Noch ein Brillen- und Hörgeräte-Laden in Unna: Die Nachricht von der Rottler-Neueröffnung löst nicht eben Begeisterung aus. Der Boom der Branche wird skeptisch bewertet – wie so mancher zuvor.

Unna

, 02.10.2019, 15:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für den Laden von Gerry Weber am Markt gibt es bereits einen Nachfolger, und es ist: ein Optiker und Hörgeräteakustiker. In den Social-Media-Kanälen ist die Nachricht von der bevorstehenden Rottler-Neueröffnung überraschend oft und dabei vorwiegend negativ kommentiert worden.

Das betont laute Gähnen richtet sich nicht konkret gegen Rottler, sondern gegen eine Entwicklung, die zurzeit auffällt unter den Neuansiedlungen in der Innenstadt. Inzwischen nämlich gibt es dort mehr Brillen- als Schuhgeschäfte. Die Kombination von Optik und Hörgeräteakustik vereint zwei Trendthemen, auch wenn der Begriff „Trend“ im Allgemeinen anders besetzt ist.

Nach der Handywelle kommt in Unnas Innenstadthandel der Brillen- und Hörgeräteboom

Im Ladenlokal am Markt 17 folgt Brillen und Hörgeräte Rottler auf die Filiale der angeschlagenen Textilkette Gerry Weber. Diese Nachricht hat in Unna nicht unbedingt für Begeisterung gesorgt: Die Branche des Neuzugangs ist in Unna bereits vertreten. © Sebastian Smulka

Zuletzt schon Neuansiedlungen von Hesselbach und „Eyes+more“

Zuletzt war auch der im Frühsommer freigezogene Laden von McPaper an der Bahnhofstraße durch einen Brillen-Optiker neu bezogen worden: „Eyes+more“. Mit Rottlers Neueröffnung am 7. November wird es im unmittelbaren Innenstadtbereich acht Brillenläden geben.

Doch auch die Hörgeräte-Akustiker schießen derzeit wie die Pilze aus dem Boden: Erst vor einigen Wochen hat an der Wasserstraße der Hörgerätespezialist Hesselbach ein Geschäft eröffnet. Und Hörgeräte Kind als der wohl etablierteste Anbieter in der Unnaer Innenstadt hat in diesem Jahr mit einem erneuten Umzug seine bereit dritte Adresse bezogen – um auf der größeren Fläche nun auch Brillen anzubieten.

In Unna also gibt es „viel zum Sehen und zum Hören“. Manch einem Kommentator scheint das Angebot sogar schon zu groß zu sein. Dabei ist das Phänomen, das sich nun in der Brillen- und Hörgerätewelle zeigt, an sich kein neues.

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Derartige Zuzugswellen hat es im Innenstadthandel immer wieder einmal gegeben. Zuletzt gab es eine Zeit, in der jedes frei gewordene Ladenlokal mit einem Handyladen gefüllt zu werden schien. Weil die Branche zum Teil mit Franchise-Partnern arbeitet, die als selbstständige Unternehmer im Gewand einer großen Firma auftreten, waren zwischenzeitlich sogar Netzanbieter doppelt vertreten.

Wer ein bisschen weiter in die Vergangenheit blickt, findet nach dem gleichen Muster auch Erinnerungen an eine Textilwelle und davor an eine Schuhwelle. Heute fällt in Unna keine dieser Branchen mehr durch ein sichtbares Überangebot auf.

Nach der Handywelle kommt in Unnas Innenstadthandel der Brillen- und Hörgeräteboom

Zwischendurch hatte Unna auch schon einmal einen Boom von Handyläden, dem schließlich eine gewisse Bereinigung folgte. „Das regelt der Markt“, meint Handelsexperte Thomas Schäfer. © Roman Grzelak

Am Ende beendet der Boom sich selbst

Das Muster dieser Branchenbooms ist immer vergleichbar. Wer erfolgreich ist, zieht Nachahmer an. Und so sorgt dann eine Reihe von Neueröffnungen für einen starken Anstieg des Angebotes in einem bestimmten Sortiment. Wird dieses Angebot zu groß, beginnt aber schließlich auch eine Auslese: Starke Anbieter bleiben, andere nicht.

„Das sind halt die Gesetze der Marktwirtschaft“, gibt sich auch Thomas Schäfer, der Geschäftsführer des hiesigen Handelsverbandes, entspannt. Sollte das Angebot an Brillen- und Hörgeräte-Läden in Unna zu groß werden, werde der Markt sich auf Dauer selbst regulieren.

Eine alternde Gesellschaft braucht mehr Brillen und Hörgeräte

Allerdings muss Unna nicht schon an diesem Punkt angelangt sein, stellt Schäfer klar: „Der Bedarf an Brillen wird schon da sein in einer alternden Gesellschaft, und das Hören wird ja mit den Jahren auch nicht besser“, sagt er.

Dass es zurzeit zu so einem geballten Zuzug von Brillen- und Hörgerätegeschäften gibt, könne aber auch etwas mit den Vermarktungsstrategien von Immobilieneigentümern und Maklern zu tun haben.

Vermieter suchen neue Branchen für ihre Ladenlokale

„Die Top 5 der innenstadtrelevanten Sortimente sind auch die, die am stärksten vom Online-Handel angegriffen werden“, erklärt Schäfer. „In diesen Branchen werden die Verkaufsflächen nicht unbedingt wachsen. Also suchen Vermarkter andere Branchen, die die Läden füllen. Und natürlich schauen sie dabei auch nach links und nach rechts, was gerade geht.“

Am liebsten sind Vermietern natürlich Läden, die ihre Verträge langfristig und sicher erfüllen. Brillen und Hörgeräte-Geschäfte haben dabei einen Vorteil, der sie auch gegenüber der Internet-Konkurrenz robust macht: Es ist ein beratungsintensives Gewerbe mit individueller Betreuung der Kunden. Eine Brille etwa besteht nicht nur aus Gläsern, die an den Sehfehler und den Augenabstand des Trägers angepasst wird, sondern sie muss bei der Übergabe noch in Form gebracht werden, um im Gesicht gerade zu sitzen. Das kann der Online-Handel nicht.

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