ist eine bestimmte Menge verbraucht, wird die Tür verschlossen. Alle weiteren Kunden müssen dann vor der Tür warten, bis wieder ein Wagen frei wird. So soll sichergestellt werden, dass nicht zu viele Menschen im Geschäft sind, denn die Behörden verlangen ausreichend Sicherheitsabstand.

Tedox: Desinfektion regelmäßig

Genauso macht es Tedox, wie Thomas Hürter, Mitglied der Geschäftsleitung, bestätigt. Mit großen Aufstellern werde auf die Abstandsregeln, die Maskenpflicht und die Einkaufswagenregelung hingewiesen. Die Wagen würden regelmäßig desinfiziert. Kunden mit Rollatoren oder Kinderwagen dürften auf Einkaufswagen verzichten. Mitarbeiter würden selbstverständlich behinderte Menschen beim Einkauf unterstützen, wenn diese sich an sie wenden.

Respektlosigkeit keine Absicht

Ihm sei bestätigt worden, dass ein Kunde in Unna mit Verweis auf seinen Stock einen Einkaufswagen verweigert habe und letztlich das Geschäft verließ. „Es tut mir Leid, wenn bei Ihrem Leser der Eindruck entstanden ist, nicht respektvoll behandelt worden zu sein. Das lag nicht in unserer Absicht“, erklärte Hürter auf Anfrage unserer Redaktion.

Grundsätzlich sieht Tedox sich mit seinen Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen auf dem richtigen Weg. In den vergangenen Wochen sei die Filiale Unna mehrfach von den Verantwortlichen der Behörden aufgesucht worden. „Die getroffenen Maßnahmen und deren Umsetzung wurden geprüft und gelobt, so dass wir unsere Filiale uneingeschränkt betreiben konnten und können“, berichtet Hürter.

Selbst wenn alle Wagen eingesetzt würden, liege man immer noch deutlich unter der maximal zulässigen Kundenzahl auf der Verkaufsfläche.

Über Tedox

115 Filialen in Deutschland

  • Tedox bezeichnet sich selbst als Renovierungs-Discounter. Das Unternehmen wurde 1972 gegründet als „Teppich Domäne“ im niedersächsischen Harste.
  • „Tedox“ heißt der Händler für Bodenbeläge, Malerbedarf, Tapeten und weitere Renovierungsartikel seit 2007.
  • Es gibt neben der Filiale in Unna 114 weitere in Deutschland.
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