Die Anne-Frank-Realschule weicht aus der Landschaft und macht Platz für den künftigen Bildungscampus Königsborn. Die Abbruchfirma arbeitet zunächst im Innern. Bei Null anfangen muss sie nicht.

Unna

, 26.07.2019, 17:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist eine gespenstische Atmosphäre, die sich im Jahr seit der Schließung über die Anne-Frank-Realschule gelegt hat. Bauzäune sperren das Grundstück ab. Aus den Pflasterfugen des Schulhofes wuchert kniehoch das Gestrüpp. Der Blick in die Fenster fällt ins Leere. Und doch wird klar, dass dieser Ort nicht vollends verlassen ist.

Nachts herrscht wieder Leben in der Bude, wenn auch anders als früher. Immer wieder muss die Polizei vorbeischauen. Der übliche Vandalismus, den leer stehende Gebäude anziehen, findet sich auch hier. Geborstene Scheiben. Graffiti auf den Wänden. Zerdepperte Pullen und mancherlei Verpackungsmüll. Auf einem Innenhof liegt umgeworfen ein Holzkohlengrill. Einmal, so erzählt Robert Galant, Architekt im Baubereich des Kreises Unna, muss jemand versucht haben, die Schule abzubrennen. Aber er fand wohl nicht genügend brennbares Material.

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Anne-Frank-Realschule vor Abriss

26.07.2019
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AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
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AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
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AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes
AFR Anne Frank Realschule letzter Einblick vor Abriss© Udo Hennes

„Abriss“ beginnt mit dem Ausbau aller Einbauteile

Galant und dem stellvertretenden Bereichsleiter Bernd Teichert entlocken die Vandalismusschäden am Gebäude nur ein Kopfschütteln, mehr nicht. Abgerissen werden muss die Schule ohnehin. Seit ein paar Tage sind Arbeiter im Haus. Manches, was die illegalen Besucher bereits angefangen haben, bringen die Männer nun zu Ende. Sie gehen natürlich geordneter dabei vor und tragen eine bessere Schutzausrüstung.

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Der Abbruch eines Gebäudes ist heute eher ein Auseinanderbauen. Die Wände einzureißen, wird ab Mitte September die letzte Phase der Arbeiten darstellen und allenfalls sechs Wochen dauern. Komplizierter ist die vorausgehende Entkernung.

Heizungkörper und Rohre, Fenster und Verkleidungen, Elektrik und Datenkabel: Alles, was einmal in die Anne-Frank-Realschule eingebaut worden ist, wird in der nächsten Zeit systematisch herausgerissen und sortiert zur Entsorgung gegeben.

Das Schulgebäude hat noch 200.000 Euro Materialwert

Oder es geht in die Wiederverwertung. Weil es schnell gehen musste, als Unna 1963 in Königsborn eine Realschule eröffnete, setzte die Stadt damals auf ein Haus in Stahlgerüstbauweise. Metalle im Wert von 200.000 Euro dürften im Gebäude stecken. Den Erlös der Verwertung verrechnet der Kreis später mit den Preisen der Abbruchfirma.

Hohe Sicherheitsmaßnahmen wegen der PCB-Belastung

Etwa 1,5 Millionen Euro soll der Abriss kosten, sagt Bernd Teichert, der im Baubereich des Kreises auch die Vergaben verantwortet. Der Abbruch der Anne-Frank-Realschule ist ein Projekt mit besonderen Schwierigkeiten, nicht nur wegen der Größe des Bauwerks. Teile des Gebäudes sind mit PCB belastet. Das mag einen Anteil am Niedergang der Realschule gehabt haben. Weil sich die Stadt in der Frage zwischen Neubau und Sanierung über Jahre im Kreis gedreht hat, liefen Teile des Unterrichts so lange in einem Containerdorf, bis die Anmeldezahlen einbrachen und die Stadt die Schule schloss.

Ein letzter Rundgang durch die Anne-Frank-Realschule vor dem Abriss

Schutzbekleidung gehört bei Abbrucharbeiten dazu. Hier im Bild ist es aber nicht einmal die volle Montur: In der Aula ist keine PCB-Belastung bekannt. © Udo Hennes

Die gesperrten Räume der Schule werden für die Arbeiter besondere Sicherheitsmaßnahmen bedeuten. Die sogenannten „schwarzen Bereiche“ werden mit Folienschleusen verschlossen, bevor auch dort die Demontage der Bauteile beginnt. Während eine Unterdruckanlage etwaige Schadstoffe in der Luft in einen Filter saugt, müssen die Beschäftigten der Firma unter Vollschutz mit Atemmaske, Brille und Ganzkörperanzug arbeiten.

Abriss beginnt in Aula und Turnhalle

In den ersten Tagen waren die Schutzvorschriften weniger streng. Zunächst beginnt die Entkernung in Aula und Sporthallen. Basketballkörbe und Kletterleitern liegen bereits auf dem Schulhof. In der nächsten Woche sind dann auch die ersten Klassenräume dran. Auf manchen Tafeln stehen noch die Mitschriften der letzten Unterrichtsräume. Auf den meisten allerdings findet geistloses Geschmiere.

Ein letzter Rundgang durch die Anne-Frank-Realschule vor dem Abriss

Ein Blick auf den künftigen Innenhof des Schulgebäudes. Den Baum gibt es bereits jetzt: Es ist eine Türkische Haselnuss, die vom Architekturbüro Weicken „umplant“ worden ist. © Architekturbüro Weicken

Neubau für Förderzentrum und Abendschule

Nach dem Abriss soll das Grundstück erneut dem Schulbetrieb gewidmet werden, allerdings mit anderen Zielgruppen. Der Kreis selbst baut für sein Förderzentrum Süd, das beim Umbau der Förderschullandschaft aus der ehemals städtischen Harkortschule hervorgegangen ist. Aber auch das Weiterbildungskolleg der Stadt, Unnas Zugang zum zweiten Bildungsweg, und die benachbarten Berufskollegs sollen in dem Neubau Räume bekommen.

So schnell und einfach die Bauweise des bisherigen Gebäudes war, so wegweisend dürfte die des Nachfolgers werden. Der Kreis nutzt die Gelegenheit, um im Zeichen des Klimawandels ein Vorbild für Energieeffizienz zu geben. Das Haus nutzt Sonnenenergie und Erdwärme, verbindet mehrere Ansätze für ein möglichst energieeffizientes Bauwerk. Sogar einige der Bäume auf dem heutigen Schulgrundstück sollen erhalten bleiben und wurden dafür eigens in die Neubauplanung übernommen.

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