Caritas fürchtet nach umstrittener Abschiebung in Unna neue Probleme bei Wohnungssuche

dzFlüchtlingsunterbringung

Wohnraum für Flüchtlinge zu finden, ist ein sehr schwieriges Geschäft. Die Caritas fürchtet jetzt: Die jüngste Abschiebung eines Paares in Unna könnte Vermieter zusätzlich abschrecken.

Unna

, 03.11.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jan Wandschneider investiert viel Zeit und Kraft, um im Auftrag der Caritas Wohnungen zu suchen – nicht nur, aber auch für Flüchtlinge. Dabei muss er jede Menge Überzeugungsarbeit leisten. Es gibt nicht wenige Eigentümer, die zunächst skeptisch sind, ob sie Flüchtlingen eine Heimstatt bieten wollen. Oft kreisen die Bedenken dabei etwa um Themen wie Mülltrennung, Ordnung oder Lautstärke.

Nachdem am 26. September ein Ehepaar aus Unna nach Nordmazedonien abgeschoben wurde und ein Polizist dabei die Wohnungstür beschädigte, fürchtet Jan Wandschneider, dass Eigentümer nun noch zurückhaltender werden könnten, was die Vermietung an Flüchtlinge angeht.

„Auf dem Schaden durch die zerbrochene Glasscheibe bleibt der Wohnungsbesitzer bestimmt sitzen. Kreis und Polizei zahlen das sicher nicht“, hatten Vertreter der Caritas im Gespräch mit unserer Redaktion gemutmaßt.

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Ganz so ist es aber nicht, stellt Kreis-Sprecher Max Rolke klar. Rolke verweist darauf, dass für die Unterbringung von Asylbewerbern die Sozialämter zuständig sind. Im konkreten Fall müsste demnach das Sozialamt der Stadt Unna die Kosten tragen, weil es sich – zumindest im weitesten Sinne – um Unterbringungskosten handelt. Der Wohnungsbesitzer müsste sich also an die Stadt Unna wenden und seine Forderung dort geltend machen.

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Durch den Einsatz der Polizei ist dem Eigentümer aber möglicherweise nicht nur ein finanzieller Schaden entstanden. So ist gut denkbar, dass auch die übrigen Mieter des Mehrfamilienhauses irritiert sind – zumal die Flüchtlinge als freundlich beschrieben worden sind. „Das kommt in der Nachbarschaft sicher nicht gut an“, vermutet Jan Wandschneider.

Wenn er im Zuge der Wohnraumakquise für die Caritas mit Eigentümern ins Gespräch kommt, wird er vielleicht noch mehr erklären müssen als bislang. Und Wandschneider wird betonen, dass es sich um eine Ausnahmesituation gehandelt hat, die eben deswegen auch so großes Aufsehen erregt hat.

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Die Caritas im Kreis Unna unternimmt immer wieder große Anstrengungen, um Wohnraum für sozial benachteiligte Menschen zu finden. Gut in Erinnerung ist vielen Menschen sicher noch, dass kurz vor dem Weihnachtsfest 2018 in Anlehnung an Josef und Maria zwei Menschen mit einem Esel durch Unna zogen, um darauf aufmerksam zu machen, dass auch in unserer Zeit nicht jeder Mensch eine Herberge hat.

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