Leben auf der Straße: Wie Werner Hangebrauck abstürzte und sich zurück ins Leben kämpfte

dzWohnungslosenhilfe der Caritas

Werner Hangebrauck hat ein gutes Leben. Bis er nach über 30 Jahren seinen Job als Berufskraftfahrer hinschmeißt und auf der Straße landet. Mit Hilfe der Caritas findet er zurück ins Leben.

Unna

, 12.06.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Geschichte von Werner Hangebrauck aus Kamen-Methler ist so erschreckend wie überraschend: Nach über 30 Jahren als gut verdienender Berufskraftfahrer rutscht er in die Obdachlosigkeit. Als er glaubt, aus dieser Lage nicht mehr herauszukommen, findet er Hilfe beim Caritasverband des Kreises Unna.

Werner Hangebrauck lebt seinen Kindheitstraum: Er arbeitet als Berufskraftfahrher und ist Tag und Nacht in Deutschland und Europa unterwegs. Über 30 Jahre lang arbeitet er an Wochentagen, Wochenenden und Feiertagen; ist viel unterwegs und kaum zuhause. Irgendwann jedoch kann er nicht mehr und schmeißt hin.

Nach über 30 Jahren im Beruf landet Werner Hangebrauck im November 2018 auf der Straße

Von heute auf morgen kommt Hangebrauck nicht mehr zur Arbeit, bleibt einfach zuhause. Briefe macht er nicht auf, Rechnungen bezahlt er nicht: „Dafür war ich zu schwach. Ich habe mich 30 Jahre lang überarbeitet, danach konnte ich mich um nichts mehr kümmern“, erzählt er. Zwei Jahre lang geht das gut; solange, bis er fast seine gesamten Ersparnisse aufgebraucht hat. Als er dann seine Wohnung verliert, quartiert er sich von seinem restlichen Geld im Katharinenhof in Unna ein. Als auch dieses aufgebraucht ist, landet er im November 2018 auf der Straße und lebt auf einer Bank im Stadtpark. „Das war mein Tiefpunkt“, sagt er heute. „Ich wusste nicht, wie ich da wieder rauskomme.“

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Schließlich wird er eines Tages am Bahnhof in Hamm von einem Streetworker auf die Hilfsangebote der Caritas aufmerksam gemacht. Noch am selben Tag macht sich Hangebrauck auf den Weg, sucht die Beratungsstelle in Unna auf und lässt sich von den Sozialarbeitern helfen. Im Dezember 2019 dann findet ein Mitarbeiter eine geeignete Wohnung für ihn. Hangebrauck nimmt das Angebot an, richtet sich ein und freut sich, endlich wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. „Es geht momentan also gut“, sagt er.

Dass der Weg aus Obdachlosigkeit so reibungslos verläuft wie bei Hangebrauck, ist aber nicht der Regelfall, weiß Jan Wandschneider von der Caritas Unna: „Ehrlicherweise funktioniert das nicht immer so optimal“, sagt er. Denn eine fehlende Wohnung an sich sei oft das geringste Problem: „Menschen, die in eine solche Lebenslage geraten, haben meist einen Haufen voller Probleme“, sagt Wandschneider. Dennoch setze sich die Beratungsstelle der Caritas dafür ein, die Wohnungslosen zu unterstützen, ihnen eine Anlaufstelle zu bieten und Struktur in das Leben zu bringen. Einen geeigneten Wohnraum zu finden und diesen langfristig zu sichern, sei dabei letztlich das Ziel.

Besorgniserregender Rekord

So viele Hilfesuchende wie noch nie

  • Im Jahr 2019 haben haben 389 Menschen die Beratungsstelle der Caritas aufgesucht - so viele wie noch nie im 35-jährigen Bestehen des Dienstes.
  • Auch in der Tagesstätte sowie in der Übernachtungsstelle sind die Zahlen gestiegen: 3986 Übernachtungen gab es im Jahr 2019. Im Vorjahr waren es noch 3291. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 21 Prozent.

Ansprechpartner der Caritas als Vermittler zwischen Mieter und Vermieter

Ganz einfach sei Letzteres aber nicht, wie auch Martina Liedke, Leitung der Tagesstätte der Caritas Unna, bestätigt: „Die meisten Vermieter wollen sich keinen Menschen ins Haus holen, der bereits derartige Probleme hatte“, sagt sie. Liedkte biete dann an, als Ansprechpartnerin verfügbar zu bleiben, um im Notfall vermitteln zu können. Falls Probleme auftauchen, könne sie rechtzeitig zur Lösung beitragen. Diese Garantie sei Mietern viel wert: „Sie fühlen sich mit einem Ansprechpartner im Hintergrund abgesichert, und wir wissen im Umkehrschluss, wie unsere ehemaligen Klienten zurechtkommen.“ In erster Line gelte nämlich, eine erneute Wohnungslosigkeit zu vermeiden.

Bei Werner Hangebrauck ist das gelungen: Er hat mit Hilfe der Caritas zurück ins geregelte Leben gefunden, wohnt nun im eigenen Haushalt und kann gut von seiner Rente leben, die er seit Dezember bezieht. Und so soll das auch bleiben, denn noch einmal zurück in die Obdachlosigkeit rutschen, das will er nicht.

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Besorgniserregender Rekord bei Wohnungslosenhilfe der Caritas

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