Bewährungsstrafe für Unnaer: Zwei Mädchen mit Soft-Air-Pistole bedroht

dzRaub

Er bedrohte zwei junge Frauen auf dem Kirchplatz mit einer Waffe, beschmierte ein Auto mit Zahnpasta und beschimpfte fremde Menschen wüst: Ein 40-jähriger aus Unna musste sich nun vor dem Amtsgericht verantworten.

von Sylvia Mönnig

Unna

, 25.07.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine psychische Erkrankung und Stimmen in seinem Kopf ließen einen Unnaer (40) immer wieder jeden Realitätssinn verlieren. Er beging eine Reihe von Straftaten. Unter anderem jagte er jungen Frauen mit einer Soft-Air-Pistole Todesangst ein. Im Prozess stellte sich nun die Frage seiner Schuldfähigkeit.

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Der höfliche Mann, der nun im Amtsgericht auf der Anklagebank saß, wollte so gar nicht zu dem passen, was ihm zur Last gelegt wurde. Mitte Mai 2017 kam es auf dem Kirchplatz zum ersten Zwischenfall, der bei den die Betroffenen einen bleibenden Eindruck hinterließ. Die vier jungen Frauen, damals 17 Jahre alt, hatten es sich mit Chips und Alkohol auf einer Bank gemütlich gemacht, als der Unnaer auftauchte. Erst bat er um ein paar Chips, die er auch erhielt. Später hatte er es offenbar auf den Alkohol abgesehen. Aus dem Nichts zog er die Waffe, hielt sie in Richtung der Mädchen. Die flüchteten voller Panik und erstatteten kurz darauf völlig aufgelöst Anzeige.

Auto mit Zahnpasta beschmiert

Ein gutes Jahr später trat der Unnaer erneut in Erscheinung. In 18 zum Teil fast skurril anmutenden Fällen beging er Diebstähle, stieß finstere Drohungen aus, beschimpfte Personen wüst, verstieß gegen Hausverbote oder legte sich mit seinem Vermieter und dessen Sohn an. Den VW Golf seiner Bezugsbetreuerin beschmierte er unter anderem mit Zahnpasta, in einer Klinik stahl er einen Pokal und bei einer Flucht fiel er in eine Schaufensterscheibe, die dabei zu Bruch ging.

„Ich dachte, dass in meinem Körper Außerirdische waren. Ich stand komplett neben mir. Ich konnte nicht mehr zwischen Mensch und Maschine differenzieren.“
Der Angeklagte

Den Hintergrund der Taten schilderte er nun vor dem Amtsgericht eindrücklich: „Ich war so aggressiv wegen meiner Psychose. Ich dachte, dass in meinem Körper Außerirdische waren. Ich stand komplett neben mir. Ich konnte nicht mehr zwischen Mensch und Maschine differenzieren.“ Mittlerweile erhalte er die richtigen Medikamente und es gehe ihm deutlich besser. Tatsächlich herrscht seit der letzten Tat im Juli 2018 Ruhe. Zudem entschuldigte er sich bei den jungen Frauen für den Vorfall vor drei Jahren. „Es tut mir wirklich sehr leid.“

Verminderte Schuldfähigkeit

Bei 17 der Taten, die sich im Sommer 2018 ereigneten, konnte der psychiatrische Sachverständige eine Schuldunfähigkeit aufgrund der akuten Krankheitsphase nicht ausschließen. In diesen Punkten wurde der Unnaer deshalb freigesprochen. Ein weiterer Vorwurf wurde eingestellt. Den Vorfall mit den jungen Frauen im Jahr 2017 wertete das Gericht indes als Raub in einem minderschweren Fall – begangen im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit. Der 40-Jährige wurde zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Und dabei spielte seine positive Entwicklung eine entscheidende Rolle

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