Einwurf auf Verdacht: Wie Postboten in Unna ihre Arbeit delegieren

dzMoeller-Gelände

Rainer Löffler ist Software-Entwickler – und neuerdings auch Briefträger. Weil die richtigen Zusteller der Post für ihre Aufgabe einfache Lösungen wählen, muss der Unternehmer ihre Arbeit vollenden.

Unna

, 03.12.2019, 12:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knapp daneben ist auch vorbei – das gilt mitunter für die Briefzustellung auf dem früheren Moeller-Gelände. Das frühere Schaltkomponentenwerk an der Massener Straße und am Obermassener Kirchweg ist heute Heimat mehrerer Unternehmen, deren Haustür nicht immer leicht zu finden ist. Für Briefträger und Paketboten bedeutet das eine Herausforderung.

Einige von ihnen wählen eine einfache Lösung. Sie stecken ihre Briefe einfach in den erstbesten Briefkasten, ohne die Namen zu vergleichen. Zumindest ist dies der Eindruck, der sich beim Besitzer dieses Briefkastens auftut: Rainer Löffler, Geschäftsführer der Softwarefirma TSG EDV Org, erhält regelmäßig Post für Betriebe, die zwar auch auf dem Moeller-Gelände, aber nicht einmal im selben Gebäude sitzen und natürlich auch ganz unverwechselbare Namen haben.

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Warum das so ist, darüber lässt sich spekulieren. „Bei uns am Haus gibt es vier Briefkästen und derzeit drei Mieter“, beschreibt Löffler die Gegebenheiten. Löfflers Firma entwickelt und pflegt eine Computersoftware, die für die Warenwirtschaft von Handelshäusern genutzt wird. In seiner Post allerdings findet er auch Sendungen für einen Reifendienst und einen Kurierdienst.

Dass das alte Werksgelände etwas verwinkelt ist, erkennt auch Löffler an. Allerdings habe er in seiner Post bisweilen auch Briefe für ein Unternehmen, an dessen Firmenschild der Zusteller erst einmal vorbei muss, um das Schriftstück falsch bei den Programmierern einzuwerfen.

Zusteller wechseln oft und finden sich einfach nicht zurecht

Gespräche mit Zustellern verliefen nicht immer zielführend. „Die Briefträger wechseln ja immer wieder“, hat Löffler beobachtet. Ein Paketbote mit Fahrzeug habe ihm einmal eine ungewöhnliche Erklärung gegeben: Sein Navigationssystem habe ihn zu dem Gebäude geführt, in der Löfflers Firma sitzt. Der tatsächliche Empfänger sei so weit diesem Punkt entfernt, dass er ihn gar nicht anfahren dürfe.

Und so muss Löfflers Computerfirma nebenbei auch die Arbeit der Post erledigen, denn den Verlust von Sendungen will er natürlich nicht bewirken. „Inzwischen kennen wir unsere Nachbarn aber. Da reicht dann ein Anruf, dass bei uns wieder Post abzuholen ist.“

Lieber wäre Löffler natürlich, wenn das Problem einmal gelöst würde. „Ich habe schon darüber nachgedacht, der Post einfach eine Rechnung zu schreiben“, merkt der EDV-Mann an. So würde auf dem Moeller-Gelände die nächste Geschäftsidee geboren.

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