Casino-Überfall mit Pistole in Unna: Nach sieben Jahren erinnern sich Zeugen kaum

dzGerichtsprozess

Sieben Jahre nach einem Spielhallen-Überfall in Unna kommt es in Dortmund zum Prozess. Vor allem die Zeugen werden auf eine harte Gedächtnisprobe gestellt.

Unna/Dortmund

, 17.09.2019, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Landgericht Dortmund beginnt der Prozess nach einem Spielhallenüberfall in Unna vor sieben Jahren. Es war der Abend des 19. Mai 2012, als sich ein großer Mann in weißem T-Shirt auf den Weg machte, die Spielhalle am Hellweg-Center zu überfallen. Er lief die Rampe hinauf bis auf das Parkdeck, erblickte zunächst zwei junge Männer an ihrem Auto und scherzte noch: „Na, habt ihr was gewonnen?“ Danach verschwand er im Inneren des Automaten-Casinos.

Was die beiden Zeugen vor der Tür nicht ahnten: Der unauffällige Mann war auf dem Weg, das Casino auszuräumen.

Mit Strumpfhose und Pistole

Beim Betreten der Spielhalle maskierte er sich mit einer Strumpfhose. Dann zog er eine täuschend echt aussehende Pistole hervor und bedrohte die Frau hinter der Kasse. Er reichte ihr einen dunklen Stoffbeutel und befahl: „Ruhig bleiben. Geld hier rein. Schnell!“ Dass sich zum Zeitpunkt der Tat noch ein Kunde in der Spielhalle aufhielt, bemerkte der Täter erst beim Verlassen des Ladens. Auch ihm hielt er die Waffe vor. Zunächst forderte er den Kunden auf, ihm das Handy zu geben. Dann aber beließ er es dabei, dass sich der verschüchterte Mann nur flach auf den Boden legen musste. Dann war der Spuk vorbei.

Zeugen fällt Erinnerung schwer

So steht es in den Akten von Staatsanwaltschaft und Polizei. Beamte, die sich nun am ersten Verhandlungstag an den Einsatz von vor über sieben Jahren erinnern sollten, stießen jedoch schnell an ihre Gedächtnisgrenzen. „Ich weiß nur noch, dass wir mit dem Streifenwagen quasi direkt vor dem Hellweg-Center standen, als wir den Einsatz bekamen“, erinnerte sich eine Polizistin im Zeugenstand. „Wir hatten also eine Anfahrtsdauer von fünf Sekunden.“

Aufsicht rief Polizei zuletzt an

Schade nur, dass die Spielhallen-Aufsicht nach dem Verschwinden des Räubers erst den Sicherheitsdienst der Firma und dann ihre Chefin angerufen hatte. Der Polizei galt dann erst der dritte Anruf. Da war der Täter schon weg. Dennoch gelang es den Beamten, noch am selben Abend eine Gruppe junger Männer ausfindig zu machen, die für die Tat verantwortlich sein sollen. In einer Wohnung, in der sich das Trio aufgehalten hatte, fanden sich später die Maske, die Waffe und der Beutel mit dem Geld. Der Mann, der sich seit Dienstag vor Gericht als Täter verantworten muss, gab zu Protokoll: „Wir haben zusammengesessen und Drogen genommen.“ Ob und wie der 32-jährige Mendener für die Tat bestraft werden kann, soll sich in der kommenden Woche zeigen. Dann will das Landgericht das Urteil verkünden.

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