Dass der Caritasverband keine verstaubte Gruppe ist, bewies er bei der Kampagne „Nur eine Wohnung“. Um auf Wohnungsnot aufmerksam zu machen, entwickelte er kreative Ideen - mit Erfolg.

Unna

, 22.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Zwei Menschen in alten, orientalischen Gewändern, die mit einem Esel durch die Unnaer Fußgängerzone ziehen. Ein Mann, der sich stundenlang vor dem Kreishaus in eine mit bunten Bällen gefüllte Badewanne legt. Ein Wohnzimmer mitten auf dem Kirchplatz – typisch Caritas!

Caritas erregt große Aufmerksamkeit mit der Aktion „Nur eine Wohnung“

Maria und Josef auf Wohnungssuche und unmittelbar vor einer Entbindung mitten in Unna. Dieses Bild zeichnete die Caritas – hier vor dem Katharinen-Hospital. © Marcel Drawe

Kreative Ideen umgesetzt

Typisch Caritas? Mancher Beobachter mag sich verwundert die Augen reiben, ist der Sozialverband doch nicht für bunte Flashmobs bekannt, sondern durch seriöse Sozialarbeit, die auf christlichen Werten beruht. Aber der Caritasverband hat sich in diesem Jahr tatsächlich kreativ gezeigt, um auf das Problem von fehlendem bezahlbaren Wohnraum in Unna aufmerksam zu machen. Die Kampagne „Nur eine Wohnung“ sollte Aufmerksamkeit erregen – und das gelang.

Die wohl außergewöhnlichste Aktion war die, mit der die Kampagne jetzt in Unna endete. Ein Mann und eine Frau zogen als Josef und Maria verkleidet durch Unnas Innenstadt. Tausende Blicke richteten sich auf die ungewöhnliche Gruppe. Wegen des Wochenmarktes auf dem Katharinenplatz, des Weihnachtsmarktes auf der Bahnhofstraße und auf dem Alten Markt und nicht zuletzt wegen des vorweihnachtlichen Einkaufstrubels war Unna voll. Da mussten sich die Begleiter des „Heiligen Paares“ mit ihrem riesigen Schild zur Kampagne schon ihren Weg durch die Massen bahnen.

Überraschender Vorstoß

Was ist denn da los?“ Die vielen Fragen wurden beantwortet – schließlich hatte auch die Caritas viele Fragen. Wie ergeht es Menschen, die ohne Hab und Gut in Unna auftauchen und eine Wohnung brauchen – oder, um den biblischen Wortgebrauch zu wählen: eine Herberge. Was tut die Stadtverwaltung, was die katholische Kirche. Helfen die Markthändler? Und kann eine schwangere Obdachlose ihr Kind auch ohne Krankenversicherung im Katharinen-Hospital zur Welt bringen?

Die Caritas bekam viele positive Antworten. Die überraschendste kam vielleicht von Pfarrer Paul Mandelkow. Er erklärte, die katholische Kirche und auch die Caritas könnten selbst auch mehr gegen die Wohnungsnot tun. Vielleicht könnten beide zusammen ein Haus für Menschen mit wenig Geld bauen. Damit würden beide dem Beispiel der Stadt Unna folgen. Die wird eine neue Unterkunft an der Kamener Straße bauen – ganz bewusst soll es sich nicht um eine Flüchtlingsunterkunft, sondern um eine städtische Einrichtung handeln. Dort kommt auch unter, wer aus verschiedenen Gründen obdachlos geworden ist – etwa durch einen Brand in seiner alten Wohnung.

Wie schlimm es einem wohnungslosen Menschen gehen kann, erleben viele Unnaer seit einigen Monaten Tag für Tag. Vor dem Eingang zum Westfriedhof hat sich eine Frau einen Verschlag errichtet. Alle Versuche, sie in eine Wohnung zu vermitteln, schlugen fehl. Weil die Obdachlose keine Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten begeht und auch keine Menschen belästigt, gibt es keine Handhabe für Zwangsmaßnahmen. Viele Unnaer beweisen Herz und unterstützen die Frau mit Spenden. Bei vielen aber überwiegt die Sorge, dass der Winter für sie richtig gefährlich werden kann. Sie wünschen sich auch deswegen einen milden Winter.

Nachdem die Caritas mit ihrem Projekt viel Aufmerksamkeit erregt hat, stellt sich fast automatisch die Frage nach dem Erfolg. Fakt ist, dass das Thema sozialer Wohnungsbau auf der politischen Tagesordnung in fast allen Städten des Kreises angekommen. Jan Wandschneider, der beim Caritasverband für die Wohnungsakquise zuständig ist, war auch im Sozialausschuss der Stadt Unna und hat dort über seine Arbeit informiert. Seine Botschaft war eindeutig: In Unna ist es besonders schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Andere Kommunen sind da besser aufgestellt, etwa Bergkamen.

Hoffen auf Tipps

Wann immer Jan Wandschneider in den vergangenen Monaten über Wohnungsnot gesprochen hat, hat er um Tipps gebeten, wo eine Wohnung verfügbar sein könnte. Im Visier hatte er auch die Wohnungen, die nicht in Anzeigen Angeboten werden oder die sanierungsbedürftig sind. „Jede Wohnung kann ein bisschen dazu beitragen, das Problem kleiner zu machen“, weiß Wandschneider.

Auch im Rahmen der „Nur eine Wohnung“-Aktionen führte er Gespräche zu diesem Thema. Er bekam einige Hinweise, doch es wären viel mehr Wohnungen für sozial Bedürftige nötig.

Caritas erregt große Aufmerksamkeit mit der Aktion „Nur eine Wohnung“

Das Team der Caritas informierte auch an ungewöhnlichen Orten und mit einer ungewöhnlichen Kulisse über den Wohnungsmangel. © Kevin Kindel

Caritasverband bietet vielfältige HIlfe

Was bleibt, wenn die Wohnung weg ist? Der Caritasverband für den Kreis Unna hilft Menschen bei der Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben. Mit Beratung, Betreuung und handfesten Hilfen zur Selbsthilfe.

In der Beratungsstelle geht es um die Erlangung und Sicherung einer Unterkunft, die Sicherung von Einkünften, den Zugang zum Sozialsystem und Vermittlung von bedarfsgerechten Hilfen sowie Beratung in den individuellen Lebenslagen.

In der Tagesstätte finden wohnungslose Menschen täglich Gelegenheit, in Kontakt mit anderen zu kommen, sich zu waschen, gemeinsam zu essen und Werk-, Freizeit- und Gruppenangebote wahrzunehmen.

Im Ambulant Betreuten Wohnen begleitet die Caritas Menschen, die lange wohnungslos waren, auf ihrem Weg zurück in einen „normalen“ Alltag. Sie lernen, wie ein Haushalt zu führen ist, welche Pflichten mit einer Wohnung verbunden sind und erlangen Stück für Stück die für ein selbstbestimmtes Leben nötigen Fähigkeiten.

Die Übernachtungsstelle bietet wohnungslosen Männern ganzjährig zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens Unterkunft, um nicht auf der Straße schlafen zu müssen.

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