Seit sechs Wochen ist Britta Lohrmann stolze Besitzerin von zwei Bienenvölkern. Bei den Lebensfreude-Laubenpiepern in Unna summt es seither kräftig. Was am Angang zu beachten ist, verrät sie Neulingen gern.

Unna

, 09.08.2019, 10:18 Uhr / Lesedauer: 4 min

Im Unnaer Kleingartenverein Lebensfreude an der Morgenstraße steht der Rasen seit Kurzem höher als sonst, darf der Klee Blüten treiben. Zugeständnis der Laubenpieper an die neuen Nachbarn. Denn auf einer kleinen Parzelle in der Nähe des Vereinshauses sind seit sechs Wochen zwei Königinnen und ihre Völker zu Hause. Britta Lohrmann hat sie mitgebracht und sich damit den lang gehegten Traum erfüllt, selbst Bienen zu züchten. Seither brummt und summt es hinter den Erdbeer-Hochbeeten im Lohrmannschen Lebensfreude-Garten.

Wie sich die Unnaerin Britta Lohrmann in der Lebensfreude einen honigsüßen Traum erfüllte

Idyllisch hinter den Erdbeer-Hochbeeten hat Britta Lohrmann ein nicht zu sonniges und nicht zu schattiges Plätzchen für ihre Bienenvölker gefunden. Scheint die Sonne doch zu arg, hilft sie mit Sonnenschirmen nach. © Udo Hennes

Übers Ferienspaß-Projekt zur Bienen-Leidenschaft

„Es war der Wachs, der mich dazu gebracht hat“, sagt die 52-Jährige. Als sie mit ihrer Halbschwester Katharina Lohrmann und ihrer Nichte Britta Baumgart eine Ferienspaß-Aktion im Stadtteilzentrum Süd zum Thema Kerzenziehen durchführte, spendete Imker Peter Kroll einen Riesenklumpen Bienenwachs dafür. „Der war so groß wie ein Käserad“, erinnert sich Britta Lohrmann. Sie zeigte den Kindern im Ferienspaß-Projekt auch, wie Bienen Wachs produzieren – nämlich mit speziellen Drüsen. „Die Bienen schwitzen den Wachs sozusagen aus“, erklärt die Imkerei-Anfängerin.

Sie und ihre Halbschwester Katharina seien damals total fasziniert gewesen von den kleinen Honigsammlern. Und hätten sich gleich zum Seminar angemeldet. Der Imkerverein Unna-Hamm bot ab Februar einen Einführungslehrgang in die Imkerei an – bis Ende Juni zwei Stunden pro Woche in einer Hammer Gaststätte. „Das war schon sehr zeitintensiv“, hätte Britta Lohrmann niemals gedacht, dass die Bienenzucht eine regelrechte Wissenschaft ist.

„Und eigentlich habe ich mir schon nach meinem Diplom geschworen, nie wieder eine Prüfung zu machen“, lacht die Architektin, die bei der Stadt Hagen angestellt ist.

Empfindliche Bienen brauchen perfekte Bedingungen

Doch die Imker-Leidenschaft machte diesen Schwur zunichte. Viel gab und gibt es immer noch von den erfahrenen Imkern zu lernen. Im Einführungslehrgang standen die Biologie der Biene, alles zum Thema Wachs, Völkerführung durch das Jahr sowie die Entstehung und Ernte von Honig auf dem Stundenplan. „Und ein ganz großes Kapitel ist auch die Hygiene. Die Tierchen sind ganz schön empfindlich“, weiß Britta Lohrmann, nachdem sie jüngst den Sachkundenachweis abgelegt hat. Damit darf sie ihre künftige Honigernte mit dem Etikett „Echter Deutscher Honig“ versehen.

