Caritas-Mitarbeiterin Oumou Diallo trommelt für einen Brunnen in ihrem Heimatdorf

dzSpendenprojekt

In der Corona-Krise geraten andere Probleme, die es weltweit gibt, in den Hintergrund. Die Caritas lenkt den Blick jetzt auf ein Projekt in Guinea. Ein Dorf soll sauberes Wasser bekommen.

Unna

, 01.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Oumou Diallo aus ihrer Heimat Guinea in die Bundesrepublik kam, da war sie 23 Jahre alt. Sie hatte dort Jura studiert, der Abschluss wurde in Deutschland aber nicht anerkannt. „Leider“, sagt sie. Die junge Frau studierte also nochmal – diesmal soziale Arbeit. Und die lebt sie im Caritasverband im Kreis Unna.

Frisches Wasser ist bislang nur ein Traum

Was für sie ganz normal ist, ist in ihrem Heimatdorf Kansaghel Kouradje eine Traumvorstellung: frisches Wasser. Was hier scheinbar unbegrenzt aus der Leitung sprudelt, ist in Guinea Mangelware. Die Frauen und Kinder aus Kansaghel Kouradje laufen mehrmals am Tag weite Strecken, schöpfen Wasser aus einem Bach und tragen es in großen Eimern auf ihrem Kopf ins Dorf.

Das Tragen großer Wassereimer auf dem Kopf wirkt wie eine Kunst. Für die Frauen ist das Alltag – mehrmals am Tag müssen sie los.

Das Tragen großer Wassereimer auf dem Kopf wirkt wie eine Kunst. Für die Frauen ist das Alltag – mehrmals am Tag müssen sie los. © Privat

Der Hinweg ist schon beschwerlich bei 40 Grad in Schatten, und noch viel beschwerlicher ist der Rückweg mit zusätzlichen 10 bis 20 Litern Wassergewicht auf dem Kopf. Für eine kleine Familie sind 50 Liter Wasser zum Kochen, Spülen und Waschen nicht viel im Vergleich zu unserem Verbrauch hier in Europa.

Schlechtes Wasser macht krank

„Die Wasserqualität in dem Bach ist schlecht“, weiß Oumou Diallo zu berichten. Das macht sich in dem Dorf mit rund 150 Bewohnern gesundheitlich bemerkbar. Neben Typhus und Durchfallerkrankungen bekommen die Menschen immer wieder auch Erkrankungen an ihren Zähnen.

Wasser schöpfen die Bewohner des Dorfes Kansaghel Kouradje in Guinea bisher aus einem entfernten Bach. Die Wasserqualität lässt zu wünschen übrig, Krankheiten sind die Folge.

Wasser schöpfen die Bewohner des Dorfes Kansaghel Kouradje in Guinea bisher aus einem entfernten Bach. Die Wasserqualität lässt zu wünschen übrig, Krankheiten sind die Folge. © Privat

Oumou Diallo erfährt das unter anderem von ihren Familienmitgliedern, die in Kansaghel Kouradje leben. Dazu gehören mehrere Cousinen und Tanten, aber auch ihre Großmutter Fatumata. Und Oumou Dialo kennt die Situation noch aus eigener Erfahrung – sie selbst hat Wasser geschleppt und in ärmlichen Verhältnissen gelebt. Heute arbeitet Oumou Diallo bei der Caritas in der Integrationsagentur.

Brunnenbau ist die ideale Lösung

Auch für ihr an der Grenze zum Senegal gelegene Heimatdorf gäbe es eine Lösung: Ein Brunnen, der etwa 80 bis 100 Meter tief in die Erde gebohrt wird, könnte das ganze Dorf versorgen – während der Trockenzeit genauso wie in der Regenzeit.

In großen Eimern, die Frauen und Kinder auf ihren Köpfen tragen, wird das Wasser über große Strecken befördert.

In großen Eimern, die Frauen und Kinder auf ihren Köpfen tragen, wird das Wasser über große Strecken befördert. © Privat

Die Kosten für einen solchen Brunnen belaufen sich auf etwa 8000 Euro – inklusive einer handbetriebenen Pumpe. „In der Hauptstadt Conakry wäre ein solcher Brunnen sogar noch günstiger“, weiß Oumou Diallo, dass auch die Transportwege zu Buche schlagen. Projektiert ist der Brunnenbau bereits.

Kooperationspartner vor Ort gefunden

Die Caritas im Kreis Unna startet nun eine Spendenaktion. „In Guinea haben wir eine Partnerorganisation gefunden, die Visions Sans Frontière (VSF), Visionen ohne Grenzen, die den Brunnen vor Ort baut und das Projekt umsetzt“, erklärt Jan Wandschneider, der beim Caritasverband für die Öffentlichkeit zuständig ist. Auch Spendenquittungen würden auf Wunsch gerne ausgestellt.

Spendenkonto

So kann jeder helfen

Wer das Brunnenprojekt unterstützen möchte, kann das mit einer Zahlung auf das Konto des Caritasverbandes für den Kreis Unna e.V., IBAN: DE58 4726 0307 0010 0802 00, BIC: GENODEM1BKC. Wichtig ist es, das Stichwort „Brunnen“ anzugeben. Der Caritasverband stellt auf Wunsch gerne Spendenquittungen aus.

Die Caritas hofft, dass sich viele Menschen für das Brunnenprojekt engagieren. Sollte mehr als der erforderliche Betrag gesammelt werden, sei der Bau weiterer Brunnen in Nachbardörfern möglich. Wandschneider: „Die Situation ist ja überall ähnlich.“ Die Caritas werde sich selbstverständlich auch selbst in die Finanzierung einbringen.

Baubeginn wäre noch in diesem Jahr möglich

Läuft alles optimal, könnte der Brunnen binnen zwei Monaten gebaut werden. Im Idealfall wäre er dann schon rechtzeitig vor der Hochphase der Trockenzeit von Januar bis März fertig. Für das Dorf Kansaghel Kouradje würde dann eine ganz neue Zeit beginnen.

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