Bürger sollen für Dorfladen in Lünern mindestens 300 Euro geben

dzEinkaufen in Lünern

In Lünern fehlt ein Dorfladen. Die letzten Versuche sind alle gescheitert. Ein neuer Anlauf setzt mehr denn je auf die Dorfbewohner: Sie sollen mindestens 300 Euro beisteuern.

Lünern

, 03.01.2020, 13:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Planungen für einen Dorfladen in Lünern werden immer handfester. Die Projektgruppe in der Initiative „Wir in Lünern“ hat eine Betreibergesellschaft gegründet, einen Standort hat sie auch sicher. Ob das Projekt tatsächlich umgesetzt werden kann, hängt von zwei Dingen ab, die sich wohl in diesem Jahr entscheiden werden: Lünerns Dorfladen braucht Fördermittel und Bürger, die bereit sind, zu investieren.

Wer einkauft, sichert seine Geldanlage

Das Genossenschaftsmodell unterscheidet diesen Dorfladen von allen bisherigen Einzelhandelsprojekten, die es in Lünern gegeben hat. Gleichzeitig könnte der Laden dadurch erfolgreicher werden als alle gescheiterten Vorgänger, wenn der Plan der Initiatoren aufgeht. „Ohne die Beteiligung der Haushalte geht es nicht“, sagt Gabi Olbrich-Steiner von „Wir in Lünern“.

300 Euro – je mehr, desto besser – muss jemand anlegen, der sich am Dorfladen beteiligen möchte. Und diese Investition soll zugleich ein Ansporn sein, künftig auch in dem Geschäft einzukaufen. Die Idee: Wer dem Laden viel Umsatz beschert, trägt dazu bei, dass sein Kapital sinnvoll angelegt ist und nicht verfällt. Mindestens 300 Anleger sind insgesamt nötig.

Dorfladen

So werden Sie Teilhaber

  • Um den Dorfladen einrichten zu können, braucht die „Dorfladen Lünern-Stockum UG“ Kapital. Wer sich beteiligen möchte, muss einen Zeichnungsantrag ausfüllen, unterschreiben und abgeben und sich damit bereit erklären, 300 Euro (oder mehr, in Hunderter-Schritten) anzulegen.
  • Die Zahlung wird erst fällig, wenn das Projekt Dorfladen tatsächlich umgesetzt wird.
  • Die Anträge mit weiteren Erläuterungen gibt es im Bäckerladen der Familie Huske an der Lünerner Kirchstraße 8 und im Internet auf der Seite www.luenern.de

Sortiment wie im Supermarkt

Sollten später einmal nur Produkte der Kategorie „Hab ich vergessen“ gekauft werden, dann wäre der Laden wohl zum Scheitern verurteilt. Das Sortiment, das geplant wird, würde aber auch gut zur Deckung des Grundbedarfs ausreichen. „Es soll ein kleiner Supermarkt werden, mit dem vollen Grundsortiment“, sagt Olbrich-Steiner. Die Kunden werden nicht nur Regale voller Konserven finden, sondern auch Drogeriewaren und Hygieneartikel, Zeitungen, eine Frischetheke mit Käse, Wurst und Fleisch sowie Obst und Gemüse und natürlich frische Backwaren.

Bürger sollen für Dorfladen in Lünern mindestens 300 Euro geben

Drogerieartikel, gekühlte und nicht gekühlte Lebensmittel, frische und sonstige Ware bietet ein Dorfladen - wie ein Supermarkt auf kleinerem Raum. © Privat

Auch Post und Friseur geplant

Die Preise sollen mit denen konkurrierender Märkte mithalten können, heißt es in einem Infoblatt der Initiative. „Und alles soll nach Möglichkeit aus der Region kommen“, so Helmut Eichhorst, der auch zur Planungsgruppe gehört. Auch Post-Dienstleistungen, ein Apotheken-Lieferdienst und eventuell ein Friseur sollen dazu beitragen, dass die Menschen in Lünern und Stockum wieder vieles in ihrem Dorf erledigen können.

Nuria Ludwig-Vela würde sich freuen. Die junge Frau ließ sich kürzlich spontan bei einem Ortstermin über die Planungen informieren und war sofort begeistert. „Im Moment muss ich ja für jedes Blatt Papier und jede Tüte Chips nach Unna fahren“, sagte sie. In einem Laden im Dorf würde sie gern einkaufen. Auch ihr Begleiter Sebastian Schulte-Buxloh ist sicher: „Das würden bestimmt viele nutzen.“

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Gute Beispiele sogar in kleineren Dörfern

Ein Dorfladen nach diesem Konzept wäre nach Angaben von „Wir in Lünern“ der erste im Kreis Unna. Er würde auch Menschen Arbeitsplätze bieten: für einen hauptamtlichen Marktleiter und eine Handvoll Teilzeitkräfte. Ähnliche Projekte im Münster- und Sauerland haben sich die Lünerner schon angesehen. Es gebe Beispiele für deutlich kleinere Dörfer als Lünern, mit urbaner Konkurrenz in der Nähe, in denen die Dorfläden funktionierten.

Bürger sollen für Dorfladen in Lünern mindestens 300 Euro geben

Es spricht sich herum, dass in Lünern ein Dorfladen entstehen soll: Gabi Olbrich-Steiner (2. v. r.) sowie Helmut Eichhorst und seine Frau Brunhilde (r.) erläutern Sebastian Schulte-Buxloh (l.) und Nuria Ludwig-Vela (M.) das Projekt. © Raulf

Standort an der Lünerner Schule

Der Standort in Lünern steht inzwischen fest. Da sich schräg gegenüber das Café „Lilos Glück“ ansiedelt, steht der frühere Lebensmittelladen nicht mehr zur Verfügung. Nun ist geplant, den Dorfladen auf dem Gelände der Grundschule einzurichten, in einem neuen Modulgebäude vor dem Schwimmbad. Die Initiative rechnet mit einem Signal der Bezirksregierung in diesem Frühjahr, ob sie die notwendigen Fördermittel erhält.

Bürger sollen für Dorfladen in Lünern mindestens 300 Euro geben

Hier ist genug Platz für Lünerns Dorfladen: Auf der Grünfläche vor der Lünerner Grundschule soll das Geschäft gebaut werden. © Raulf

Initiative freut sich über Zuspruch

Vielleicht könnten bis Ende dieses Jahres 2020 dann schon konkrete Schritte erfolgen – wenn ausreichend Bürger das Projekt unterstützen. „Wir in Lünern“ zeigt sich zuversichtlich. „Wir bekommen sehr viel Zuspruch“, sagt Gabi Olbrich-Steiner. Dass das Brötchenprojekt von „Wir in Lünern“ so viel Unterstützung und Kunden hat, spornt die Dorfladen-Initiatoren an. Zunächst in einem Bäckerwagen, inzwischen im Fotostudio Huske gibt es an Wochenende frische Backwaren. Die Liste der Helfer umfasste zwischenzeitlich 70 Namen.

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Die Projektgruppe, die den Dorfladen plant, trifft sich immer am dritten Montag im Monat um 19 Uhr im Ludwig-Polscher-Haus. Besucher sind immer willkommen und können die Gruppe auch per E-Mail kontaktieren: info@dorfladen-luenern.de
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