So stellt sich der Kreis Unna auf die Bombenentschärfung in Dortmund ein

dzBevölkerungsschutz

Die Suche nach Weltkriegsbomben und etwaige Entschärfungen machen Teile der Dortmunder Innenstadt zum Sperrgebiet. Das hat Auswirkungen auf den Kreis Unna, der die Lage aber auch zu nutzen weiß.

Unna

, 11.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmund ist keine Insel und ein Lagebild wie das derzeitige hat erhebliche Auswirkungen auf die Nachbarn. Der Kreis Unna und einige seiner Kommunen stellen sich auf Nachbarschaftshilfe ein. Selbst für schwierige Entwicklungen scheinen sie gerüstet. Und sollten diese ausbleiben, haben sie zumindest eine Gelegenheit zum Üben.

Die Schaltzentrale für die Steuerung etwaiger Hilfen ist die Rettungsleitstelle an der Florianstraße in Unna. Dort werden die normalen Disponentenplätze am Wochenende durchweg mit sechs Kräften besetzt sein. Sie sind die „Stimme“ hinter der Notrufnummer 112, koordinieren den Einsatz unter anderem von Notarzt, Rettungsdienst und Feuerwehr.

So stellt sich der Kreis Unna auf die Bombenentschärfung in Dortmund ein

In den Notaufnahmen des Evangelischen Krankenhauses (Bild) und des Katharinen-Hospitals gibt es an diesem Wochenende mehr Personal. Die Krankenhäuser stellen sich auf Einlieferungen aus dem Raum Dortmund ein. © Marcel Drawe

Gerade in der Versorgung von Notfallpatienten stellt sich der Kreis für dieses Wochenende auf ein erhöhtes Aufkommen ein. Zwei der Dortmunder Krankenhäuser liegen im Sperrkreis der Blindgängerbekämpfung, müssen evakuiert werden und stehen somit auch nicht als Anlaufstelle für Rettungsdienstmannschaften zur Verfügung, die Patienten einliefern müssen. Die beiden Krankenhäuser in Unna stocken daher an diesem Wochenende ihre Mannschaften in der Notaufnahme auf.

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Mehr Krankenwagen und Rettungshubschrauber in Bereitschaft

Doch auch für den Transport von Patienten wird es am Wochenende zusätzliche Kapazitäten geben. Über die normalen Kontingente hinaus hält der Kreis vier Rettungswagen und einen Krankentransportwagen im Einsatz. Am Krankenhaus in Lünen sind für alle Fälle zudem zwei Intensivtransportwagen in Bereitschaft.

Hintergrund: Wenn zusätzliche Patienten aus dem Raum Dortmund in die Krankenhäuser des Kreisgebietes eingeliefert werden, können auch die Kapazitäten für stationäre Aufnahmen dort ausgelastet und überlastet werden. Unter Umständen könnte es dann auch nötig werden, Patienten zwischen den Krankenhäusern im Kreis oder im weiteren Umland auszutauschen.

Für sehr schnelle Transporte hat der Kreis sogar zwei zusätzliche Hubschrauber organisiert. Einer wird am Flughafen in Dortmund stehen, der andere als Ergänzung für „Christoph 8“ in Lünen.

Im Idealfall beschränkt sich die Unterstützung aus Unna an diesem Wochenende darauf, die Lage in der Nachbarstadt zu beobachten und die Notfallmedizin für Menschen auch aus der Nachbarstadt sicherzustellen. Um auch bei unvorhersehbaren Entwicklungen schnelle Hilfen anbieten zu können, ergreift der Kreis jedoch weit reichende Vorbereitungen.

So stellt sich der Kreis Unna auf die Bombenentschärfung in Dortmund ein

Der frühere Unnaer Ordnungsamtsleiter Uwe Hasche ist heute Kreisdezernent und leitet am Sonntag persönlich den Krisenstab. Hasche verfügt selbst über große Erfahrungen im Feuerwehrwesen. © Kreis Unna

Die Einsatzleitung der Notfallkräfte und der Krisenstab des Kreises treten am Wochenende zusammen. Die Kreiseinsatzleitung hat 13 Kräfte eingeplant. Der Krisenstab unter Leitung von Kreis-Ordnungsdezernent Uwe Hasche kommt am Sonntag ab 8 Uhr zusammen und über den Tag auf fast 50 Personen. Darunter sind auch Vertreter der Verkehrsgesellschaft VKU oder der Kreispolizei.

Notfall-Information

Nina schlägt Alarm bei akuten Bedrohungen

  • Als Warnmittel vor akuten Gefahren für die Bevölkerung empfehlen die hiesigen Behörden die Smartphone-App „Nina“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.
  • „Nina“ steht für die „Notfall-Informations- und Nachrichten-App“ des Bundes. Örtliche Einsatzleitstellen wie die in Unna sind an die Plattform angebunden und können der Bevölkerung ihres Gebietes direkt Warnmeldungen und andere Hinweise senden.
  • Die App ist kostenlos erhältlich für Android und Apple-iOS, also bei Google Play und im AppStore.

Krisenstab nutzt die Lage als realitätsnahe Übung

Der Krisenstab werde die Gelegenheit nutzen, um die Funktionsfähigkeit seiner Strukturen zu prüfen und einzuüben, erklärt Constanze Rauert als Sprecherin der Kreisverwaltung. Die Mitglieder des Krisenstabes und seiner Geschäftsstelle müssten sich blind aufeinander verlassen können, gelte es doch im Ernstfall, die unterschiedlichsten Anforderungen schnell abzuarbeiten.

Für die Bevölkerung in Unna soll dies im Idealfall nahezu unmerklich geschehen. Möglicherweise werden die zusätzlichen Patiententransporte zwischen Dortmund und Unna mit mehr Martinshorn zu vernehmen sein. Wer als „Selbsteinlieferer“ ins Krankenhaus geht, erlebt möglicherweise längere Wartezeiten. Einschränkungen gibt es überdies ab Sonntagmittag im Bahnverkehr in Richtung Dortmund. Die Züge der RB59 und der S4 würden durchs Sperrgebiet fahren und beenden ihre Fahrt daher früher als üblich.

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