Brandschutzklappen mit Asbest lösen Gedankenspiele über Rathaus-Komplettsanierung aus

dzStadtverwaltung

Veraltete Brandschutztechnik mit Asbestbelastung macht demnächst Sanierungsarbeiten im Rathaus nötig. Die Stadtverwaltung denkt über eine große Lösung nach: Das Gebäude freiziehen und komplett sanieren.

Unna

, 24.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Unnaer Rathaus wurde 1988 in Betrieb genommen und ist seitdem nicht saniert worden. Die Feuerschutztechnik aus dieser Zeit gilt heutzutage als problematisch: Brandschutzklappen enthalten Asbest. Die Stadt will jetzt ein Sanierungskonzept für diese Anlagen ermitteln lassen. Und in diesem Zusammenhang denkt die Verwaltung darüber nach, das Rathaus komplett zu sanieren. Bedarf gäbe es an einigen Stellen. Vorbild könnte das Dortmunder Rathaus sein. Und damit stünde ein zweistelliger Millionenbetrag im Raum.

Dortmunder Rathaus wird zwei Jahre lang saniert

In der Nachbarstadt müssen Politiker und Verwaltungsmitarbeiter das Rathaus am Friedensplatz im Oktober dieses Jahres verlassen, um provisorische Büros und Tagungsräume zu beziehen. Erst Ende 2022 sollen sie wieder zurückziehen können.

Mit einer aktuellen Beschlussvorlage informiert die Stadtverwaltung Unna, dass sie erwägt, ähnlich auch in Unna vorzugehen. Ob das erforderlich ist, müsse der weitere Planungsprozess nun zeigen. Er werde voraussichtlich mehrere Jahre dauern. Fest steht hingegen: Das sanierungsbedürftige Gebäude in Dortmund wurde vom gleichen Architekten entworfen wie das Unnaer Rathaus, die Häuser sind ungefähr gleich alt und ähnlich gebaut. Beim Dortmunder Rathaus soll die Sanierung 34 Millionen Euro kosten, neues Mobiliar inklusive.

Problem: Asbest in Brandschutzklappen

Für Unna steht zunächst eine Ausgabe von 250.000 Euro im Raum. Es ist geplant, zehn bis 15 der insgesamt 150 Brandschutzklappen eingehend zu untersuchen. Aus den Ergebnissen soll ein Sanierungskonzept für alle Klappen abgeleitet werden.

Über Asbest

Früher geschätzt, heute verboten

  • Asbest ist feuerfest und wurde in früheren Jahrzehnten deswegen bevorzugt verwendet, beim Bau unter anderem in Dämmmaterial. Dass Asbest in einem älteren Gebäude gefunden wird, ist also nicht ungewöhnlich.
  • Die Gesundheitsgefahr durch den Stoff wurde schließlich bestätigt. Der Einsatz von Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten. Asbestfasern können Schaden in der Lunge anrichten, wenn sie eingeatmet werden, und gelten als krebserregend.

Das im System verbaute Asbest macht die Sache aufwendig: Asbest gilt als ungefährlich, solange es in Gebäudeteilen gebunden ist. Es soll aber nicht in die Raumluft gelangen. Deswegen dürfen besagte Klappen nicht mehr ohne Weiteres zugeklappt werden, um sie zu testen. Die Klappen haben den Sinn, im Fall eines Feuers Abschnitte des Lüftungssystems zu verriegeln, damit Rauch nicht im Gebäude verteilt wird. Für die Prüfung, ob das Zufallen im Notfall funktioniert, hat ein TÜV-Unternehmen ein spezielles Verfahren entwickelt. Die ersten bis zu 15 Klappen sollen danach getestet und ihre Sanierung nach Dringlichkeitsstufen dann geplant werden.

Erste Klappen-Überprüfung allein kostet 200.000 Euro

Die Geräte sind teils schwer zugänglich, während der Untersuchung muss die Raumluft auf Schadstoffe untersucht werden. Allein die Überprüfung soll 200.000 Euro kosten. 50.000 Euro für das Aufstellen eines Sanierungskonzept kommen hinzu.

Die Stadt rechnet damit, dass sich aus den Prüfungen ein Sanierungsbedarf ergibt. Und diesen sieht die Verwaltung nicht nur bei den Brandschutzklappen. In Büros, die zur Bürgerhalle ihre Fenster haben, herrscht mitunter schlechte Luft: Im Sommer wird es warm darin.

Klimaanlagen und Klimakonzept nötig

Die Räume müssten klimatisiert werden. Diese Sanierungsbedarfe getrennt voneinander zu betrachten, würde zu kurz greifen, heißt es in dem Beschlusspapier. Vielmehr müsse die „Technische Gebäudeausrüstung“ insgesamt betrachtet werden. „Das zeigt auch das Vorgehen der Stadt Dortmund am dortigen Rathaus.“

Die repräsentative Bürgerhalle mit ihrem gläsernen Dach erzeugt ein Problem: Warme Luft dringt in Büros mit innen liegenden Fenstern.

Die repräsentative Bürgerhalle mit ihrem gläsernen Dach erzeugt ein Problem: Warme Luft dringt in Büros mit innen liegenden Fenstern. © Udo Hennes

Als bereits bekannte Sanierungsbedarfe listet die Stadt unter anderem auf: Die Lüftung muss gereinigt und teils erneuert werden. Die Elektroinstallation muss angepasst werden, Kabelummantelungen sind spröde geworden. Die Beleuchtungstechnik ist „aus heutiger Sicht ineffizient“. Fassaden, Dächer und Verglasung haben „das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht“. Sie haben den energetischen Stand der 1980er-Jahre, es müsse ein neues Klimakonzept entwickelt werden.

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