Wie sich die Unnaerin Britta Lohrmann in der Lebensfreude einen honigsüßen Traum erfüllte

Von der Blüte ins Glas: So soll es nächstes Frühjahr aussehen. Das Etikett dürfen übrigens nur sachkundegeprüfte Imker auf die Gläser kleben. © Udo Hennes

Ein Glücksfall war es für Britta Lohrmann, dass im April, als ihr Kurs schon längst lief, eine Bekannte ihre Parzelle in der Kleingartenanlage Lebensfreude verkaufen wollte. „Man braucht schon einen geeigneten Standort für die Bienen. Auf dem Balkon geht das natürlich nicht“, schmunzelt die Imkerin. Keine pralle Sonne, aber im Winter auch nicht ganz ohne Sonne, genügend Futterpflanzen in der Nähe – es ist schon einiges zu beachten.

Man kann auch nicht einfach Bienen im Internet bestellen und einfach drauf losimkern. „Das wäre unverantwortlich“, sagt Lohrmann. Schließlich könnten im Internet bestellte Bienen Krankheiten haben, die sie dann auf fremde Völker übertragen. Ihre ersten beiden Völker hat die frisch gebackene Imkerin daher auch bei ihrem Kursleiter Alfons Pohlmann erstanden – mit Gesundheitsnachweis und Papieren. „Eine spezielle Zucht, deren Bienen friedlich, produktiv und besonders gesund sind“, sagt die angehende Bienenkennerin stolz.

Von Rähmchen und Beuten

Sprach‘s und öffnet das Bienenhaus. Einen Schutzanzug braucht sie angesichts der friedlichen Bienen eigentlich gar nicht. Aber sie hat sich trotzdem einen zugelegt. „Die Bienen sind so lieb“, sagt die Hobbyimkerin und zieht ein Rähmchen aus der Beute. So nennen Imker die Kiste, in denen die Bienen leben. Britta Lohrmann kann die Fachsprache mittlerweile aus dem Effeff. Vom Bee-Space, dem Platzhalter zwischen den einzelnen Rähmchen im Bienenstock, über die Tracht, wie der Fachmann das Angebot von Pollen, Honigtau und Nektar nennt, bis zum Smoker, der die Bienen dazu bewegt, sich in die Waben zurückzuziehen, reicht das Fachvokabular. „Eine Tracht kannte ich zum Beispiel vorher nur als Prügel“, lacht die sympathische Bienenzüchterin.

Wie sich die Unnaerin Britta Lohrmann in der Lebensfreude einen honigsüßen Traum erfüllte

Der Smoker kommt zum Einsatz, wenn sich die Bienen tief in den Stock zurückziehen sollen. Der Rauch lässt die Honigsammler denken, es würde brennen, weshalb sie dann Schutz suchen. © Udo Hennes

In ihren Beuten haben die Bienen rund um das Einflugloch schon ganze Arbeit geleistet und dicke Waben auf die vorbereiteten Wachstafeln gebaut. „Es ginge natürlich auch ohne diese Wachstafeln. Aber dann dauert es länger“, erklärt Britta Lohrmann. Im hinteren Bereich herrscht allerdings noch gähnende Leere. „Später wird das hier alles voller Bienen und Waben sein“, erklärt die 52-Jährige. Doch bis zum ersten Honig wird es Frühjahr werden. Bis dahin wird gefüttert. 500 Milliliter Zuckerlösung pro Woche brauchen die Bienen jetzt am Anfang. Später wird nur noch im Winter gefüttert.

Wie sich die Unnaerin Britta Lohrmann in der Lebensfreude einen honigsüßen Traum erfüllte

Den vorderen Teil der Beute haben die Bienen bereits in Beschlag genommen. Gefüttert werden die Bienen zurzeit noch über ein auf einer Folie angebracht Glas, in dem sich Zuckerlösung befindet. © Udo Hennes

Drei, fünf, acht – die Königin ist gemacht

Kümmern muss sich die frisch gebackene Hobbyimkerin aber regelmäßig. „Drei, fünf, acht, die Königin ist gemacht“, lautet dazu ein Merksatz der Imker. Sprich: Drei Tage dauert es, bis sich aus dem Bienenköniginnen-Ei eine Made entwickelt, fünf Tage braucht es dann noch einmal bis zur Verpuppung, nach acht weiteren Tagen schlüpft die neue Königin.

