Blumen und Anrufe als Auslöser: Unnaerin will Freundin helfen und attackiert die Ex

dzGerichtsprozess

Zwei Frauen beenden ihre Beziehung. Eine Freundin mischt sich ein, weil eine der beiden ehemaligen Partnerinnen auf eine Versöhnung hofft. Ihr Verhalten bringt sie letztlich sogar vor Gericht.

von Sylvia Mönnig

Unna

, 19.09.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Verflossene ihrer Freundin gab keine Ruhe, wollte das Aus einfach nicht hinnehmen. Also schaltete sie sich ein, um die Sache zu klären – auf brachiale Weise. Nun hatte der Zwischenfall in Unna ein juristisches Nachspiel.

Zuerst war es der Kummer, den ihre Freundin während der Beziehung mit der Frau aus Unna hatte, den die 22-Jährige aus Bönen hautnah miterlebte. Dann kam die Trennung.

Die Verflossene gab aber offenbar keine Ruhe, griff regelmäßig zum Telefon, legte Blumen vor die Tür und hoffte immer weiter auf Versöhnung. Auch das ging der besten Freundin nahe.

Beste Freundin will Verflossene zur Rede stellen

Letztlich, am Abend des 22. Dezember 2019, sah die 22-Jährige akuten Handlungsbedarf. Sie stattete der verlassenen Unnaerin einen Besuch ab, um sie zur Rede zu stellen. Keine sonderlich gute Idee: Im Disput verlor sie die Kontrolle, schubste die Gegnerin, drang in ihre Wohnung ein, packte sie am Hals, würgte sie und erhob zudem offenbar drohend die Faust.

Ein Nachbar der Geschädigten tauchte auf. Sein Anblick sorgte dafür, dass die Angreiferin von der Bildfläche verschwand. Kurz darauf, so zumindest der Vorwurf, schickte sie ihrem Opfer eine Sprachnachricht: „Melde du dich noch einmal bei ihr und du landest im Krankenhaus.“

Angeklagte bedauert, sich eingemischt zu haben

Wegen Hausfriedensbruchs, Körperverletzung und versuchter Nötigung musste sich die „Rächerin“ nun vor dem Amtsgericht verantworten. Die 22-Jährige schilderte ausführlich, was im Vorfeld des Tatabends geschah und beschrieb regelrechten Terror. Um für Ruhe zu sorgen, habe sie sich sogar als neue Partnerin ihrer besten Freundin ausgegeben. Doch auch das habe nichts gebracht.

Da habe sie die Frau zur Rede stellen wollen. „Ich war natürlich sauer. Es gab ein kleines Wortgefecht. Dann ist die Situation leider eskaliert.“ Ja, sie habe die Unnaerin geschubst und am Hals gepackt. An die erhobene Faust könne sie sich nicht erinnern. Eine Sprachnachricht habe sie allerdings nicht verschickt. Sie zeigte insgesamt aber Einsicht: „Das war nicht richtig, sich einzumischen. Im Nachhinein bereue ich das auch.“

Der Richter fand deutliche Worte für ihr Handeln: „Ich weiß nicht, was das für ein Freundschaftsdienst sein soll. Das geht gar nicht.“ Die Reue der Angeklagten, ihr leeres Strafregister und der Umstand, dass das Opfer nicht erheblich verletzt wurde, stimmten ihn jedoch milde. Das Verfahren wurde gegen 250 Euro Geldbuße eingestellt.

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