Dieses Foto ist nicht gestellt, sondern bei einer der beiden ersten Schwerpunktkontrollen nahe Bönen entstanden. Es zeigt das Bild, das sich den Beamten der Kreispolizeibehörde Unna nach dem Öffnen des Laderaums eines Transporters bot. © Kreispolizeibehörde Unna
Polizei

Boom des Online-Shoppings: Viele Lieferfahrzeuge sind rollende Paketbomben

Aus dem „Trend“ zum Internet-Einkauf hat die Pandemie einen Boom gemacht. Wie sehr Fahrer und Fahrzeuge der Paketdienste unter Druck stehen, zeigen jetzt erschreckende Beobachtungen der Polizei.

Die Liste der Beanstandungen war lang, als Polizei und Zoll nun in zwei ersten Schwerpunktkontrollen den Lieferverkehr von Paketdiensten unter die Lupe nahmen.

Drogen am Steuer, überladene Fahrzeuge, technische Mängel, Verstöße gegen arbeitsrechtliche Vorschriften und einiges mehr stellten die Beamten fest, als sie nahe Bönen vor allem Kleintransporter von der Autobahn und von einer Landstraße holten.

Erschreckend ist allerdings auch die Trefferquote der Kontrollen. 86 Fahrzeuge wurden am Donnerstag zwischen 6 und 14 Uhr überprüft, 58 Beanstandungen gab es dabei. Bilanz in rechtlicher Hinsicht: 51 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten und zwei wegen Straftaten, dazu fünf Verwarngelder.

Mit den beiden ersten Kontrollen eröffnet die Kreispolizeibehörde einen Arbeitsschwerpunkt, den letzten Endes auch die Coronavirus-Pandemie gesetzt hat. Die anhaltende Schließung von Läden führt selbst Freunde des gepflegten Stadtbummels an den Internet-Einkauf heran. All diese Waren müssen transportiert werden. Wie sehr die Fahrer dabei unter Druck geraten, erleben viele Besteller bei der Paketübergabe.

Fahrer und Fahrzeuge sind erheblich belastet

Im vermeintlich unattraktiven Job des Paketboten herrscht inzwischen sogar Arbeitskräftemangel. So wies die Agentur für Arbeit in Hamm zuletzt darauf hin, dass es in der Logistik und bei den Kraftfahrern derzeit eine hohe Nachfrage nach zusätzlichen Mitarbeitern gebe. Aber wo die dringend benötigten Unterstützer fehlen, ist die Belastung für die vorhandenen Kräfte hoch.

„Zeitdruck und Stress steigen. Das kann dazu führen, dass Fahrer mitunter auch zu Drogen greifen, um damit klarzukommen“, erklärt Christian Stein als Sprecher der Kreispolizeibehörde in Unna. Auch Überladung der Fahrzeuge und eine schlechte Sicherung der Ladung sind menschliche Fehler, die die Polizei zunächst als Folge des Drucks annahm und bei den ersten Kontrollen auch bestätigt fand.

Daneben ist aber auch der Fuhrpark der Paketdienste stark belastet. Was viel fährt und wenig gewartet wird, fällt bei Polizeikontrollen schneller negativ auf. Insgesamt habe es viel zu viele Beanstandungen gegeben, gibt Polizeisprecher Stein den Leiter des Verkehrsdienstes bei der Kreispolizeibehörde Unna, Thomas Stoltefuß, wieder. Die Ergebnisse der ersten Kontrollen hätten Grund genug gegeben, auch weiterhin genauer hinzuschauen.

Auf einem Autobahnparkplatz und an einer Landstraße nahe Bönen hat die Kreispolizeibehörde Unna ihre verstärkte Überwachung des Lieferverkehres eröffnet. Auf je drei Kontrollen kamen dabei zwei Verstöße.
Auf einem Autobahnparkplatz und an einer Landstraße nahe Bönen hat die Kreispolizeibehörde Unna ihre verstärkte Überwachung des Lieferverkehres eröffnet. Auf je drei Kontrollen kamen dabei zwei Verstöße. © Kreispolizeibehörde Unna © Kreispolizeibehörde Unna

„Ohne unser Einschreiten werden sich diese Probleme nicht lösen“, so Stein. Und angesichts der Tatsache, dass der Online-Handel mit seinem Auslieferungsverkehr wohl weiterhin auf hohen Touren laufen wird, sei die verstärkte Beobachtung nun auch nicht befristet. „Wir werden weiterhin solche Schwerpunktkontrollen vornehmen, kontinuierlich und unangekündigt.“

Dabei macht die Polizei klar, dass auch die Unternehmen nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden, auch wenn die Ansprache mit einer Kontrolle zunächst die Mitarbeiter erreicht. „Uns ist klar, dass der Fahrer das schwächste Glied in einer Kette ist“, betont Polizeisprecher Stein. Andererseits gehe es auch um die Sicherheit gerade dieser Menschen. Deswegen sei bei den ersten Kontrollen neben der Autobahnpolizei aus Kamen auch die Zollbehörde mit einbezogen gewesen. Und: Verstöße, die bei der Kontrolle des Gewerblichen Verkehrs festgestellt werden, würden über die Bußgeldstelle und das Amt für Arbeitsschutz auch an die Unternehmen herangetragen.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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