Hermann Strahl und die „Wege aus der Mühle-Bremme-Klemme“

dzOffener Brief an Investor

Für eine Handelsansiedlung auf der Mühle Bremme hat der Investor viel Zuspruch erhalten. Jetzt kommt etwas anderes: Das grüne Urgestein Hermann Strahl seziert die Pläne mit einer Denkschrift.

Unna

, 29.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Skepsis angesichts großer Bauwerke ist bei grünen Politikern nicht selten, und Hermann Strahl ist in Unna so etwas wie der Vater der grünen Bewegung schlechthin. Doch sein offener Brief an „den Bremme-Investor ten Brinke, Edeka und alle, vor allem Ratsmitglieder, die aus dem Harger- und Victoria-Desaster lernen sollten“, ist kein reiner Wiederaufguss grüner Dogmatik. Strahl warnt vor einer Investitionsruine und vergleicht die Pläne mit zwei Kapiteln aus der Stadt- und Wirtschaftsgeschichte, die sich tatsächlich einmal ereignet haben.

Hermann Strahl und die „Wege aus der Mühle-Bremme-Klemme“

Hermann Strahl © Udo Hennes

Szenario 1: Ein Investment erweist sich als Fehlschlag

Eine der beiden Entwicklungen, mit denen Strahl die Pläne für das Mühlengelände vergleicht, ist die des Hargerzentrums. Die Gewerbefläche zwischen Hammer und Viktoriastraße verfüge über vergleichbare Standortfaktoren, sei aber tatsächlich eher eine Problemlage, so Strahl.

Nah am Bahnhof und der Innenstadt gelegen und über die wichtigsten Hauptstraßen der Stadt auch mit dem Auto leicht zu erreichen kümmere es doch vor sich hin. Ein ehemaliger Aldi-Markt beherbergt inzwischen eines der flächengrößten China-Restaurants der Region, während die angrenzende Ladenpassage von Leerständen geprägt ist. Zwischenzeitlich hatte die Grundeigentümerin sogar Teile der Bebauung abgerissen, da sie wohl ohnehin nicht zu besetzen gewesen wären.

Strahl zweifelt angesichts dieses Beispieles daran, dass ein Einkaufszentrum auf dem Mühlengelände zwangsläufig eine hohe Attraktivität besitzen müsse. Dass es dem Investor nicht gelungen ist, einen anfangs vorgesehenen Elektrofachmarkt unter Vertrag zu nehmen, und stattdessen nun ein Fitnessstudio einziehen soll, bestätigt Strahl in seiner Haltung.

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Darüber hinaus meint er, dass die Akzeptanz des Standortes schon im Vorfeld durch Vorgehensweisen bei der Planung beeinträchtigt würden: Mit den neuen Verkehrsregelungen am Königsborner Tor, am Ring und am Kreishauskreisel brächten die Planer Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger gegen sich auf. Dass zudem zwei große Kastanien gefällt werden sollen, dürfte Umweltfreunde vom Einkauf auf dem Mühlengelände abschrecken.

Ein ganz pragmatisches Argument für den Zweifel an der Akzeptanz des Zentrums ist aber ist dieses: Es werde dort eigentlich nichts geben, was es in Unna nicht längst gibt. Der Investor leiste keinen Beitrag zur einer Verbesserung der Versorgungslage in der Stadt, sondern ziele nur auf seine eigene Rendite.

Szenario 2: Das Einkaufszentrum als Schädling für die Innenstadt

Eine zweite Geschichte, auf die Hermann Strahl hinweist, war in Unna seinerzeit unvollendet geblieben. Und viele Händler aus der Innenstadt werden mit Blick auf Negativbeispiele wie aus Hamm sagen: Zum Glück.

Strahl sieht das Mühlen-Center auf Augenhöhe mit Plänen für die „Victoria-Passagen“, die in den 1990er-Jahren einmal für das Westebbe-und-Weispfennig-Gelände nördlich der Bahnlinie projektiert waren. Auch sie wurden seinerzeit zunächst von Stadtverwaltung und Politik gefeiert, bis der Widerstand der Innenstadthändler den Wind drehen ließ.

„Entweder das Projekt reißt Lücken in der Innenstadt oder es droht öder Leerstand“, zitiert das ehemalige Ratsmitglied Strahl, heute 71, den früheren Einzelhandelsgutachter Dr. Dr. Danneberg. Hargerzentrum und die verhinderte Victoria lassen diese Einschätzung schlüssig erscheinen.

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