Caritas-Kampagne für bezahlbaren Wohnraum in Unna: Mit dem Esel durch die Fußgängerzone

dzWohnungsnot

So wie Maria und Josef vor der Geburt Jesu auf der Suche nach einer Herberge waren, tun sich auch heute viele Menschen schwer, eine Wohnung zu finden. Es gibt Hilfsangebote, aber keine echte Lösung für das Problem.

Unna

, 18.12.2018, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Esel, der an diesem Dienstag durch Unna streift, zieht die Blicke magisch an. Fast jeder Mensch in der Fußgängerzone dreht sich nach dem süßen Maultier um, viele wollen Fotos mit „Paul“ machen. Die Menschen, die an der Seite des Esels gehen, werden erst mit dem zweiten Blick gesehen – wenn überhaupt. Und dabei tragen die Frau und der Mann nicht nur alte Kleidung, sondern auch noch welche aus einem anderen Kulturkreis.

Dieses Bild steht symbolisch für die Gesellschaft. Die Menschen am Rande werden nicht gesehen, vielleicht sogar bewusst missachtet. Wer in Not ist, hat es schwer. Die Leute in den alten Kleidern und auch den Esel hat die Caritas auf den Weg durch Unna geschickt. Die Szenerie soll an die Geschichte aus der Bibel erinnern – nicht an den scheinbar romantischen Moment von Jesu Geburt in der Futterkrippe in einem Bethlehemer Stall, sondern an die vielen Abweisungen, die Maria und Josef zuvor erfahren haben.

Aktionen in fünf Städten

Ganz so schlimm wie damals ist die Situation für Menschen in Not in Unna wohl nicht. Es gibt Hilfsangebote, das wird auf der Tour durch die Stadt deutlich. Diese ist zugleich die Abschlussveranstaltung der Kampagne „Nur eine Wohnung“. Damit hat der Caritasverband seit Juni mit verschiedenen Veranstaltungen in Kamen, Holzwickede, Lünen, Werne und jetzt Unna auf das Problem von zu wenig bezahlbarem Wohnraum aufmerksam gemacht. „Die Situation ist wirklich extrem“, sagt Jan Wandschneider, der beim Caritasverband für den Kreis Unna in der Wohnraumakquise tätig ist. Nicht in jeder Stadt oder Gemeinde ist es gleich schwer, eine Wohnung zu finden – Unna zählt aber zu den echten Problemkindern.

Ordnungsamt ist zuständig

„Was wäre, wenn?“ Mit dieser Fragestellung wendet sich Ralf Plogmann, hauptamtlicher Caritas-Vorstand, am Dienstag an verschiedene Menschen. Erster Ansprechpartner ist gleich zum Start vor dem Rathaus Rainer Viertmann. Der Mann vom Wohnungsamt der Stadt Unna macht deutlich, dass Menschen in Not geholfen wird. Wer ohne Obdach am Rathaus auftaucht, darf zunächst in eine städtische Unterkunft ziehen. Formal sei solch ein Obdachloser zunächst eine „Gefahr für die Sicherheit und Ordnung“. Das klingt erschreckend, zeigt aber auch die Zuständigkeit des Ordnungsamtes. Mittellosen Menschen hilft die Stadt auch, wenn sie in Vorleistung treten muss. Unterstützung findet sie bei Kooperationspartnern – auch bei der Caritas, die Ansprechpartner in der Flüchtlingshilfe ist.

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Caritas-Kampagne "Nur eine Wohnung"

Der Caritasverband für den Kreis Unna hat seit dem Juni 2018 mit der Kampagne "Nur eine Wohnung" auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum aufmerksam gemacht. Zum Abschluss gab es am 18. Dezember eine Tour durch Unna. Zwei als Maria und Josef verkleidete Menschen zogen mit dem Esel Paul durch Unna und erregten viel Aufmerksamkeit.
18.12.2018
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Der Esel Paul zog die Blicke der Passanten auf sich.© Dirk Becker
Vor dem Rathaus begann die Abschlussveranstaltung zur Caritas-Kampagne "Nur eine Wohnung".© Dirk Becker
Die zweite Station der Tour war das Katharinen-Hospital.© Dirk Becker
Caritas-Vorstand Ralf Plogmann (r.) kam mit dem kaufmännischen Direktor des Katharinen-Hospitals Thorsten Roy und Pflegedirektor Ralf Effmert (v.l.) ins Gespräch.© Dirk Becker
Maria und Josef mit ihrem Esel: Dieses Bild fiel im vorweihnachtlichen Treiben auf.© Marcel Drawe
Vorbei am biblischen Vorbild: Die Gruppe zog auch an der Krippe auf der Bahnhofstraße vorbei.© Marcel Drawe

Was aber passiert, wenn Obdachlose ein Kind bekommen? „Dann werden wir uns darum kümmern, und zwar auch um die Mutter“, machen Pflegedirektor Ralf Effmert und der kaufmännische Direktor Thorsten Roy vor dem Katharinen-Hospital deutlich, als die Caritas-Gruppe samt Esel dort auftaucht. „Wir fragen nicht erst, ob eine Krankenversicherung besteht, wir helfen“, sagt Effmert. Die letzte Option sei die Babyklappe. Die wurde seit ihrer Einführung im Jahr 2001 insgesamt elf Mal genutzt. „Das ist viel für eine so kleine Stadt“, findet Effmert.

Futter für den Esel Paul

Die Esel-Gruppe zieht zurück zum Wochenmarkt vor dem Rathaus. Ein Gemüsehändler füttert Paul mit Möhren, eine Wurstverkäuferin sagt, sie helfe, wenn die Not fragender Menschen echt sei. Ein Gespür dafür hat sie offenbar.

Die Tour endet, wo Hilfe Programm ist: in der katholischen Katharinenkirche. Pfarrer Paul Mandelkow wird dort politisch. Die katholische Kirchengemeinde und auch die Caritas könnten selbst noch mehr tun, um Lösungen für die Wohnungsnot zu finden, findet Mandelkow – auch durch eigene Wohnungsangebote. Dafür müsse allerdings erst ein passendes Objekt gefunden werden.

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