Eigentlich sollte es für den RS1 gerade im Kreis Unna beste Voraussetzungen geben. Vom Damm des Datteln-Hamm-Kanals über die Klöcknerbahntrasse und die Wirtschaftswege der Bahnlinie Königsborn-Unna gibt es bereits Wege, die nur ausgebaut werden müssten. © Stefan Milk
Verkehr

Brandbrief ans Land: SPD im Kreis fordert mehr Tempo für den Radschnellweg

Auf dem Weg in den Kreis Unna ist der geplante Radschnellweg Ruhr (RS1) ausgesprochen langsam unterwegs. Führende Köpfe der SPD verlangen vom Land, ein paar Gänge hochzuschalten.

Radfahrer mögen geduldige Menschen sein, aber für das Entwicklungstempo des Radschnellwegs Ruhr im Kreis Unna reicht diese Geduld nicht mehr aus. Unzufriedenheit mit dem Projektfortschritt eint Menschen aller Anrainerkommunen im Kreisgebiet – und auch Funktionäre der SPD.

In einer Protestaktion, die Stadtgrenzen überschreitet, richten sich die sozialdemokratischen Fraktionsvorsitzenden aus den Räten in Unna, Kamen, Bergkamen und Lünen sowie aus dem Kreistag nun in einem offenen Brief an Landesverkehrsminister Hendrik Wüst. Sie fordern eine Aufstockung der Ressourcen, um Planung und Bau der „Fahrradautobahn“ von Hamm nach Duisburg im Kreisgebiet zu beschleunigen.

Vorgestellt worden sind die ersten Pläne für einen 101 Kilometer langen Radschnellweg bereits im Jahr 2010. Das Projekt wurde international mit großem Interesse und viel Zuspruch aufgenommen, gilt als Modell für den Ausbau der Fahradinfrastruktur und eine Wende zur klimaschonenden Mobilität. Allerdings hapert es an der Umsetzung.

Baustart im Kreis Unna wohl erst 2026

Bislang sind erst 12,5 Kilometer der Strecke im endgültigen Bauzustand verwirklicht. Das Tempo der Entwicklung ist insgesamt langsam und regional unterschiedlich. Der Kreis Unna gilt praktisch als Rücklicht: Erst in fünf Jahren soll der Ausbau der Trasse zwischen der den Ortsgrenzen Massen/Wickede und Rünthe/Herringen anlaufen.

„Ein Baustart in 2026 ist aus unserer Sicht nicht hinnehmbar“, schreiben die SPD-Fraktionschefs an CDU-Mann Wüst. Der Kreis Unna habe sich in den vergangenen Jahren selbst stark für die Radmobilität eingesetzt. Er verfüge über das dichteste Netz von Radstationen in ganz NRW, habe kreisweit und in den Kommunen Programme für den Ausbau der Radwegenetze verabschiedet, die auch auf den RS1 abgestellt sind.

Für Bergkamen und Lünen besitze der RS1 zudem eine Rolle mit Blick auf die Internationale Gartenausstellung IGA 2027, sofern er dann schon fertig ist. Dem Entwicklungstempo, das die Region in Sachen Fahrradmobilität vorlegt, müsse sich auch der RS1 anpassen, weil er für eine klimaschonende Mobilität auch im überörtlichen Verkehr eine wesentliche Rolle spielt.

Offiziell erklärt wurde das langsame Tempo der RS1-Umsetzung im Kreis Unna zuletzt unter anderem mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Kritiker werfen dem Land allerdings auch eine ungleiche Prioritätensetzung vor.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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