Ein Wohnungsbrand als bewusster Gewaltakt

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Der Löschangriff aus dem Wochenmarkt heraus verhinderte, dass Menschen verletzt wurden. Und doch hat sich in dem Balkongebäude am Alten Markt ein Drama zugetragen, wie nun der Strafprozess zeigt.

von Jana Peuckert

Unna

, 28.11.2019, 18:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für ihren Einsatz im Oktober 2018 hat die Feuerwehr viel Lob erhalten. Ausgerechnet an einem Dienstag, als auf dem Alten Markt die Stände des Wochenmarktes standen, brannte es in dem markanten Balkongebäude. Die Rettungskräfte schafften es, eine Drehleiter aufzufahren und die Gefahren abzuwenden. Schnell war dabei klar geworden, dass eine Bewohnerin sie absichtlich herbeigeführt hatte.

Nun befasste sich das Amtsgericht in Unna mit dem Fall der Frau. Die 61-Jährige befand sich in Verzweiflung über ihren Gesundheitszustand – und entschied sich dazu, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

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Zur Umsetzung ihres Plans legte sie am 16. Oktober des vergangenen Jahres mit Hilfe von Müll zwei Brandherde in der Wohnung, die sie gemeinsam mit ihrer Tochter bewohnte. Einen Haufen zündete sie im Flur an, den zweiten in der Abstellkammer. Anschließend begab sie sich ins Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch, um auf den Tod zu warten.

Doch irgendwann wurde ihr der Rauch doch zu stark und sie öffnete ein Fenster. Kurz darauf brachen alarmierte Feuerwehrleute die Eingangstür auf und retteten die Frau. Inzwischen gehe es ihr wieder besser – körperlich wie psychisch. Das gab sie am Donnerstag im Schöffengericht des Amtsgerichts Unna an.

Dort gelandet war die nicht vorbestrafte Frau wegen schwerer Brandstiftung. Durch den Brand waren in der Wohnung Türen und Deckenverkleidung verbrannt, Tapeten hatten sich von den Wänden gelöst und Brandrauchverschmutzungen waren zurückgeblieben.

Zwei Bewohner des Hauses mussten wegen Verdachts auf Rauchvergiftung im Rettungswagen untersucht werden, konnten aber am selben Tag wieder in ihre Wohnungen zurück. In einem Gespräch mit unserer Redaktion schilderten sie eindringlich die seelische Erschütterung durch diese Erfahrung.

Die Angeklagte kam hingegen mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus, wo sie fünf Wochen lang bleiben musste. Im Prozess galt es zu klären, ob die Unnaerin aufgrund ihres psychischen Zustandes bei der Ausführung der Tat schuldunfähig gewesen war.

Ein Sachverständigengutachter erklärte dazu, dass die 61-Jährige zwar vermindert, schuldfähig, nicht jedoch komplett schuldunfähig gewesen sei. Und so verurteilte das Schöffengericht die Frau am Ende zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Als Auflage muss sie 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten.

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