Die Panik vor der Nadel: So (un)angenehm ist das Blutspenden wirklich

Selbsttest in Unna

Beim Gedanken an eine Nadel, die mitten in die Armbeuge gestochen wird, richten sich bei vielen Menschen die Nackenhaare auf. Ist die Angst vorm Blutspenden begründet? HA-Redakteur Carlo Czichowski hat es ausprobiert.

Unna

, 20.08.2019, 17:50 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Panik vor der Nadel: So (un)angenehm ist das Blutspenden wirklich

Ein halber Liter Blut für den guten Zweck: Den diesjährigen Spendetermin vom Katharinen-Hospital nahm HA-Redakteur Carlo Czichowski zum Anlass für einen Selbsttest. © Marcel Drawe

Einen Moment lang stehe ich im Türrahmen, dann wird eine der roten Liegen frei. Währenddessen laufen Menschen in weißen Kitteln umher. Fast alle haben Nadeln, Verbandzeug oder andere medizinische Utensilien in der Hand. In der linken Ecke des Raumes sitzen ein junger Mann und eine junge Frau.

Sie lächeln sich kurz an, dann ertönt aus einer Apparatur, auf der eine Blutkonserve langsam auf und ab wippt, mehrfach ein Piepen. Jetzt bin ich an der Reihe. Ich setze mich auf eine gerade frei gewordene Liege und beobachte Ärzte und Pfleger, die sich schnell durch den Raum bewegen.

Fester Termin im „Sommerloch“

Dutzende Menschen haben bis zum Mittag bereits diese Prozedur durchgemacht. Sie alle waren am Dienstag der Einladung des Katharinen-Hospitals gefolgt, das gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) West im Forum seine jährliche Blutspende-Aktion durchgeführt hat. Mitten im „Sommerloch“, wenn Blutspendeeinrichtungen nicht gerade über zu viel Beschäftigung klagen können, gehen einige Bedienstete des Krankenhauses mit gutem Beispiel voran – und lassen sich einen halben Liter Lebenssaft „absaugen“.

Die Panik vor der Nadel: So (un)angenehm ist das Blutspenden wirklich

Von jedem Spender wird eine separate Blutprobe entnommen, die dann im Labor auf Krankheiten untersucht wird. © Carlo Czichowski

Pfleger, Techniker, Ärzte und auch Mitarbeiter aus der hauseigenen EDV-Abteilung waren dort zu anzutreffen. Für sie ist das Blutspenden mit Blick auf ihren beruflichen Hintergrund eine Herzensangelegenheit: „Wir sind sehr nah dran. Wir haben täglich Kontakt zu Menschen, die dringend Blutkonserven benötigen“, sagt Pfleger Frank Neidert.

„Daher gehen wir gerne Spenden“

„Daher gehen wir gerne Spenden“, erklärt er und nickt anschließend den drei Kollegen zu, mit denen er sich gemeinsam ins Forum aufgemacht hat. Im Anschluss an die Spende gehen sie gemeinsam in den Nebenraum. Dort gibt es belegte Brötchen, Kaffee, Kuchen und Kaltgetränke. Sie kommen untereinander ins Plaudern.

An ihre erste Spende können sie sich alle nicht mehr erinnern. Robert Schüller, Mitarbeiter der IT-Abteilung des Krankenhauses, erinnert sich nur vage daran, dass er sich anfangs zwingen musste, nicht so viel nachzudenken: „Einfach gelassen sein und in nichts reinsteigern“, rät er daher.

Diesen Ratschlag kann man sicher in vielen angespannten Situationen beherzigen, als ich auf die Liege gebeten werde, gelingt es mir aber nicht auf Anhieb: Die leichte Hektik, die von den behandelnden Pflegern ausgeht, verschmilzt dann aber recht schnell mit der Ruhe, die still da liegende Spender ausstrahlen, zu einer Symbiose, in der ich mich dann schließlich doch noch entspannen kann. Dass Gerda Kroehnert, die die Blutspende mit mir durchführt, sich mehrmals erkundigt, wie es mir geht, beruhigt mich zusätzlich.

Nach zehn Minuten ist der anstrengende Teil vorbei

Nach ein paar einleitenden Worten wird mein Arm desinfiziert. Während des Nadelstichs schaue ich mich im Raum nach einer Ablenkung um. Die Zeit vergeht schnell. Rund zehn Minuten später ist der anstrengende Teil der Spende vorbei. Für wenige Minuten bleibe ich auf der Liege sitzen. Anschließend gehe ich zu den anderen Spendern in den Essensraum. Während ich ohne Begleitung dort bin, sitzen mir vor allem kleine Gruppen gegenüber.

Die Panik vor der Nadel: So (un)angenehm ist das Blutspenden wirklich

Bis die Blutkonserve gefüllt ist, dauert es rund zehn bis 15 Minuten. Die Zeit kann aber von Spender zu Spender variieren. © Carlo Czichowski

„Es ist nicht selten, dass sich Menschen zum Spenden verabreden“, sagt die stellvertretende Labor-Leiterin Christin Gogolin-Heymann. Sie hat den Spendetermin am Dienstag organisiert und weiß wie schwierig es ist, Erst-Spender zu gewinnen. Die Angst vor der Nadel sei bei manchen groß. Wer es einmal ausprobiere, komme aber in der Regel wieder, wie Gogolin-Heymann verrät. Es sei zwar normal, dass in den Sommerferien weniger Menschen Blut spenden, in diesem Sommer seien die Engpässe aber überdurchschnittlich, erklärt sie.

„Körper kann frische Zellen gebrauchen“

Aus diesem Grund appelliert sie an Unentschlossene, es zumindest mal auszuprobieren: „Ich habe selbst schon viele Male Blut gespendet. Am Ende des Tages hatte ich immer das Gefühl, dass ich etwas Gutes getan habe“, berichtet die stellvertretende Labor-Leiterin und verweist darauf, dass es durchaus auch gesund sein kann. „In gewissen Abständen Blut zu spenden, ist für den Körper nicht schlecht. Der kann neue Zellen nämlich gebrauchen.“ Zu Folgeerscheinungen wie Schwindel oder Ähnlichem komme es bei der absoluten Minderheit der Spender. Im Forum spendeten am Dienstag insgesamt 106 Menschen ihr Blut, davon 21 zum ersten Mal. „Damit sind wir durchaus zufrieden“, erklärt Gogolin-Heymann.

Und auch ich überstehe die Spende ohne große Probleme. Angenehm waren die zehn Minuten an der Nadel nicht unbedingt. Die Tatsache, dass dadurch möglicherweise ein Menschenleben gerettet werden kann, lässt den Aufwand aber mindestens so stark verblassen wie das Gesicht eines nervösen Erst-Spenders auf der roten Liege.

Die nächsten Spendetermine des DRK:
  • Montag, 26. August, 8 bis 12.30 Uhr, Kreisverwaltung, Friedrich-Ebert-Straße 17
  • Dienstag, 27. August, 15 bis 19.30 Uhr, DRK-Heim in Bönen, Königsholz
  • Donnerstag, 29. August, 16.30 bis 19.30 Uhr, Fröndenberg, Ev. Gemeindehaus, Brauerstr. 5
  • Freitag, 30. August, 17 bis 19.30 Uhr, Schwerte-Westhofen, Ev. Gemeindehaus, Labuissierestr. 32
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