Der Comedian Johann König kommt am 6. November nach Unna. HA-Redakteur Dirk Becker sprach im Vorfeld mit ihm - auch über den Klimaschutz.

Unna, Menden

, 11.10.2019, 10:09 Uhr / Lesedauer: 4 min

Sie fühlen sich noch als Westfale und noch nicht als Rheinländer?

Ja, ich wohne seit 25 Jahren in Köln und das ist erstmal natürlich ein Schock, als Westfale hierhinzukommen. Ich bin ja auch eher mundfaul und wortkarg und rede nicht so gerne so viel. Hier in Köln wird man natürlich ziemlich viel angesprochen. Und hier wird geschunkelt und die erzählen einem ne Frikadelle ans Ohr. Da muss man sich dran gewöhnen. Aber das hat jetzt nicht dazu geführt, dass ich auch so bin. Im Herzen bleibe ich natürlich Westfale, Soester und BVB-Fan.

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Wie finden Sie sich im Fernsehen, wenn sie sich sehen?

Früher fand ich es ziemlich furchtbar, wenn ich mich angeguckt hab. Für jeden Künstler ist das ein bisschen unangenehm, sich da zu sehen. Ich kenne wenige Kollegen, die sagen: Ich gucke mich so gerne im Fernsehen an. Es gibt Zeiten, da muss ich dann sofort abschalten. Es ist aber auch gut, sich das anzugucken, weil man da immer auch noch was lernt oder eine andere Sicht drauf kriegt. Es gibt Auftritte, die fand ich schlimm und gucke mir die im Fernsehen an und denke: Ach, so schlimm war es ja gar nicht. Und umgekehrt gibt es das natürlich auch. Fernsehen ist ein bisschen eine verzerrte Geschichte, weil man nur 4:30 Minuten Zeit hat und es ist total hell. Am liebsten ist mir so ein Live-Auftritt zwei Stunden – da kann ich zwei Stunden machen, was ich will; muss mich um keine Redakteure kümmern, muss vorher keinen Text abgeben. Das ist viel angenehmer. Ich bin lieber auf der Bühne als im TV-Studio.

Und lieber in größeren Sälen oder mögen Sie es intimer?

Das kommt auf den Saal an. Am liebsten sind mir so Fünfhunderter-Säle. Aber wenn mehr Leute kommen, ist es natürlich auch schön. Das liegt ja in der Natur der Sache: Je gefragter man ist, desto größer werden die Säle. Es gibt natürlich auch Tausender-Säle, die sehr kompakt sind. Aber es gibt auch Fünfhunderter-Säle, die furchtbar sind, weil die zu lang sind oder so. Niedrige Decken sind immer gut, denn bei hohen Decken geht so die Energie auch nach oben weg. Also kompakte Säle ohne viele Gänge sind gut.

Live-Comedy

Auftritt in Unna

  • Der Comedian Johann König ist aktuell mit seinem Programm „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ auf Tour.
  • In der Stadthalle Unna präsentiert König sein Programm am Mittwoch, 6. November. Beginn ist auch dann um 19.30 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr.
  • Für die Veranstaltung gibt es noch Eintrittskarten in den Geschäftstellen des Hellweger Anzeigers, im Internet unter www.phono-forum.net, unter Tel. (02373) 5351 und an der Abendkasse.

Wie haben sich denn Ihre Programme in den letzten Jahren verändert? Sind die ernsthafter geworden und Sie mit denen?

Natürlich bin ich jetzt nicht mehr so wie vor 20 Jahren und daher rede ich auch anders. Ich rede auch nicht mehr so langsam. Ich bin nicht mehr nur dieser schüchterne Poet, der irgendwelche Gedichte in sein Mikrofon stottert. Bei mir geht’s durch die Familiengründung – da hat man ja auch Verantwortung – um andere Dinge. Es geht jetzt viel ums Familienleben, aber auch um die Zukunft der Kinder und damit auch direkt ums Klima und um Fridays for Future und darum, inwieweit die Kinder überhaupt bereit sind, zu verzichten. Die können ja demonstrieren und dann trotzdem mit uns in den Urlaub fliegen.
Das heißt, es wird dadurch auch politisch. Durch das Private wird es politisch, weil man mit den Kindern darüber redet, was alles ne CO2-Belastung ist, was die jeden Tag machen. Wenn man dann sagt: Den Strom für dein Handy, versuch den mal selber herzustellen – ich hab hier einen Dynamo ans Laufrad gemacht – dann merken die ja auch, in was für einer irrsinnig verschwenderischen Welt sie leben. Um solche Dinge geht’s dann. Ich bin ja einer, der immer in den Bio-Supermarkt geht. Ich gehe auch in einen Unverpackt-Laden und dann mache ich mich im Programm aber auch lustig über den Unverpackt-Laden, in den ich rein gehe und sage: Ich hätte gerne Reis, aber ich hab nichts dabei. Und dann kriege ich den Reis in die Hände geschüttet. Das heißt: Ich finde das alles gut und ich erzähle auch, dass ich mit dem SUV zum Bio-Supermarkt fahre, obwohl wir gar keinen SUV haben. Man weiß ja auch nie: Was stimmt eigentlich von dem, was ich erzähle? Und das weiß ich manchmal auch selber nicht.

Nervt Sie die Diskussion ums Klima? Haben Sie Sorgen, dass die Leute sagen: Ach, schon wieder einer, der was übers Klima erzählt…

Das ist mir alles egal. Ich rede über das, was mich interessiert. Ob die Leute jetzt sagen, dass alle darüber reden… Im Programm nimmt das Thema ja nur einen Prozentsatz ein. Es gibt ja auch andere Themen. Aber dass das Thema Klima so angekommen ist in der Breite der Gesellschaft, das finde ich überragend. Was jetzt daraus folgt, wird man sehen. Die SUV-Debatte ist ja wirklich irrsinnig und zeigt diese Doppelmoral: dass man ein dickes Auto fährt, um seine Kinder sicher zur Schule zu bringen, und gleichzeitig den Planeten verpestet. Ich bin auch in diesem Jahr zum ersten Mal in meinem Leben mit dem Kreuzfahrtschiff gefahren. Das ist natürlich auch krank, aber es war auch sehr, sehr lustig. Und dann habe ich auch direkt eine Nummer drüber geschrieben. Wir alle verhalten uns natürlich widersprüchlich. Bei mir ist es so: Ich fahre gerne schnell Auto, ich wähle aber eine Partei, die fürs Tempolimit ist. Das heißt, ich glaube daran, dass es nicht anders geht, als die Dinge gesetzlich zu reglementieren. Wir müssen auch gesetzlich an die Massentierhaltung ran. Ich möchte gezwungen werden, langsam Auto zu fahren, denn solange ich so schnell fahren darf, wie ich will, so lange tu ich das auch.

Am 6. November gastieren Sie in Unna. Fahren Sie von solchen Terminen in ihrer Heimat nach Hause oder schlafen Sie dann trotzdem im Hotel?

Das kommt darauf an, wo wir am nächsten Tag sind. Wenn ich in Soest auftrete, dann schlafe ich in meinem alten Kinderzimmer. Das ist wirklich lustig. Weil: Das Zimmer gibt es wirklich noch. Es hat sich natürlich verändert. Meine Mutter hat es nicht so gelassen, wie es war aber dort übernachte ich dann bei meiner Mutter im alten Kinderzimmer. Wenn wir in Unna auftreten, könnte ich das sogar auch machen. Unna und Soest sind ja nicht so weit voneinander entfernt.

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