Bissige Kreisler-Lieder passen auch in ein Unnaer Café

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In der Bibliothek im ZIB ist der Melange-Verein nicht mehr so oft präsent. Er hat aber eine Alternative gefunden – ebenfalls mitten in der Stadt. Das Publikum honoriert das.

von Sebastian Pähler

Unna

, 20.02.2020, 08:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bissig, scharfsinnig und zugleich auf eine ganz eigene Weise berührend, so sind die Lieder von Georg Kreisler. Einen Abend mit der Musik des Wiener Chansonnier konnte das Publikum am Mittwoch im Café Moller erleben. Der Verein „Melange“ hatte zu dem Konzert „Tauben vergiften im Park“ eingeladen. Pianist Bastian Kopp erweckte Kreislers unvergesslichen Lieder wieder zum Leben und sparte in seinem Programm auch dessen selten gespielten, politischen Stücke nicht aus.

Einfach spielen

Erst ein bisschen schockiert zeigten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer angesichts von Zeilen wie „Alles nichts wie Scheiße, sprach der Staatssekretär“. Ein Schock, der der Begeisterung wich als das Lied schließlich mit „was uns zum Menschen macht, anstatt nur zum Vieh – Das ist Demokratie!“, endete. Das Lied „Der Furz“ zählte ohne Frage zu den rauen Perlen aus Georg Kreislers umfangreichem Repertoire. „Viele Musiker fassen diese Lieder gar nicht an“, erklärte Bastian Kopp, „weil sie nicht wissen, wie man sie in ein Programm packt. Ich weiß es auch nicht, ich spiele sie einfach.“

Alte Liebe zu Kreisler

Die Musik von Georg Kreisler begleitet Kopp schon seit langem. Der in Zürich geborene und dort und bei Düsseldorf aufgewachsene Musiker spielte ursprünglich mit Damenbegleitung die zugänglicheren Chansons des 2011 verstorbenen Kreislers. Dann entdeckte er, dass er eigentlich die sperrigeren Stücke bevorzugte.

Heitere und kritische Töne wusste Pianist und Sänger Bastian Kopp gleichermaßen anzustimmen bei seinem Konzert mit Liedern von Georg Kreisler.

Heitere und kritische Töne wusste Pianist und Sänger Bastian Kopp gleichermaßen anzustimmen bei seinem Konzert mit Liedern von Georg Kreisler. © Sebastian Pähler

Auf die Frage, warum er immer noch Kreisler spielt antwortet er gerne „Weil es keinen Grund gibt damit aufzuhören“, denn die politischen Kommentare aus Kreislers Werk seien heute so aktuell wie und je. Und so bekam das Publikum in Café Moller neben „Der Furz“ etwa auch „Was sagst Du“ oder „Freiheit ist die Kneipe nebenan“, in dem es darum geht, wie schön sich die Revolution planen lässt, während man sicher und gemütlich an seinem Bier nippt.

Kaffeehauskultur

Sehr zufrieden zeigte sich Dr. Thomas Eicher von der Literarischen Gesellschaft zur Förderung der Kaffeehauskultur „Melange“. Zum zweiten Mal hatte man das Café Moller als Veranstaltungsort ausgewählt und auch diesmal war das Interesse so groß, wie es die Räumlichkeiten eben zuließ. Über 40 Gäste waren erschienen um bei einem Kaffee der Bastian Kopp, und durch ihn eben auch Kreisler zuzuhören.

Vergiftete Tauben

Fehlen durften aber auch nicht freche Liebeslieder wie „Barbara“, unterhaltsames wie die „Telefonbuchpolkea“ mit ihren Zungenbrechern, aber natürlich schließlich auch das Titelgebende „Tauben vergiften im Park“ auf das alle gewartet haben.

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