Und die will der Imker in aller Regel nicht haben, weil das Volk sonst womöglich ausschwärmt. Also muss der Stock alle acht Tage nach sogenannten „Weiselzellen“, den Königinneneiern, durchsucht werden. „Die muss man regelmäßig entfernen“, berichtet Britta Lohrmann.

Anfänger sollten sich daher überlegen, ob sie durchgängig für die Tiere da sein können oder eine Vertretung haben. „Bei mir ist das glücklicherweise kein Problem“, sagt Britta Lohrmann. Schließlich wollte sie ursprünglich mit ihrer Halbschwester zusammen Bienen züchten, die dann jedoch wegen ihrer Masterarbeit und ihrer Pflichten als Mutter einer kleinen Tochter abspringen musste. Den Kurs hat die Schwester aber mitgemacht und kann Britta Lohrmann vertreten.

Wie sich die Unnaerin Britta Lohrmann in der Lebensfreude einen honigsüßen Traum erfüllte

Hobbyimkerin Britta Lohrmann mit einigen Werkzeugen, die ein Imker braucht – links der rote Stockmeißel und die Königinnenfangzange, rechts ein bereits mit Wachsplatte bestücktes Rähmchen und die passende Haltezange dazu. © Udo Hennes

Materialschlacht am Anfang geht ins Geld

Dennoch: Zeitlich sei die Imkerei mittlerweile gar kein großer Aufwand mehr, meint die Bienenfreundin. „Eine Stunde in der Woche vielleicht“, sagt sie. Aufwändiger sei am Anfang die Beschaffung des ganzen Zubehörs. „Es ist eine ganz schöne Materialschlacht“, weiß sie. Anfängern wie sie es ist rät sie daher, sich umfassend zu informieren. Etwa 700 Euro habe sie bisher investiert. Da sind die Bienenvölker, die durchschnittlich 50 Euro kosten, noch der kleinste Kostenfaktor.

Material, das ein neuer Imker braucht:

  • Beuten, also die Bienenkisten,
  • Rähmchen, die in die Beuten gesetzt werden und auf denen die Bienen ihre Waben bauen,
  • Vorgefertigte Wachstafeln, die in die Rähmchen gesetzt werden,
  • einen Transformator, um mit Hilfe von Strom die Wachstafeln anzuwärmen, damit sie sich in die Rähmchen kleben lassen.
  • einen Stockmeißel, um die von den Bienen verklebten Rähmchen von Zeit zu Zeit voneinander zu lösen,
  • einen Schutzanzug,
  • eine Königinnenfangzange.

Wie sich die Unnaerin Britta Lohrmann in der Lebensfreude einen honigsüßen Traum erfüllte

Britta Lohrmann hat den Bienen sogar eine Wasserstelle eingerichtet, damit die Tierchen bei der Trockenheit keinen Durst leiden müssen. © Udo Hennes

Ebenso wichtig ist es laut Britta Lohrmann aber auch, erfahrene Imker an seiner Seite zu wissen. Dazu tritt sie gleich zwei Imkervereinen bei, um mit Paul Dircks vom Imkerverein Unna und Annette Groß vom Imkerverein Unna-Holzwickede erfahrene Bienenpaten an ihrer Seite zu wissen. Dort wird sie sich sicherlich auch im Frühjahr Rat holen, wenn es dann an die erste Honigernte geht.

Fachwissen der Ökostation

Regelmäßge Infoveranstaltungen in Bergkamen

  • Wer sich über die Imkerei informieren möchte, hat in Bergkamen eine gute Möglichkeit dazu. Dr. Pia Aumeier bietet regelmäßig Informationsveranstaltungen in der Ökologiestation Bergkamen-Heil an. Diese können ohne Anmeldung besucht werden.
  • Die nötige Ausrüstung gibt es bei verschiedenen Anbietern. Britta Lohrmann ist in Dortmund beim Bienenhirten und in Ascheberg beim Imkereibedarf Ontrup fündig geworden.

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