Auf dem Werksgelände des Aluwerks Unna baute sich am Montagvormittag die Feuerwehr auf. Nach einem Arbeitsunfall war ihr ein Gefahrguteinsatz gemeldet worden © Thomas Raulf
Unfall

Chlorgas im Aluwerk Unna: Zwei Mitarbeiter im Krankenhaus

Feuerwehr und Polizei hatten am Montagvormittag einen Einsatz im Aluwerk Unna. Bei einem Arbeitsunfall war Chlorgas ausgetreten. Zwei Beschäftigte kamen danach ins Krankenhaus.

Fast drei Stunden waren die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst, die Polizei und schließlich auch das Amt für Arbeitsschutz am Montag im Aluwerk am Uelzener Weg beschäftigt. Mehrere Straßen im Umfeld waren gesperrt, die Polizei hatte Anwohner vorsorglich dazu aufgerufen, Türen und Fenster geschlossen zu halten und in den Wohnungen zu bleiben.

Gemessen an den Ausmaßen des Einsatzes scheinen die Folgen des Unfalles überschaubar zu sein. Die Sache lief offenbar glimpflich. Zwei Kollegen kamen auf dringenden Rat des Notarztes vor Ort ins Krankenhaus. Beschwerden hatten sie zumindest vor Ort nicht geschildert. Dem Vernehmen nach wollten die beiden sogar im Werk bleiben, um bei der Beseitigung des Malheurs zu helfen.

Chlorgaswolke kam aus einem kleinen Pumpenhaus

Kurz vor 11 Uhr am Montagvormittag war es in einem Pumpenhaus zu einer Freisetzung von Chlorgas gekommen. Weil die Wolke auch in die Halle der benachbarten Warmumformung zog, stellten die Kollegen am dortigen Presswerk die Arbeit ein.

Zur Freisetzung des Gases war es durch eine chemische Reaktion gekommen. Das Aluwerk verwendet in einigen Betriebsteilen eine Wasserkühlung. Deren Kühlwasser wird durch den Zusatz eines Biozides von Keimen freigehalten. Um zu verhindern, dass schädliche Mikroorganismen Resistenzen ausbilden, wechselt das Werk regelmäßig das verwendete Mittel. Nun kamen dabei versehentlich zwei Stoffe zusammen, die miteinander reagieren konnten.

Wie Vorstand Volker Findeisen erläutert, kam es zur Reaktion beim Einfüllen einer der Chemikalien in einen Vorratstank. Der entsprechende Mitarbeiter habe sich zwar vergewissert, dass der Vorratsbehälter leer war. Offensichtlich jedoch befand sich im Einfüllstutzen noch ein Rest des Reaktionspartners.

Am Uelzener Weg konnte sogar der Verkehr weiter fließen. Lieferanten mussten allerdings weiterfahren und sich einen Warteplatz suchen: Die Fahrt aufs Werksgelände wurde ihnen verwehrt.
Am Uelzener Weg konnte sogar der Verkehr weiter fließen. Lieferanten mussten allerdings weiterfahren und sich einen Warteplatz suchen: Die Fahrt aufs Werksgelände wurde ihnen verwehrt. © Thomas Raulf © Thomas Raulf

Die Menge der reaktionsfähigen Substanzen dürfte insgesamt überschaubar gewesen sein. Maximal 25 Liter des neuen Biozids hätte der Mitarbeiter aus einem Gebinde einfüllen können, wenn er diese Arbeit überhaupt abgeschlossen hat. Der Kollege selbst hat den Chlorgasgeruch festgestellt, der sich durch die Reaktion gebildet hat – und dann Alarm geschlagen.

Weitere Details zum Hergang will das Werk am Dienstag in Erfahrung bringen, wenn der Mitarbeiter wieder zur Arbeit zurückkehrt.

Anwohner waren laut Feuerwehr nicht gefährdet

Auch Unnas Feuerwehr schätzt die Menge des ausgetretenen Chlorgases als gering ein. Es habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung außerhalb des Werksgeländes bestanden, erklärt Unnas Stadtsprecher Christoph Ueberfeld nach Rücksprache mit der Wehrleitung. Dieses Fazit stütze sich auf die Daten von Messgeräten, die an drei Punkten aufgestellt worden waren.

Auch ein Abfluss von Chemikalien in die öffentliche Kanalisation war offenbar nicht wirklich zu befürchten. Zwar zählt dieses Risiko zu den Dingen, die die Feuerwehr vor Ort prüft und bei Bedarf zu verhindert sucht, doch auch die werksinternen Schutzmaßnahmen griffen: Unter dem Tank, aus dem das Kühlwasser mit Biozid geimpft wird, gibt es eine Auffangwanne für etwaig austretende Flüssigkeiten.

Ein spezialisiertes Entsorgungsunternehmen übernahm es schließlich, die Chemikalien unschädlich zu machen und die Anlage von ihnen zu reinigen.
Ein spezialisiertes Entsorgungsunternehmen übernahm es schließlich, die Chemikalien unschädlich zu machen und die Anlage von ihnen zu reinigen. © Thomas Raulf © Thomas Raulf

Gegen 13.40 Uhr gaben die Einsatzkräfte die Unfallstelle wieder frei. An der Anlage übernahm ein Spezialentsorgungsdienst die fachgerechte Reinigung. Saarbrücker Straße, Auf dem Höing und Von-Plettenberg-Weg wurden wieder freigegeben. Lieferfahrzeuge, die zuvor an der Werkspforte abgewiesen worden waren, dürften nun aufs Gelände. Und in der Warmumformung des Aluwerkes lief mit der Mittagsschicht wieder der Betrieb an.

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Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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