Bildungsexperte erklärt in Unna die „Generation Greta“

dzStiftung Zukunft

Die Jugend ist bewegt, vor allem politisch. Das war einer der wichtigsten Schlüsse aus der aktuellen „Schell-Jugendstudie“, die Professor Klaus Hurrelmann bei einem Vortrag am Mittwoch vorstellte.

von Sebastian Pähler

Unna

, 28.11.2019, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stiftung Zukunft der Sparkasse hatte den Sozial- und Bildungswissenschaftler Hurrelmann zum sechsten Mal in die Stadthalle eingeladen, um zu erläutern, wie die Lebensrealität und Zukunftsaussichten der jungen Generation aussehen.

Ein großes, überwiegend junges Publikum war erschienen, als wolle es die These der Studie „Jugend 2019 – Eine Generation meldet sich zu Wort“ bestätigen.

Was sie unterscheidet

Sie sind in wirtschaftlicher Sicherheit aufgewachsen, die jungen Leute, die nach der Jahrtausendwende geboren sind. Und ihre beruflichen Aussichten sind fantastisch. Der Bildungsstand ist so hoch wie nie, die Gewalt an Schulen auf einem historischen Tief und gleichzeitig verabschiedet sich allmählich eine Generation aus dem Arbeitsmarkt, deren Platz die „Generation Z“ einnehmen kann. „Die unter 20-Jährigen hat das politisch gemacht“, stellte Hurrelmann fest. Ein bekanntes Phänomen, denn mit wirtschaftlicher Sicherheit im Rücken fällt es leichter, sich um abstraktere Themen zu kümmern.

Besonderheiten der Jugend

Viele Schüler erreichen das Abitur und die meisten werden einen Arbeitsplatz finden. Aber genau das erzeugt einen hohen Druck auf jene 20 Prozent, die sich schulisch nicht oder nur gering qualifizieren können.

Doch auch wer es schafft, ist vor Druck nicht sicher. „Sie sind Opfer ihres eigenen Erfolges“, so Hurrelmann. Bei 370 verschiedenen Ausbildungsberufen und mehr als 20.000 Studiengängen allein in Deutschland sind die Jugendlichen bei der Frage, was sie einmal machen wollen, schlicht überfordert. Dabei haben sie an ihre Arbeit immer höhere Ansprüche – vor allem den, dass sie mit ihrem Privatleben vereinbar ist. Das können sie sich auch erlauben, denn mittlerweile sind es die Unternehmen, die nach Mitarbeitern suchen und nicht mehr umgekehrt.

Ein weiteres Problem dieser Generation besteht darin, sich von ihren Eltern abzugrenzen. Zwar ist es eine gute Sache, dass die Meisten eine gute Beziehung zu ihren Eltern haben, aber viele Eltern beschützen ihre Kinder auch übermäßig und übernehmen Aspekte der Jugendkultur, die eigentlich dazu gedacht sind, die eigene Identität von der der Erwachsenen abzugrenzen.

Auf der anderen Seite sind die Jugendlichen Experten im Umgang mit neuen Medien, oftmals mehr als ihre Eltern und Lehrer. Hier sieht der Experte einen dringenden Nachholbedarf an Schulen. Er könne sich vorstellen, Schule noch einmal neu zu denken.

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